Fachverband Hotellerie: Auch bei Online-Vertrieb langfristig agieren
WKÖ-Ennemoser: Nicht in Dienstleistungshoheit des Unternehmers eingreifen!
Wien (TP/OTS) - Der Widerstand gegen die Provisionserhöhungen und
Änderungen der "Allgemeinen Geschäftsbedingungen" seitens der
HRS-Gruppe zeigt gleich mehrere aktuelle Schwachstellen rund um das
Hotellerieangebot im Internet. Erstens wird die Marktstellung
gegenwärtig starker Buchungsplattformen sowohl bei den Preisen als
auch Geschäftsbedingungen auf Kosten der Beherbergungsbetriebe
ausgereizt, zweitens bestehen in der Branche nach wie vor
Missverständnisse und Unklarheiten über das Potential der neuen
Medien, und drittens schlägt sich die Hotellerie weit unter ihrem
Wert. Klaus Ennemoser, Obmann des Fachverbandes Hotellerie in der
Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), will in erster Linie bei den
letzten beiden Punkten handeln.
"Der Hotelier hat die Dienstleistungshoheit über sein Produkt.
Setzt er diese - vor allem auch im Internet - intelligent ein, dann
geht alles Hand in Hand mit der Preishoheit. Das Problem der
Marktmacht einzelner Buchungsplattformen ist entstanden, weil
Hoteliers vor allem im Mittelstand die Möglichkeiten eines eigenen
Internetauftrittes kombiniert mit einer eigenen Buchungsseite
verkannt haben. Das Internet ist schnelllebig. Wertschöpfungsketten
können sich innerhalb einer kurzen Zeitspanne zur Gänze wieder
drehen. Dieser Dynamik darf sich die Hotellerie mit ihrer
Standortgebundenheit und Infrastrukturabhängigkeit nicht unterwerfen.
Hier sind mittel- und langfristige Strategien gefragt."
Dennoch gibt es auch seitens des Fachverbandes Kritik an der
HRS-Vorgangsweise. Vielmehr als die Provisionsanhebung von 12 auf 15%
irritieren neben substantiellen Neuerungen und Änderungen bei den
"Allgemeinen Geschäftsbedingungen" die Best-Preis-Garantie und
Garantie bezüglich Verfügbarkeit. "Hier greift HRS in die
unternehmerische Entscheidung jedes einzelnen Hoteliers ein.
Autofahren mit mehr als einem Chauffeur am Steuer funktioniert
nicht". Der Obmann sieht aktuell unternehmerische Fehlentscheidungen
bei HRS: Der Imageschaden in der Branche ist mit der nunmehrigen
Provisionserhöhung von 25% nicht mehr wettzumachen. Außerdem stellen
die geplanten Änderungen der "Allgemeinen Geschäftsbedingungen" einen
klaren Verstoß gegen die HOTREC-Richtlinie über "Eckpunkte fairen
Verhaltens von Hotel- und Buchungsportalen" dar.
In den USA und Deutschland gibt es bereits Internettools, die die
Produkt- und Preishoheit des Hoteliers im Internet stärken und damit
den Spieß wieder umdrehen. Der Fachverband Hotellerie führt mit
solchen Anbietern Kooperationsgespräche. Ennemoser: "Wettbewerb hat
auch immer eine zerstörerische Kraft. Für den einzelnen Hotelier ist
wichtig, dass er stets die mittel- und langfristigen Auswirkungen
seiner Entscheidungen vor Augen hat." Hier wird der Fachverband
verstärkt informieren und Lösungen anbieten. Der Klagsweg über die
Wettbewerbsbehörde kann dagegen in eine Sackgasse führen. Auch der
Ruf nach einer nationalen Buchungsplattform wird zu keiner Besserung
führen, solange diese nicht den Fokus auf eine Stärkung der
Vertriebs- und Marketingkanäle für Hotels legt. In erster Linie müsse
das Bewusstsein und das Know-how jedes einzelnen Beherbergers im
Umgang mit den neuen Medien unterstützt werden. Der Fachverband
Hotellerie tritt für Branchen-Empowerment anstelle von
Skandalisierung ausgereizter Geschäftspraktiken ein. In diesem
Zusammenhang erinnert Ennemoser an die gemeinsam mit dem
Bundesministerium für Wirtschaft, Familie und Jugend sowie dem
Fachverband publizierte Broschüre "Facebook, Twitter & Co. -
Erfolgreiches Online-Marketing in der Hotellerie". (PM)
Fachverband Hotellerie
Der Fachverband Hotellerie in der Wirtschaftskammer Österreich
vertritt 18.000 Beherbergungsbetriebe mit 1,05 Millionen Betten. Mehr
als 8.000 Beherbergungsbetriebe sind mit 23.000 geprüften Sternen
klassifiziert. Mit 125 Millionen Nächtigungen jährlich legt
Österreichs Hotellerie einen wichtigen Grundstein für eine direkte
Wertschöpfung im Tourismus von 15,2 Milliarden Euro. Jeder fünfte
Vollzeitarbeitsplatz wird im Tourismus und in der Freizeitwirtschaft
generiert.
Rückfragehinweis:
Wirtschaftskammer Österreich
Fachverband Hotellerie
Mag. Matthias Koch
Tel.: (+43) 0590 900-3554
hotels@wko.at
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TPT0005 2012-02-07/12:55
071255 Feb 12
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