3.Arbeitsmarktgipfel in Wien - Tourismus setzt auf Zusammenarbeit
Utl.: Hundstorfer, Kopf, Kaske, Schenner: In schwierigen Zeiten
zusammenrücken - Touristischer Arbeitsmarkt noch relativ
krisenfest =
Wien (TP/OTS) - Die steigenden Arbeitslosenzahlen, die auch die
Tourismusbranche erfasst haben, stehen im Mittelpunkt des dritten
Tourismus-Arbeitsmarktgipfels, der heute in Wien stattfand und von
der Bundessparte Tourismus und Freizeitwirtschaft (WKÖ) initiiert
wurde.
Gerade in schwierigen Zeiten ist es umso wichtiger,
Experten-Know-how zu bündeln, um im gegenseitigen Austausch und
Zusammenwirken einen der wichtigsten Pfeiler der österreichischen
Volkswirtschaft zu unterstützen und Strategien zu entwickeln, die es
ermöglichen, wirtschaftlichen Turbulenzen gegenzusteuern, waren sich
Bundesminister Rudolf Hundstorfer, AMS-Vorstand Johannes Kopf,
vida-Vorsitzender Rudolf Kaske und der Obmann der Tourismussparte in
der WKÖ, Hans Schenner, einig.
Hundstorfer: Leitprojekte verbinden erfolgreich Tourismus und
Arbeitsmarktpolitik
"Die Tourismus- und Freizeitwirtschaft hat für den Arbeitsmarkt
enorme Bedeutung", so Hundstorfer. Die Beschäftigungslage im
Tourismus sei derzeit weiterhin stabil und biete jungen Menschen
berufliche Perspektiven. Mit 14.495 bildete die Tourismusbranche im
Jahr 2008 11 Prozent aller Lehrlinge aus. "Erfreulicherweise gibt es
in der Tourismusbranche seit Jahren einen unverändert hohen Bedarf an
Lehrlingen", betonte Hundstorfer. So seien im Mai 2009 1.393
Lehrlinge für die Ausbildung in Tourismusberufen gesucht worden,
diesen offenen Lehrstellen stehen 403 Lehrstellensuchende gegenüber.
Wie man Tourismus und Arbeitsmarktpolitik erfolgreich verbinden
kann, zeigen die Leitprojekte des Bundesministeriums für Arbeit,
Soziales und Konsumentenschutz. Das Projekt "Modellregion
Tourismusnetzwerk Neusiedler See" im Burgenland und das Projekt
"Welterberegion Bad Goisern, Gosau, Hallstatt, Obertraun" im Inneren
Salzkammergut verbinden Arbeitsmarkt- und Tourismuspolitik und können
ausgezeichnete Zwischenergebnisse aufweisen.
"Das Projekt "Modellregion Tourismusnetzwerk Neusiedler See" ist
beispielgebend für die Weiterentwicklung des österreichischen
Tourismus", betonte Hundstorfer. Arbeitsmarktpolitische Prioritäten
des Projekts sind unter anderem
Landschafts-pflege/Radwege/Wanderwege: Aufwertung bestehender
Beschäftigungsverhältnisse in den Gemeinden, das
Beschäftigungsprojekt "Gäste- und Betriebsbetreuer" (Pilotprojekt zum
neuen Berufsfeld Informationsmanagement) sowie die Förderung von
Abgänger/innen der Tourismusschulen (Innovative Einstiegsförderung).
Das Projekt "Welterberegion Bad Goisern, Gosau, Hallstatt,
Obertraun" hat zum Ziel, die touristische Qualität im Inneren
Salzkammergut zu verbessern, die Saisonen zu verlängern und damit das
Beschäftigungsangebot in der Region zu erweitern. Durch Innovationen
sollen neue Beschäftigungsfelder im Kultur- und Konferenztourismus
eröffnet werden und unter anderem eine stärkere Zusammenarbeit von
Tourismusschulen und arbeitsmarktpolitischen Akteuren forciert
werden. "Mit Maßnahmen wie diesen beiden Projekten wollen wir dazu
beitragen, dass die Tourismus- und Freizeitwirtschaft auch in Zukunft
gut aufgestellt ist", so Hundstorfer.
