Utl.: Tourismus-Arbeitsmarkt 2009: Beschäftigung gesunken, weniger offene
Stellen =
Wien (TP/OTS) - "Die Krise ist zwar im österreichischen Tourismus
angekommen, das prognostizierte Ausmaß ist aber nicht eingetreten",
meint Rudolf Kaske, Vorsitzender der Gewerkschaft vida, angesichts
der aktuellen Daten zum Fremdenverkehrsbereich. Stattdessen war 2009
das "fünftbeste" Tourismusjahr der Geschichte.+++
"Das zeigt wieder einmal: Viele in der Branche jammern auf hohem
Niveau", so Kaske. Im Vergleich mit vielen anderen
Wirtschaftsbereichen ist der Tourismus also mit einem "blauen Auge"
davongekommen. Mit mehr als 34,4 Millionen Nächtigungen, das
entspricht einem Plus von 1,6 Prozent, waren die österreichischen
Gäste die "Bilanzretter und -retterinnen" 2009.
"Die Beschäftigung in der Branche ist im Jahresdurchschnitt 2009
auf 178.722 Personen gesunken. Das bedeutet im Vergleich zum Vorjahr
ein Minus von 2.265 unselbständig Erwerbstätigen im Tourismus",
erklärt Kaske.
Dementsprechend ist die Arbeitslosigkeit im Jahresvergleich
gestiegen. Waren es 2008 noch 28.766 vorgemerkte Arbeitslose im
Fremdenverkehrsbereich, stieg die Zahl 2009 um 3.804 Personen auf
32.569 (+13,2 Prozent) an. Demgegenüber steht ein Rückgang der
offenen Stellen in der Branche um 19,3 Prozent. Im Jahresdurchschnitt
2008 waren 5.761 offene Stellen gemeldet, 2009 waren es nur mehr
4.650.
Bei den bewilligungspflichtigen AusländerInnen im Hotel- und
Gastgewerbe ist ein leichter Rückgang bemerkbar. 2008 waren 31.099
Personen aus Nicht-EU-Staaten im Tourismus beschäftigt, 2009 um 1,4
Prozent weniger, in Zahlen 30.653 Personen. Noch nicht
miteingerechnet sind dabei ArbeitnehmerInnen aus den EU-Staaten.
Buchungslage in der aktuellen Saison zufriedenstellend
"Die Krise hat den österreichischen Tourismus sicherlich
gestreift, aber zum Glück nicht mit voller Wucht getroffen",
bilanziert Kaske. Aktuell sei die Buchungslage in den
Winterquartieren zufriedenstellend, und auch die Semesterferien sind
gut gebucht. Die ausgezeichneten Wetter- und Schneeverhältnisse
lassen auf eine gute Wintersaison hoffen: "Doch abgerechnet wird am
Ende der Saison", stellt der Gewerkschafter fest.
Working-poor im Tourismus durch niedriges Einkommen und
All-In-Klauseln
Die Gewerkschaft vida sagt den All-Inclusive-Verträgen den Kampf
an: "Wer heute Verträge mit All-In-Klauseln unterschreibt, verdient
oft nicht mehr als den Mindestlohn der Branche", weiß Kaske aus der
Praxis. Der Tourismus ist von der Lohn- und Gehaltsstruktur bereits
im unteren Drittel der Einkommen angesiedelt. Durch All-In-Klauseln
in den Arbeitsverträgen sind die Beschäftigten oft gezwungen, 10
Stunden und mehr pro Tag zu arbeiten, ohne dafür einen zustehenden
Ausgleich zu bekommen.
Auf diese Weise entsteht eine soziale Schieflage: "Die Unsitte der
Arbeitgeber, All-In-Verträge zu verlangen, hat auch Auswirkungen auf
die soziale Sicherheit in unserem Land und nicht zuletzt auf deren
Finanzierung", warnt Kaske. Und das betrifft nicht nur den Tourismus,
obwohl hier weit verbreitet: "Geschätzt wird, dass es über alle
Branchen gerechnet rund 700.000 ArbeitnehmerInnen gibt, die
All-In-Verträge unterschrieben haben", so der vida-Vorsitzende. Das
wären rund 20 Prozent aller Arbeitsverträge.
Weniger Lehrlinge im Tourismus: Mangelnde Attraktivität der Branche?
Trotz offener Lehrstellen ist der Tourismus nicht die erste Wahl
von Lehrstellensuchenden. Waren es Ende Dezember 2008 noch 14.495
Lehrlinge im Hotel- und Gastgewerbe, waren es 2009 nur mehr 13.546
Lehrlinge (-6,5 Prozent). Damit ist im Tourismus der größte Rückgang
aller Branchen im Vergleichszeitraum zu verzeichnen.
Für den vida-Vorsitzenden Rudolf Kaske ein Alarmsignal: "Der
Branche mangelt es offensichtlich an Attraktivität. Ich lade daher
die Wirtschaftskammer und die ÖHV ein, mit uns gemeinsam darüber
nachzudenken, wie der Tourismus für junge Menschen wieder attraktiver
gestaltet werden kann."
Lehrlinge im Hotel- und Gastgewerbe finden meist schwierige
Bedingungen vor. Einerseits werden sehr flexible Arbeitszeiten
gefordert, andererseits ist die Bezahlung äußerst schlecht. Gefragt
seien daher innovative Konzepte, denn andere Wirtschaftszweige sind
dem Tourismus an Angeboten für junge Menschen (Bonuszahlungen für
gutes Zeugnis, Führerschein, Matura) weit überlegen.
Gewerkschaft vida fordert Verkürzung der dreimonatigen Probezeit
Robert Maggale, Sekretär der vida-Bundesfachgruppe Tourismus,
kennt die Praxis im Tourismus gut: "Einerseits wird von
Arbeitgeberseite über mangelnde Mobilität gejammert, andererseits
wird den potentiellen ArbeitnehmerInnen nichts geboten." Er
kritisiert besonders das Vorgehen der Arbeitgeber, Lehrverträge
vorzeitig aufzulösen.
"Völlig überarbeitete und ausgebrannte Jugendliche können ihren
Urlaub und ihr Zeitguthaben immer häufiger erst in der Zwischensaison
konsumieren", berichtet Maggale. Wenn es überhaupt so weit kommt:
Denn die Gewerkschaft vida vermeldet vermehrt Anfragen Betroffener,
wonach das Dienstverhältnis vor Ablauf der dreimonatigen Probezeit
gelöst wird. Lehrlinge, auch jene die älter als 18 Jahre sind, werden
im Dezember eingestellt, Mitte Februar wird die Zusammenarbeit wieder
beendet. "Daher ist es höchste Zeit, die Probezeit auf einen Monat zu
verkürzen, um skrupellosen Dienstgebern im Tourismusbereich dieses
Schlupfloch zu stopfen", fordert der Gewerkschafter.
Rückfragehinweis:
vida-Öffentlichkeitsarbeit
Ines Schmied
Tel.: +43 (0)1 54641-113
ines.schmied@vida.at
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