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TPT0006 | 14.04.2011 | 12:15 | Channel: Tourismuswirtschaft

Aussender: ÖHV - Österreichische Hoteliervereinigung


Stichworte: Arbeitsmarkt / Bildung / Hotelgewerbe / Politik / Tourismus / Wirtschaft

ÖHV und Androsch: "Weg mit den Bremsern in der Bildungspolitik!" - BILD

Politik muss lernen, was gute Ausbildung braucht

Aussendung mit Bild

BILD zu TP/OTS - v.l.n.r.: Sepp Schellhorn (ÖHV-CoPräsident), Dragan Paun, Lehrling im Flemings Deluxe Wien, Dr. Hannes Androsch, Mitinitiator des Bildungsvolksbegehrens und Peter Peer (ÖHV-CoPräsident).

  • Fotograf: Haslinger
  • Fotocredit: Haslinger
  • Ort: Österreich / Wien

   Wien (TP/OTS) - Schellhorn und Peer rufen Unternehmer und
Mitarbeiter im Tourismus zum Unterschreiben des
Bildungsvolksbegehrens auf. Ausbildungspflicht drängt - Hotellerie
nähme sofort 1.500 Lehrlinge auf. Österreich fällt in der
Wettbewerbsfähigkeit im Mitarbeiterbereich zurück.
Jugendarbeitslosigkeit kostet 1 Mrd. Euro.

   Eine kritische Bestandsaufnahme des heimischen Bildungssystems
präsentierten Peter Peer und Sepp Schellhorn, die Präsidenten der
Österreichischen Hoteliervereinigung (ÖHV), mit Dr. Hannes Androsch,
Mitinitiator des Bildungsvolksbegehrens: "Trotz herausragender
Leistungen der Betriebe ist Österreich in einem aktuellen Ranking des
Weltwirtschaftsforums zurückgefallen. Ausschlaggebend waren die
negativen Werte für Arbeitsmarkt und Bildung", so Peer. Der
Handlungsbedarf sei nicht erst seit gestern evident: "Dass ein
hochrangiger Politiker die Bremser im Bildungsbereich als Gefahr für
die Zukunft Österreichs benennt, bestätigt die Analyse des
Weltwirtschaftsforums. Dass er das erst bei seinem Abgang tut, zeigt
erstens Verbesserungspotential auf und zweitens, dass die Veränderung
im Bildungssystem von außen kommen muss: von den Initiatoren des
Bildungsvolksbegehrens, von den Eltern und Schülern, von der
Wirtschaft", erklärt Schellhorn. Gemeinsam fordern sie "alle, denen
etwas an unserer Zukunft liegt, auf, das Volksbegehren zu
unterstützen!"

Ausbildungspflicht umsetzen! Hotellerie nimmt sofort 1.500 Lehrlinge
auf

   Es sei bezeichnend, dass der jüngste Vorstoß zum heimischen
Bildungssystem von einem anderen Ressortchef kommt: Die
Ausbildungspflicht für unter 18-Jährige, die Sozialminister
Hundstorfer vorschlug, müsse rasch umgesetzt werden: "Es landen zu
viele Jugendliche in der Arbeitslosigkeit. Wir müssen das
verhindern", erklärt Peer und verweist auf das soziale Gefälle im
Bildungssystem und die dramatischen Folgen dieser Fehlentwicklung.

Androsch: "Kein junger Mensch darf zurückbleiben!"

   Androsch betonte, wie wichtig Grundkenntnisse in Lesen, Schreiben
und Rechnen für Tourismuswirtschaft und Wirtschaftsstandort seien.
"Gerade in einem Tourismusland wie Österreich ist es fatal, wenn
junge Menschen am Ende ihrer Schullaufbahn nicht fehlerfrei
Kopfrechnen und keinen Satz fehlerfrei schreiben können, von
Fremdsprachenkenntnissen ganz zu schweigen. Es liegt ein Fehler im
System, und für diesen Fehler müssen wir alle teuer bezahlen - die
jungen Menschen, weil durch die schlechte Schulbildung ihre
Zukunftschancen dramatisch sinken, die Wirtschaft, weil sie frei
werdende Stellen entweder gar nicht besetzen kann, oder neue
Mitarbeiter auf eigene Kosten nachschulen muss, und die Gesellschaft,
weil wir im Zeitalter der Dienstleistungs- und Wissensgesellschaft um
jeden jungen Menschen kämpfen müssen, wenn wir wettbewerbsfähig
bleiben und unseren Wohlstand halten wollen." Weiters betonte
Androsch, dass die Lehrausbildung nicht zur "Negativauslese" werden
dürfe. "Das duale Berufsausbildungssystem in Österreich ist eine
riesige Erfolgsgeschichte. Durch den demografischen Wandel droht uns
jedoch in den kommenden Jahren ein eklatanter Lehrlingsmangel.
Deshalb müssen wir dringend den Ruf von Lehrberufen anheben", so
Androsch.