Kopf: Weiterbildung sichert Arbeitsplätze
Der Arbeitsmarkt im Tourismus funktioniert trotz Krise nach wie
vor recht gut. Obgleich wir insgesamt weniger Stellen auch in diesem
Bereich gemeldet bekommen, finden sich Berufe aus dem Bereich
Gastgewerbe und Tourismus weiterhin unter den Top Ten der beim AMS am
stärksten nachgefragten Berufe. So gab es von Jänner bis Mai die
absolut meisten Stellenzugänge für Kellner/innen (gesamt 11.785),
gefolgt von Stellen für Gaststätten-köch/innen (gesamt 7.587) auf
Platz zwei und den Stellen für Kochgehilf/innen (gesamt 5.020) auf
Platz vier. Den gemeldeten Stellen stehen auch zahlreiche
Arbeitsuchende gegenüber. Ende Mai lag das Verhältnis von
Arbeitsuchenden zu freien Stellen bei den Kellner/innen bei 1:2,4 und
bei den Gaststättenköch/innen bei 1:1,3. "Da hier auf eine freie
Stelle weniger als 1,5 Arbeitsuchende kommen, besteht bei dem
Köchinnen und Köchen nach wie vor Fachkräftemangel", erklärte
Johannes Kopf.
Um Betriebe im Tourismus und Gastgewerbe mit gut ausgebildetem
Personal weiterhin zu versorgen, fördert das AMS die
Fachkräfteausbildung in dieser Branche. Über ein regionales
Qualifizierungsprogramm bildet das AMS heuer österreichweit insgesamt
rund 900 Personen zu speziellen Fachkräften in Gastronomie- und
Tourismusberufen aus. Der Großteil der Schulungen wird in den
Tourismusregionen Salzburg (21 %), (Wien (18 %), Steiermark (17 %),
Niederösterreich (15 %) und Tirol (15 %) durchgeführt. "Im Rahmen des
regionalen Qualifizierungsprogramms werden beispielsweise
Facharbeiterintensiv-ausbildungen für Köchinnen und Köche in Wien und
Ausbildungen für Restaurantfachkräfte in der Steiermark
durchgeführt", erläuterte Kopf.
Darüber hinaus fördert das AMS im Rahmen der
Qualifizierungsförderung für Beschäftigte die Weiterbildung von
Personen im Alter ab 45 Jahren, von Frauen mit höchstens
Lehrausbildung oder mittlerer Schule sowie von Wiedereinsteigerinnen.
Dabei finanziert das AMS gemeinsam mit dem Europäischen Sozialfonds
(ESF) den Unternehmen zwei Drittel der Kurskosten, ein Drittel zahlt
der Betrieb selbst. Die Förderung wird von der Hotel- und
Gastronomiebranche in steigendem Ausmaß in Anspruch genommen: 2007
gab es rund 1.400 Schulungsteilnehmer, 2008 bereits 4.592 und von
Jänner bis Mai 2009 haben schon 5.602 Teilnehmerinnen und Teilnehmer
von der Förderung profitiert. "Durch die Qualifizierungsförderung für
Beschäftigte erreichen wir, dass an den betrieblichen
Weiterbildungsmaßnahmen verstärkt Ältere und Frauen teilnehmen, und
durch die Weiterbildung auch deren Arbeitsplätze besser abgesichert
sind", so Kopf.
Schenner fordert Konjunkturpaket für Regionen und Reparatur des
Antikorruptionsgesetzes
"Tourismus findet vor allem in den Regionen statt, daher fordern
wir ein Konjunkturpaket zur Stärkung der Regionen und Gemeinden",
erklärte Hans Schenner. Durch Investitionen in die Infrastruktur
sowie in den Tourismus erhöhe sich das lokale und regionale
Potenzial, Einheimische mit ihren Familien in den Regionen zu halten,
neue Bürger anzusiedeln, aber auch mehr Urlaubsgäste für die Region
zu gewinnen.
Tourismusinvestitionen rechnen sich für die gesamte
Volkswirtschaft vielfach, da die Beschäftigungsmultiplikatoren in
dieser Branche zu den höchsten zählen. "Überlegen wir doch einmal wie
viele Branchen vor Ort allein vom Tourismus profitieren: Vom Bäcker
bis hin zum Installateur, um nur zwei Beispiele zu nennen",
verdeutlichte Schenner. Aber nur finanzkräftige Gemeinden hätten
ausreichend Möglichkeiten in den Tourismus zu investieren und somit
auch perfekte Rahmenbedingungen für Bürger und Betriebe zu schaffen.
"Wir wollen im Tourismus keine Kurzarbeit und keine Umschulungen.
Unser Ziel ist es, unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der
Arbeit zu halten und zwar in Jobs mit Standortgarantie", bekräftigte
Schenner. "Wenn Wirtschaftskapitäne wie Hannes Androsch sagen, dass
niemand eine Garantie in einer so unsicheren Wirtschaftslage abgeben
kann, so ist das falsch: Ich kann eine Standortgarantie abgeben, denn
Tourismus ist untrennbar mit Standortgarantie verbunden - aber dafür
müssen wir ein optimales Umfeld bieten!"
Weiters fordert Schenner dringend eine Reparatur des
Antikorruptionsgesetzes. Dieses Thema sorgt in der Tourismusbranche
für großen Unmut. Bereits über ein Jahr ist dieses Gesetz in Kraft,
die Unklarheiten werden aber immer größer.
