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Maßnahmen, die die Lehrlingsentwicklung in der Tourismus- und Freizeitwirtschaft wirklich braucht

Ausbildnersystem liberalisieren, spezielle Förderkurse für Lehrlinge, modulares System für Lehrlinge und Attraktivierung von Lehre mit Matura

Wien (TP/OTS) - Bei der gestrigen Podiumsdiskussion zum Thema "Ausgezeichnete Lehrlinge für ausgezeichnete Betriebe - Wo sind die Spitzenkräfte von morgen?!" warfen Branchenvertreter einen kritischen Blick auf die Zukunft der Lehre. Eine Befragung der Sparte Tourismus und Freizeitwirtschaft zum Thema "Arbeitskräfte- und Ausbildungsbefragung im Tourismus 2011" war der Anlass, über Schwachpunkte im System nachzudenken. Vier Kernvorschläge wurden für die Tourismus- und Freizeitwirtschaft entworfen, um die Lehrlingsausbildung sowohl beim Unternehmer wie auch beim angehenden Lehrling zu attraktivieren.

Allen Betrieben die Lehrlingsausbildung ermöglichen
Aktuell ist die Lehrlingsausbildung nur Betrieben möglich, die traditionell österreichische Speisen anbieten. Oftmals erfüllen internationale Betriebe den Ausbildungskatalog für die Lehrlingsausbildung nicht. Hier ist eine Modernisierung des Ausbildungsplans notwendig. "Warum soll ein italienisches Restaurant mit zwei Hauben keine Lehrlinge ausbilden dürfen? Nur weil Schnitzelpanieren zwingend am Lehrplan steht und dies nicht beim Italiener gelehrt werden darf? Das kann doch in der heutigen Zeit kein Problem sein! Viele Unternehmen würden sich gerne am dualen Ausbildungssystem beteiligen und ihren Beitrag zur Lehrlingsausbildung leisten. Dies wird ihnen aber bisher verwehrt. Das muss sich so schnell wie möglich ändern!", fordert KommR Ing. Josef Bitzinger, Obmann der Sparte Tourismus und Freizeitwirtschaft der Wirtschaftskammer Wien.

Ausweitung der "Förderkurse"

Die Ergebnisse der Wiener Arbeitskräfte- und Ausbildungsbefragung im Tourismus 2011 belegen es deutlich. Wiener Unternehmerinnen und Unternehmer finden es aktuell deutlich schwieriger, gute Lehrlinge zu finden. Das Niveau der Bewerber ist gesunken und es fehlt an grundlegenden Qualifikationen wie z.B. sozialer Kompetenz. "Gerade soziale Kompetenzen sind in der Tourismus- und Freizeitwirtschaft als Branche der Gastfreundschaft von essentieller Bedeutung. Der zufriedenstellende Kundenkontakt ist schließlich die Schlüsselkompetenz", ist Bitzinger überzeugt.

Zur Behebung von fehlenden Qualifikationen könnten spezielle Förderkurse der Wirtschaftskammer Wien in Kooperation mit der Gewerkschaft VIDA dienen. Benötigte Themen wie z.B. "Der richtige Umgang mit dem Gast", "Ausbau sozialer Kompetenzen" etc. würden Defizite ausgleichen.

Modulares System für Lehrberufe

Eine Anpassung der Lehrausbildung an die heutigen Gegebenheiten wäre ebenso von enormer Wichtigkeit. Die Idee des modularen Systems würde eine allgemeine Basisausbildung und eine Vertiefung in bestimmten Teilbereichen vorsehen. So kann sich der Lehrling bereits während seiner Ausbildung spezialisieren.

Gewünschte Wahlfächer bei der Befragung der Sparte waren "Weinexpertise" (32,2%), "Kaffee-Expertise" (27,3%), "Kochen vor dem Gast" (20%) oder "Käseexpertise" (10,5%). "Das Eingehen auf individuelle Begabungen ist das A und O. Die Branche braucht Spezialisten. Bewerber mit speziellen Kenntnissen und Vorlieben können sich am Markt deutlich hervorheben", ist sich Bitzinger sicher.

Attraktivierung des Modells "Matura und Lehre"

"Die Kombination "Matura und Lehre" ist großartig. Für viele jungen Menschen stellt sich die Frage "Matura, was nun?". Eine Lehre bedeutet, aktiv ins Berufsleben einzusteigen, Geld zu verdienen und großen Weiterentwicklungschancen entgegen zu sehen, anstatt jahrelang auf der Uni zu theoretisieren", zeigt sich Bitzinger überzeugt. Ebenso sehen das Bitzingers Branchenkollegen. 2/3 der Befragten der Umfrage könnten sich grundsätzlich vorstellen, Maturanten als Lehrlinge in ihrem Betrieb einzustellen.

Weitere Details zur Studie finden Sie unter
http://wko.at/wien/tourismus/pressecorner

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