Schellhorn: Defizite im Pflichtschulbereich kosten Tausende Talente

   Die ÖHV engagiert sich intensiv für Verbesserungen in der
Lehrlingsausbildung: Die in Zusammenarbeit mit der Gewerkschaft vida
angebotene Lehrlingsakademie wird stark angenommen, die
Modernisierung der Lehrberufe im Tourismus jetzt umgesetzt. Um die
Zukunft der Lehre zu sichern, müsse aber mehr geschehen: "Wir müssen
das von zwei Seiten angehen: Einerseits müssen wir das Niveau in der
Pflichtschulausbildung heben, damit wir hier niemanden verlieren, den
wir gut brauchen können. Das muss oberste Priorität haben.
Andererseits müssen wir die Vorzüge der Lehre denen besser aufzeigen,
die derzeit in zu großer Zahl in eine andere Richtung tendieren", so
Peer. 2010 haben 39.760 Jugendliche eine Lehre begonnen. 2015 werden
es weniger als 35.000 sein, 2023 nicht einmal 30.000. Schon jetzt
sind alleine im Tourismus 1.500 Lehrstellen zu besetzen. Die
Forderung der Gewerkschaftsjugend, dass Betriebe ab zehn Mitarbeitern
zur Lehrlingsausbildung verpflichtet werden sollen, gehe an der
Realität vorbei. "Der Bedarf an Mitarbeitern steigt, die
Anforderungen an Fachkräfte auch. Trotzdem verlieren Jahr für Jahr
Tausende Talente wegen der Defizite im Pflichtschulbereich den
Anschluss an Bildung und Arbeitsmarkt", meint Schellhorn dazu.

Peer: Konsequenzen aus PISA ziehen!

   Peer fordert, endlich Konsequenzen aus den PISA-Tests zu ziehen:
"Wer von jungen Leuten verlangt, dass sie etwas lernen, muss
Vorbildwirkung zeigen. Aber was haben Politiker und Lehrer aus den
PISA-Tests gelernt, wie haben sie das Gelernte umgesetzt?" Benchmarks
für Schulen und Bildungspolitik sollen die Vergleichbarkeit von
Zeugnissen erhöhen: "Ich muss bei Bewerbern aus ganz Österreich
wissen, was ein Zeugnis objektiv wert ist. Das gebietet die
Fairness."

Jugendarbeitslosigkeit kostet 1 Mrd. Euro

   Einer Zielgruppe müsse gesondertes Augenmerk gewidmet werden: Der
Hälfte der jungen Migranten fehlt ein weiterführender Abschluss nach
der Pflichtschule. "Hier besteht großer Aufholbedarf in der
individuellen Förderung", verweist Schellhorn auf den stark
unterdurchschnittlichen Anteil von Lehrlingen mit
Migrationshintergrund. "Das birgt gesellschaftlichen Sprengstoff."
Aktuell sind 28.000 Jugendliche arbeitslos, noch einmal so viele in
Schulungen. "Wir dürfen nicht den Fehler machen, das als
Einzelschiscksale abzukanzeln oder die Schuld in individuellen
Fehlern zu suchen: Das funktioniert bei dieser Größenordnung nicht
mehr. Denn wenn man vorsichtig mit 1.500 Euro für Arbeitslosengeld,
Schulungskosten und entgangenen Sozialversicherungsbeiträgen rechnet,
kostet uns die Jugendarbeitslosigkeit 1 Mrd. Euro pro Jahr."

Androsch: Zukunft geht uns alle an!

   "Zukunft geht uns alle an", appellieren daher Androsch, Peer und
Schellhorn an Unternehmer und Mitarbeiter in Tourismusbetrieben, für
das Volksbegehren zu unterschreiben. Bis 1. Juli liegen auf
Gemeindeämtern und Magistratischen Bezirksämtern
Unterstützungserklärungen für das Volksbegehren Bildungsinitiative
auf. Jede Unterstützungserklärung zählt bereits zum Gesamtergebnis
des Volksbegehrens, es muss also in der Eintragungswoche nicht noch
einmal unterschrieben werden. Mehr dazu unter
www.nichtsitzenbleiben.at  

Arbeitsmarkt- und Ausbildungsmotor Tourismus

   4.400 Betriebe der Tourismus- und Freizeitwirtschaft bildeten 2010
rund 12.500 junge Menschen aus, das war jeder zehnte Lehrling in
Österreich. Das Engagement der Hotellerie in der Fachkräfteausbildung
lässt sich nicht nur am überdurchschnittlich hohen Lehrlingsanteil
ablesen, sondern auch an der starken Nachfrage nach begleitenden
Weiterbildungsangeboten. Die Lehrlingsakademie von ÖHV und
Gewerkschaft vida findet 2011 bereits zum fünften Mal statt. Die
1.200 Mitgliedsbetriebe der ÖHV beschäftigen mehr als 40.000
Mitarbeiter. Die gesamte Tourismus- und Freizeitwirtschaft sichert
jeden 5. Vollzeitarbeitsplatz.

Weitere Pressemeldungen und Bildmaterial finden Sie unter
www.oehv.at/presse

Rückfragehinweis:
   Peter Peer, ÖHV-Präsident (Stadthotellerie)
   Director of Operations Accor Hospitality
   Österreich, Wien
   Tel.: +43 (0)1 599 01-550

   Sepp Schellhorn, ÖHV-Präsident (Ferienhotellerie)
   Hotel "Der Seehof", Goldegg
   Tel.: +43 (0)6415 8137

   presse@oehv.at

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