"Ich stimme zu: Korruption muss bekämpft werden, aber bitte nicht
mit Kanonen auf Spatzen schießen. Hier ist die Politik dringend
gefordert, für klare Regelungen mit Augenmaß zu sorgen, denn derzeit
verfehlt dieses Gesetz sein Ziel komplett und stiftet nur
Verwirrung."
Das Antikorruptionsgesetz führe gerade in der gehobenen
Gastronomie zu massiven Geschäftseinbußen. "Ich weiß persönlich von
einem Gastronomen in der Wiener Innenstadt, der aufgrund des
erheblichen Wegfalls von Geschäftsessen bereits drei Mitarbeiter
kündigen musste - und das ist kein Einzelfall!", berichtete
Schenner.
Nicht vergessen dürfe man auch die zahlreichen Eventagenturen und
Catering-Unternehmer, die durch diese Regelungen ebenfalls mittelbar
betroffen sind.
Hier bestehe dringender Handlungsbedarf, denn diese Unklarheiten
und Unsicherheiten dürfen nicht auf dem Rücken des Tourismus
ausgetragen werden.
Mit Bezug auf die Problematik der noch immer bestehenden
Einkommensschere zwischen Mann und Frau bekräftigte Schenner: "Unsere
Branche ist nicht nur mit rund 60 Prozent aller Beschäftigten
weiblich, bei uns sind auch die geschlechtsspezifischen
Verdienstunterschiede am geringsten." Im Gastgewerbe liegt der Anteil
der Verdienste der Frauen an jenen der Männer bei 90,4 Prozent. Der
österreichweite Durchschnitt liegt bei 77,3 Prozent.
Kaske fordert Beschäftigungsgarantie und Erhöhung des
Arbeitslosengeldes
"Die Sicherung von Arbeitsplätzen hat zurzeit oberste Priorität.
Eine Standortgarantie ist gut, noch besser wäre aber eine
Beschäftigungsgarantie", meinte Rudolf Kaske.
Auch die soziale Absicherung für Saisonbeschäftigte ist der
Gewerkschaft ein Anliegen. "Dringend notwendig wäre in diesem
Zusammenhang eine Erhöhung des Arbeitslosengeldes. Die
Nettoersatzrate von derzeit 55 Prozent auf 60 Prozent zu erhöhen,
kann auch als direkte Investition in den Konsum gesehen werden", so
Kaske.
"Die Entwicklung des österreichischen Tourismus ist sehr stark von
den Herkunftsmärkten abhängig. Die österreichische Bundesregierung
hat vorbildlich auf die Krise reagiert, aber das allein reicht nicht.
In Hinblick auf die touristischen Herkunftsmärkte ist auch dort
entschlossenes Handeln gefragt - Stichwort: Osteuropahilfe", bemerkt
der vida-Vorsitzende.
"Arm trotz Arbeit" dürfe für den Tourismus als identitätsstiftende
Prestigebranche des Landes nicht gelten. Die generelle Anhebung des
Einkommensniveaus im Tourismus sei daher unumgänglich: "Was die
Branche braucht sind höhere Löhne und bessere berufliche
Perspektiven, um konkurrenzfähig zu bleiben und damit uns die
qualifiziertesten Mitarbeiter/innen nicht abhanden kommen",
konstatiert Kaske. Daher könne die Gewerkschaft auch nicht damit
zufrieden sein, dass die geschlechtsspezifischen
Verdienstunterschiede im Tourismus geringer sind als in anderen
Branchen. Vielmehr gelte es, die Einkommensschere auf hohem Niveau zu
schließen und nicht zu akzeptieren, dass Frauen und Männer gleich
wenig verdienen.
Rückfragehinweis:
Bundesministerium für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz
Pressesprecher des Bundesministers
Mag. Norbert Schnurrer
Tel.: +43 (0)1 711 00-2246
norbert.schnurrer@bmask.gv.at
AMS Österreich
Öffentlichkeitsarbeit und Marketing
Dr. Beate Sprenger
Tel.: +43 (0)1 33 178-522
beate.sprenger@ams.at
Gewerkschaft vida
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Mag. Ines Schmied
Tel.: +43 (0)1 546 41-113
ines.schmied@vida.at
Wirtschaftskammer Österreich
Bundessparte Tourismus und Freizeitwirtschaft
Mag. Maria Aigner / Mag. Irmgard Poschacher
Tel.: +43 (0)5 90 900-3582 / +43 (0)5 90 900-3786
maria.aigner@wko.at / irmgard.poschacher@wko.at
*** TP-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER
INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.TOURISMUSPRESSE.AT ***
TPT0003 2009-06-15/11:30
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