Die Alpen unter Strom: Der Alpenverein bezieht Stellung zur Energiedebatte - BILD
BILD zu TP/OTS - Der Oesterreichische Alpenverein hat nach seinen Satzungen und als gesetzlich anerkannte Umweltorganisation eine Verpflichtung, sich für den Erhalt der alpinen Bergwelt in ihrer Ursprünglichkeit und Vielfalt einzusetzen.
- Fotograf: DI Norbert Freudenthaler
- Fotocredit: norbert-freudenthaler.com
- Ort: Österreich / Schlegeisspeicher
Innsbruck (TP/OTS) - Der Oesterreichische Alpenverein hat nach
seinen Satzungen und als gesetzlich anerkannte Umweltorganisation
eine Verpflichtung, sich für den Erhalt der alpinen Bergwelt in ihrer
Ursprünglichkeit und Vielfalt einzusetzen. Dieser Auftrag besteht
nicht nur im Namen seiner über 400.000 Mitglieder, sondern wird im
demokratischen Spiel der Interessensgruppen vom OeAV als
gesamtgesellschaftliche Aufgabe verstanden. Zugleich ist die
Bewahrung alpiner Landschaftsressourcen nicht nur eine Frage des
Natur- und Umweltschutzes, sondern hat auch vielfältige soziale und
ökonomische Dimensionen.
Fakten und Positionen zur aktuellen Energiedebatte
- Nach dem Ökostromgesetz 2012 soll bis 2020 die Stromerzeugung aus
Wasserkraft um 4 TWh ausgebaut werden. Tatsächlich übertreffen
die aktuell geplanten 218 Neubauvorhaben mit einer Gesamtleistung
von 8 TWh die Ziele der Bundesregierung um mehr als das Doppelte.
- Derzeit sind nur noch weniger als zehn Prozent der Fließgewässer
in den Alpen als unversehrt zu bezeichnen. Geht es nach den
Plänen der Energiewirtschaft würde es in wenigen Jahren in den
österreichischen Alpen nur noch einige "Erinnerungsbäche" und bis
in hochalpine Regionen kaum noch unverbaute Täler geben.
- Gemeinsam mit den Plänen für alpine Windparks (siehe das Projekt
Brennerberge) droht ein massiver Verlust an
Landschaftsressourcen, der vielerorts auch den in Österreich so
wichtigen Wirtschaftszweig Tourismus insbesondere im Sommer
gefährden würde.
- Mehr als die Hälfte der geplanten Wasserkraftprojekte betreffen
sensible Gebiete und machen auch vor ausgewiesenen Schutzgebieten
nicht Halt.
- Die propagierte und viel zitierte Energiewende muss bei
Einsparungen und Effizienzsteigerungen ansetzen.
- So genannte erneuerbare Energien sind nicht automatisch auch
ökologisch und nachhaltig. Energiegewinnung auf Kosten der
alpinen Landschafts-, Lebens- und Wirtschaftsräume entspricht für
den OeAV nicht den Vorstellungen des viel strapazierten
Begriffs "Nachhaltigkeit".
- Sowohl in der EU 27 wie in Österreich halten sich die Bemühungen
um Einsparungen und Effizienzsteigerungen in bescheidenen
Grenzen. Das betrifft die jüngere Vergangenheit ebenso, wie die
Pläne für die nächsten Jahrzehnte.
- Eine Studie des Instituts für Höhere Studien im Auftrag von
Greenpeace nennt hingegen die Möglichkeit, dass in Österreich bis
2050 eine Halbierung des Energieverbrauchs möglich wäre. Primär
werden dabei Maßnahmen im Wohnbau (Wärmedämmung, Solaranlagen)
und im Verkehr (E-Mobilität, öffentlicher Verkehr) angesprochen.
- Andere Experten wie der Physiker Ernst Ulrich von Weizsäcker
gehen davon aus, dass die Effizienz von einer Kilowattstunde
Strom verfünffacht werden könnte - ohne weitere Zerstörung von
Landschaftsressourcen und ohne Verzicht auf Lebensqualität und
Komfort! Ernst Ulrich von Weizsäcker wird im Rahmen der
Jahreshauptversammlung des OeAV vom 13.-15.10.2011 in Mayrhofen
referieren.
- Der OeAV hält das Ziel einer regionalen Energieautarkie, wie sie
auch Umweltminister Niki Berlakovich für Österreich propagiert,
für nicht zielführend. Je kleiner eine derartige Autarkieeinheit
ist, desto mehr müssen Vorkehrungen zum Ausgleich zwischen den
Produktionsbedingungen einzelner Energieformen und
Verbrauchsspitzen getroffen werden. Das führt zwangsläufig zum
Aufbau von Überkapazitäten und zusätzlichem Landschaftsverbrauch.
- Der Primärenergieverbrauch in der EU mit ihren 27 Mitgliedern
beträgt derzeit 2,6 Mrd. t SKE
- Der Anteil von erneuerbaren Energieträgern liegt EU-weit derzeit
bei 9 %, lediglich 2 % kommen aus der Wasserkraft.
- Nach unterschiedlichen Szenarien soll der Anteil der erneuerbaren
Energieträger in der EU 27 bis zum Jahr 2035 auf 17 bis 27 %
steigen. In diesen Szenarien wird vor allem von einer Steigerung
bei Biomasse, Sonnenenergie und Windkraft ausgegangen. Der Anteil
der Wasserkraft bleibt EU-weit bei 2 %.
- Die unterschiedlichen Szenarien gehen für die EU 27 für 2035 von
einem stabilen bzw. geringfügig steigenden/abnehmenden
Energieverbrauch aus. Der höhere Anteil an erneuerbaren
Energieträgern ist also nur als Substitution anderer Träger
(fossile und Kernenergie) gedacht, bzw. sollen erneuerbare
Energieträger Zuwächse im Energieverbrauch abfangen.
Der Oesterreichische Alpenverein wird sich mit allem ihm zur
Verfügung stehenden Mitteln gegen eine verfehlte und planlose
Energiepolitik zur Wehr setzen. Wir werden es nicht zulassen, dass
die wenigen verbliebenen unberührten Natur- und Landschaftsräume
einem steigenden Energieverbrauch geopfert werden.
So lange die Potenziale von Einsparungen und Effizienzsteigerung
nicht ausgeschöpft werden, wird der OeAV zumindest keinen
großflächigen Eingriffen in die alpine Landschaft zur
Energiegewinnung zustimmen.
Der Grazer Volkswirtschafter Stefan Schleicher formuliert in einem
Beitrag für das Magazin des OeAV "Bergauf" (Heft 4/2011) im
Zusammenhang mit den begrenzten Natur- und Landschaftsressourcen:
"Gerade deshalb müssen wir so etwas wie eine Kopernikanische Wende in
unserem Umgang mit Energie vollziehen. Nicht woher Energie nehmen,
sondern wofür Energie verwenden wird die Orientierung für ein
zukunftsfähiges Energiesystem abgeben. Dafür sollen wir unsere
Fantasie durch einige schon jetzt absehbare Trends inspirieren
lassen."
Rückfragehinweis:
Oesterreichischer Alpenverein
Präsident Dr. Christian Wadsack
Mobil: +43 (0)664 8556422
christian.wadsack@alpenverein.at
http://www.alpenverein.at
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