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TPT0004 | 12.08.2009 | 12:45 | Channel: Tourismuswirtschaft

Aussender: ÖGB Österreichischer Gewerkschaftsbund


Stichworte: AK / Arbeitsmarkt / Gewerkschaften / Tourismus / Wirtschaft / vida

Arbeitsklimaindex Tourismus: Prekäre Arbeitsverhältnisse steigen, Zufriedenheit sinkt

Zwei Drittel der Tourismus-Beschäftigten kommen kaum mit ihrem Einkommen aus

   Wien (TP/OTS) - Die Krise hat den österreichischen Tourismus
erreicht - das schlägt sich auch im Arbeitsklimaindex für den
Tourismus nieder. Das subjektive Empfinden der Beschäftigten
korreliert mit den Wirtschaftsdaten. Die ArbeitnehmerInnen bekommen
die wirtschaftliche Lage mancher Betriebe verstärkt zu spüren.

   Die Chancen am Tourismus-Arbeitsmarkt sind dramatisch
eingebrochen. Waren die Beschäftigten in den Jahren zuvor noch davon
überzeugt, relativ einfach einen Wechsel innerhalb der Branche
bewerkstelligen zu können, ist die Einschätzung nun zögerlicher. Die
allgemeine Lebenszufriedenheit wie auch die Zufriedenheit im Betrieb
und der Optimismus in Hinblick auf die gesamtgesellschaftliche
Situation sinken deutlich.

ArbeitnehmerInnen sind erhöhtem Druck ausgesetzt, das Betriebsklima
leidet

   Durch die schlechte Buchungslage steigt die Nervosität der
Arbeitgeber und die Beschäftigten sehen sich oft einem erhöhten Druck
ausgesetzt, ein schlechtes Betriebsklima wird auf diese Weise
gefördert. Daher der Appell des vida-Vorsitzenden Rudolf Kaske an die
Arbeitgeber: "Die ArbeitnehmerInnen sind nicht für diese Krise
verantwortlich. Auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten muss der
korrekte Umgang mit den MitarbeiterInnen selbstverständlich sein."

   Das Einkommen von Tourismusbeschäftigten ist traditionell niedrig.
Qualifizierte ArbeitnehmerInnen im Tourismus sind oft schlechter
bezahlt als ungelernte in anderen Branchen. Laut Arbeitsklimaindex
kommen zwei Drittel der Tourismus-Beschäftigten sehr schlecht bis gar
nicht mit ihrem Einkommen aus. Jeder Zweite kommt überhaupt nur durch
finanzielle Zuwendung der Eltern, EhepartnerIn oder LebensgefährtIn
über die Runden. "Das ist eine höchst alarmierende Entwicklung", so
Kaske. Hintergrund dafür dürfte auch die steigende Anzahl an prekären
Arbeitsverhältnissen im Tourismus sein. Die geringfügige
Beschäftigung ist österreichweit stark gestiegen, um gut 4.000 oder
11,4 Prozent. Hier gab es die stärksten Zuwächse in Wien (+1.102), in
der Steiermark (+831) sowie in Oberösterreich (+662).

Regionale Unterschiede bei Beschäftigung und Arbeitslosenzahlen

   Im 2. Quartal 2009 ist die Tourismusbeschäftigung in Österreich um
knapp 4.500 gegenüber dem Vorjahresquartal zurückgegangen, das
entspricht einem Minus von 2,6 Prozent. Regional war die
Betroffenheit allerdings sehr unterschiedlich: Den stärksten
Beschäftigungseinbruch hatte Salzburg mit -6,7 Prozent gefolgt von
Tirol mit -4,6 Prozent und Wien mit -4 Prozent. Oberösterreich und
Burgenland weisen Beschäftigungszuwächse um 2,8 Prozent bzw. 2,7
Prozent auf.

   Die Arbeitslosigkeit stieg im 2. Quartal um 3.900 Personen bzw. um
12,3 Prozent. In absoluten Zahlen stieg sie in Tirol (+804) sowie in
Wien (+602) am stärksten. Das regionale Muster entspricht jedoch
nicht immer den Beschäftigungsverlusten. In Salzburg, Tirol und Wien
stieg die Arbeitslosigkeit weniger als die Beschäftigung abnahm.
"Das liegt hauptsächlich daran, dass die Arbeitslosigkeit am Wohnort
und nicht am Beschäftigungsort gezählt wird, aber auch daran dass
sich nicht alle registrieren lassen, die ihren Job verlieren",
erklärt Kai Biehl, Arbeiterkammer Wien.

   Herausforderung sei es nun, gestärkt aus der wirtschaftlich
schwierigen Zeit herauszugehen. Denn der Tourismus könnte zu den
Topbranchen der österreichischen Wirtschaft zählen.
Tourismusbetriebe, die kein Personal finden, sind in den meisten
Fällen selbst schuld daran. "Schlechte Entlohnung, überlange und
familienfeindliche Arbeitszeiten sowie mangelnde Aufstiegschancen -
das soll das Angebot an potentielle ArbeitnehmerInnen sein? Kein
Wunder, dass viele Beschäftigte vom Tourismus die Nase voll haben und
lieber versuchen, einen Existenz sichernden Job in einer anderen
Branche zu bekommen", weiß vida-Vorsitzender Rudolf Kaske.

Auf Qualifizierung und attraktivere Arbeitsbedingungen setzen

   Tourismusbetriebe müssten auf die Qualifizierung der Beschäftigten
setzen und attraktivere Arbeitsbedingungen bieten, denn wenn die
Rahmenbedingungen passen und die Entlohnung stimmt, dann findet sich
auch Personal. Und dieses ist immerhin das Aushängeschild jedes
Betriebes. "Die Beschäftigten im Tourismus sind - unabhängig von der
Krise - zu wichtig für die Betriebe, um ihre Bedürfnisse zu
vernachlässigen. Das haben leider viele Unternehmen noch nicht
kapiert", so der Appell Kaskes an die Arbeitgeber.

Rückfragehinweis:
   vida-Öffentlichkeitsarbeit
   Ines Schmied
   Tel.: +43 (0)1 54641-113
   Mobil: +43 (0)664 614 57 31
   ines.schmied@vida.at
   http://www.vida.at

   AK Wien Kommunikation
   Thomas Angerer
   Tel.: +43 (0)1 501 65 - 2578
   thomas.angerer@akwien.at
   http://wien.arbeiterkammer.at

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