International Mountain Summit
Gestern war der Tag der Alpenvereine
Brixen (TP/OTS) - Der Eröffnungstag des International Mountain
Summit (IMS) stand ganz im Zeichen der Alpenvereine. Unter dem Motto
"Recht auf Risiko" veranstalteten der Alpenverein Südtirol (AVS), der
Club Alpino Italiano (CAI), der Deutsche (DAV) und der
Oesterreichische Alpenverein (OeAV) Vorträge, Multivisionsshows und
Diskussionen. Im Mittelpunkt: Die Frage nach dem Verhältnis von
Rechtsprechung, Risiko und Selbstverantwortung. Welche Bedeutung hat
Risiko im Bergsport? Wie weit sollten Gesetze in den Bergsport
hineinreichen? Und wieviel Selbstverantwortung sollte beim
Bergsportler bleiben?
Dass der IMS für die Alpenvereine ein ideales Forum bietet, zeigte
sich nicht nur an den vielen verschiedenen Vertretern der
internationalen Bergsportszene, die dort als Referenten und
Diskutanten zur Verfügung standen, sondern auch am
Publikumsinteresse. Zu den Vormittagsreferaten kamen über 100
Zuhörer, am Nachmittag fanden sich etwa 150 Interessierte ein. Die
beteiligten sich denn auch sehr aktiv am Geschehen. Unter der
souve-ränen Moderation von Volker Steinbrecher gab es im Anschluss an
die Themenblöcke spannende Diskussionen mit viel
Zuschauerbeteiligung. Am Abend kamen rund 300 Zuhörer, darunter so
prominente Gäste wie der Südtiroler Landeshauptmann Dr. Luis
Durnwalder, der Südtiroler EU-Parlamentarier Herbert Dorfmann und
DDr. Karl Zeller, Abgeordneter im italienischen Parlament. In drei
kurzen Gesprächsrunden fassten die Moderatoren Volker Steinbrecher
und Michael Pause die Vorträge und Diskussionen des Vor- und
Nachmittages zusammen. Zwischen den Themen tauchte eine Forderung
immer wieder auf, die OeAV-Präsident Dr. Christian Wadsack in seinem
Abschlussplädoyer auch noch einmal aufgriff: Der Bergsport braucht
nicht noch mehr Gesetze, die Bergwelt muss auch in Zukunft frei
zugänglich bleiben!
Die Diskussionen am Vormittag
Einen ersten Hinweis, in welche Richtung die Redebeiträge und
Diskussionen des Tages gehen würden, gab Robert Renzler,
Generalsekretär des OeAV, in seinem Einführungsreferat mit einem
Zitat: "Zu viele Menschen denken an Sicherheiten statt an Chancen.
Sie haben mehr Angst vor dem Leben als vor dem Tod."
DAV-Vizepräsidentin Tamara Schlemmer brachte anschließend den
gemeinsamen Standpunkt der Alpenvereine auf drei Thesen: Risiko
gehört zum Leben und deshalb auch zum Bergsport; Risikokompetenz ist
erlernbar; Freiheit und Verantwortung sind für den Bergsport
unabdingbar. Alex Huber brachte die Perspektive eines
Extrembergsteigers in die Diskussion ein. In seinem überzeugenden
Plädoyer zeigte er auf, wie eng Risiko und Sinngebung im Bergsport
beieinander liegen. Prof. Siegbert Warwitz lieferte für Hubers
Ausführungen den wissenschaftlichen Hintergrund. Mehr noch
argumentierte der Risikoforscher, dass es nicht nur ein generelles
Recht auf Risiko gäbe, sondern sogar eine Pflicht zum Wagnis, denn
erst durch Wagnisse könne sich der Mensch selbstverwirklichen - im
Bergsport genauso wie im "normalen" Leben.
Risiko als Verkaufsargument
Nach der Mittagspause gab Thomas Eichner einen Einblick, wie
Touristiker mit dem Tagesthema umgehen. Die Risiken im Bergsport
verpflichteten die Branche dazu, ihre Gäste aufzuklären und
gegebenenfalls auszubilden. Hierin liege, so der Tourismuschef von
Meran, die Chance, mit den Alpenvereinen noch enger
zusammenzuarbeiten. In eine ähnliche Richtung, aber aus einer
vollkommen anderen Perspektive, ging Clemens Kratzer in seinem
Vortrag. Der Redakteur beim Bergsportmagazin "Alpin" gab
unterhaltsame Antworten auf die Frage, warum die Medien so gerne über
Bergunfälle berichten. Statt Medienschelte auszuteilen, rief er die
Alpenvereine zu intensiverer Medienarbeit auf. "Warum lassen wir
nicht einen gemeinsamen Alpinpresseclub wieder aufleben?"
