Arbeitsklimaindex Tourismus: Frauen fürchten um Altersversorgung
AK-Wien, Lebensgewerkschaft vida und IFES präsentieren eine Umfrage zur Arbeitszufriedenheit
Wien (TP/OTS) - Die steigende Konjunktur lässt die Mundwinkel der
Beschäftigten nach oben klettern: Auch im Tourismus ist der
wirtschaftliche Optimismus gestiegen. Das ergibt der
Arbeitsklimaindex Tourismus, der vom Institut für empirische
Sozialforschung (IFES) bereits zum dritten Mal im Auftrag von AK Wien
und Lebensgewerkschaft vida, früher HGPD, erstellt wurde. Bei der
Präsentation heute, Dienstag, 28. August 2007, in einer gemeinsamen
Pressekonferenz, erklärt IFES-Experte Georg Michenthaler, dass die
Arbeitszufriedenheit zugenommen habe. Tourismus ist auch eine
Frauenbranche. Die Frauen sind allerdings weniger zufrieden, räumt
AK-Frauensprecherin Ingrid Moritz ein. Sie fordert eine Verbesserung
beruflicher Perspektiven. vida-Vorsitzender Rudolf Kaske spricht sich
für mehr Qualität in Aus- und Weiterbildung aus.++++
"Der Tourismus ist eine klassische Frauenbranche mit hohem
Teilzeit- und ArbeiterInnenanteil", fasst IFES-Experte Georg
Michenthaler die Ergebnisse der Studie zusammen. Der Frauenanteil
beträgt 62 Prozent, in anderen Sektoren nur 48. Der Experte weiter:
"Mit 111 Punkten ist die Arbeitszufriedenheit in der Branche seit
letztem Jahr gestiegen und liegt gleich hoch wie bei anderen
Berufen." Allerdings seien die Tourismusbeschäftigten mit der Höhe
ihres Einkommens, das deutlich unter dem Durchschnitt liegt,
unzufrieden: "Gerade Teilzeitbeschäftigte, Frauen und niedrig
Qualifizierte sind pessimistisch, was ihre Altersvorsorge betrifft."
Ingrid Moritz kann das verstehen: "Die Branche ist gekennzeichnet
durch geringe Entlohnung, fehlende Karriereperspektiven, hohe Anteile
an Saisonbeschäftigung und familienunfreundliche Arbeitszeiten." Die
Sonderauswertung des Arbeitsklimaindex zeige, dass Frauen mit
Einkommen und Karrieremöglichkeiten weniger zufrieden sind als
Männer: "Doppelt so viele Frauen wie Männer sind gar nicht zufrieden
mit dem Einkommen. Bei den Frauen sind es 23 Prozent, bei den
Männern elf Prozent."
Dazu kämen wenig berufliche Perspektiven und familienunfreundliche
Arbeitszeiten: "Wir finden in der Branche vor allem junge Menschen
ohne eigene Familie. Beschäftigte, die in Partnerschaft leben, machen
im Tourismus laut IFES-Studie lediglich 54 Prozent aus, in den
anderen Branchen hingegen 62 Prozent." Die Leiterin der Abteilung
Frauen und Familie in der AK Wien fordert daher, dass die beruflichen
Perspektiven von Frauen im Tourismus verbessert werden müssen und
Maßnahmen zur besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie, wie die
Öffnung von Gästekindergärten für die Kinder der Beschäftigten.
"An Karrieren vom Tellerwäscher zum Millionär, vom Stubenmädchen
zur Millionärin ist im heimischen Tourismus nicht zu denken", schlägt
vida-Vorsitzender Rudolf Kaske in eine ähnliche Kerbe: "Es gilt die
Devise: Du wirst nichts, hast aber einen Job!" Kaske erklärt daher:
"Jung sein ist ein tolles Lebensgefühl, Erfahrung im Job bringt dem
Betrieb aber auch wirtschaftliche Vorteile. Wir müssen die Flucht aus
der Branche stoppen und sie für ArbeitnehmerInnen wieder attraktiv
machen. So viele Kolleginnen, gerade Frauen, hätten die
Qualifikationen in Toppositionen zu arbeiten. Nur wenn jetzt in
Aus-und Weiterbildung investiert wird, können wir
Tourismusweltmeister bleiben: Denn in kaum einer Branche hängt
wirtschaftlicher Erfolg so sehr von menschlicher Qualität ab, wie im
Tourismus."
Rückfragehinweis:
vida Presse und Öffentlichkeitsarbeit
Katharina Klee
Tel.: 0664 381 93 67
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