Recht und Risiko
In den dritten Themenblock "Bergsport und Recht" leiteten Wolfgang
Wagner vom DAV, Hubert Mayrl vom AVS und Carlo Zanantoni vom CAI ein.
Die drei machten keinen Hehl aus ihrem Standpunkt: Mehr Gesetze als
die bereits bestehenden darf es im Bergsport nicht geben. Zwei
Juristen erläuterten anschließend die aktuellen Rechtslagen. Der
österreichische Alpinjurist Dr. Andreas Ermacora tat dies für
Österreich und Deutschland. Sein Credo: Die Gesetze sind ausreichend,
die Justiz geht mit Augenmaß vor. Ganz anders sei die Lage in
Italien, so DDr. Karl Zeller, Abgeordneter im italienischen
Parlament. Dort würde den Bergsportlern kaum Eigenveranwortung
zugebilligt werden. Der Erste Vorsitzende des AVS, Georg Simeoni,
schloss direkt daran an, als er in seiner Bilanz der bisherigen
Redebeiträge die Forderungen der Alpenvereine wiederholte und
Freiheit und Eigenverantwortung im Bergsport betonte.
Der Abend
In der Begrüßung machte Georg Simeoni noch einmal auf die
Forderungen der Alpenvereine aufmerksam, die Eigenverantwortung der
Bergsportler zu stärken und den freien Zugang zu den Bergen zu
bewahren. Zur Einstimmung in den Abend trug anschließend der
TV-Journalist Michael Pause einige Gedanken zum Thema Risiko im
Bergsport vor, die die Alpenvereine gemeinsam entwickelt hatten.
Begleitet wurden seine Ausführungen von emotionalen Bild- und
Videosequenzen. In drei Gesprächsrunden schafften es die Moderatoren
Steinbrecher und Pause dann, die Themen des Vor- und Nachmittags
nicht nur zu wiederholen, sondern zuzuspitzen. Das Resultat: Nach
einhelliger Meinung der Diskutanten haben die Alpenvereine eine
wichtige Rolle dabei, Bergsportler aufzukären und auszubilden. Denn
der beste, vernünftigste und effektivste Weg, dem Risiko in den
Bergen zu begegnen, läuft nicht über Gesetze. Sicherheit in den
Bergen entsteht mit kompetenten Bergsportlern.
Die Alpenvereine
AVS, CAI, DAV und OeAV haben insgesamt mehr als 1,5 Millionen
Mitglieder, sie betreuen 70.000 Kilometer Wege und Steige und
betreiben rund 1.250 Schutzhütten. Seit ihrem Bestehen arbeiten die
Vereine in zahlreichen Projekten und Initiativen zusammen. Ganz
aktuell fördern die deutschsprachigen Alpenvereine beispielsweise im
Rahmen der Kampagne "So schmecken die Berge" die regionale Wirtschaft
und bergbäuerliche Betriebe in den Alpen. Ein gemeinsames Projekt auf
kultureller Ebene ist das historische Alpenarchiv. Dabei wurden in
den vergangenen Jahren über 40.000 Objekte zu den Themen Alpen,
Bergsport und Geschichte gesichtet, katalogisiert, in einer Datenbank
erfasst und ins Internet gestellt. Von der internationalen
Zusammenarbeit der Verbände profitieren die Mitglieder übrigens auch
ganz unmittelbar - zum Beispiel durch das so genannte Gegenrecht: Es
räumt jedem Mitglied das Recht ein, zu Mitgliedertarifen nicht nur in
den Hütten des eigenen Vereins, sondern auch in den Hütten der
anderen Vereine zu übernachten.
Detaillierte Informationen zu der Arbeit und den gemeinsamen
Projekten der Alpenvereine finden Sie unter
http://www.alpenverein.at, http://www.alpenverein.de,
http://www.alpenverein.it sowie whttp://ww.cai.it
Rückfragehinweis:
Oesterreichischer Alpenverein
Robert Renzler
Tel.: +43 (0)664 8556420
robert.renzler@alpenverein.at
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