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Unser Sattelberg - Widerstand gegen Windkraft am Brenner

Neue Plattform gegen die Windkraftanlagen am Sattelberg

Innsbruck (TP/OTS) - Vor kurzem wurde der Genehmigungsbeschluss
der Südtiroler Landesregierung zur Errichtung von 19 Windkraftanlagen am Sattelberg veröffentlicht. Wieder einmal wurden fachliche Beurteilungen durch die zuständige Umweltbehörde übergangen, die Bürgerbeteiligung ignoriert und wesentliche Fragen zum Projekt bleiben ungeklärt. Um den Widerstand gegen die Windkraftanlagen zu organisieren, hat sich nun die Plattform "Unser Sattelberg" formiert.

Die Südtiroler Landesregierung hat am 14.2.2012 ihren Beschluss veröffentlicht, mit dem sie eine im Oktober 2011 "abgespeckte" Variante des Windparkprojektes am Sattelberg genehmigt hatte. Auch die um drei Räder verkleinerte Anlage bleibt in ihrer Dimension und Höhenlage im gesamten Ostalpenraum einzigartig. Ignoriert wurden dabei nicht nur ein eindeutig negatives Gutachten des zuständigen Umweltbeirates als Fachexpertengremium, sondern auch die im Rahmen des Konsultationsverfahrens abgegebenen negativen Stellungnahmen des Landes Tirol, der Kammer für Arbeiter und Angestellte für Tirol, des Planungsverbandes Wipptal, der Alpenvereine in Südtirol, Österreich und Deutschland und vieler weiterer Organisationen und Körperschaften.

Breiter Widerstand gegen das Projekt

Die Plattform "Unser Sattelberg" - ein Zusammenschluss aus den Gemeinden Gries am Brenner und Neustift im Stubaital, dem Planungsverband Wipptal, dem TVB Wipptal, den Alpenvereinssektionen und -ortsstellen Pflersch, Gossensass, Matrei, dem CAI-Sterzing, dem Jagdrevier Brenner und vielen engagierten Bürgern - wird alle Möglichkeiten ausschöpfen, um Widerstand gegen das Projekt im Sinne eines umfassend gesehenen Umweltschutzes, der nicht nur aus Klimaschutz besteht, zu leisten und die legitimen Interessen der örtlichen Bevölkerung zu wahren.

Generelle Kapazitätsprobleme

Tatsache ist jedenfalls, dass die landeseigene Elektrizitätsgesellschaft in Südtirol SEL im Herbst 2011 große Leitungskapazitätsprobleme speziell im Bereich des Wipptales festgestellt hat. Fakt ist auch, dass Photovoltaik-Anlagen im Pfitscher Tal und im Sarntal seit mehr als einem Jahr aus eben diesen Gründen ihren Strom nicht ins Netz einspeisen können.

Gefährdung geschützter Vogelarten

Das als Maßnahme gegen das zu erwartende Vogelsterben - Experten sprechen von bis zu 30.000 Zugvögeln pro Jahr - vorgesehene Radar ist international nicht erprobt. Es dürfte derzeit kein taugliches Mittel zur Minimierung des Vogelschlags darstellen. Birkhühner gewöhnen sich laut einer jüngst publizierten Studie mit Einschränkungen an den Liftbetrieb, aber definitiv nicht an Windräder. Am Sattelberg gibt es bedeutende Populationen von Birk-, Stein-, Schneehühnern und Steinadlern - alles Arten, die durch europäisches Recht hohen Schutzstatus genießen.

Zweifelhafte Winterwartung

Die Frage der Wartung der Anlagen im Winter ist derzeit zumindest nach offiziellem Projektstand nicht gelöst, ebenso die Gefahr des Eisschlags. Bei größeren Schäden im Winter ist eine Zufahrt mit großen Fahrzeugen wegen der Lawinengefahr nicht möglich. Die Anlage müsste in solchen Fällen vermutlich über längere Zeit stillgelegt werden.

Imageverlust für Bergsport- und Tourismusregion

Der Sattelbergkamm gehört zu den meistbegangenen Skitourenbergen Tirols und bietet im Sommer als Teil des Landschaftschutzgebietes auf nordtiroler Seite ein Wegenetz von überregionaler Bedeutung in einer außergewöhnlichen Umgebung. Eine derart sichtexponierte Anlage im Hochgebirge hätte eine geradezu katastrophale Signalwirkung für das Image Tirols als Tourismusdestination.

Enormer Eingriff in sensible Landschaft

Der Bau von 19 Windkraftanlagen im Hochgebirge bedeutet einen enormen Eingriff in eine sensible Landschaft auf einer Höhenlage von über 2.000 m. Straßen für 100-Tonnen-Kräne zur Montage der Windräder müssen auf ca. 15 km Länge neu trassiert oder massiv ausgebaut werden. Eine Hochspannungsleitung, eine Materialseilbahn sowie umfangreiche Erdbewegungs- und Betonierungsarbeiten formen die betroffene Landschaft in einen Industriepark um. Sollte sich die Anlage als nicht hochgebirgstauglich oder auf Grund veränderter wirtschaftlicher Bedingungen als ungeeignet erweisen, ist ein gänzlicher Rückbau nahezu unmöglich.

Wipptal bereits stark belastet

Abgesehen von diesen Fakten und der Beurteilung durch die Umweltbehörden weist die Plattform "Unser Sattelberg" auf die bereits bestehende enorme Belastung des Wipptales hin. Zusätzlich zur Verkehrsbelastung als meistbefahrene Alpentransitstrecke (mehr als die gesamte Schweiz) ist in den nächsten Jahrzehnten noch die Belastung durch eine der größten europäischen Baustellen, die des Brennerbasistunnels, zu erwarten. Eine weitere Zerstörung unseres Lebensraumes kann nicht mehr hingenommen werden. Die Vorgangsweise der Südtiroler Landesregierung im Zuge des gesamten Verfahrens legt leider den Schluss nahe, dass in diesem Fall eine "lex Sattelberg" geschaffen wurde und ein ganzer Bergkamm unter den Schlagwörtern "erneuerbar und grün" privaten Interessen geopfert wird.

Die Plattform fordert die Südtiroler Landesregierung daher auf, den Beschluss ähnlich, wie erst kürzlich im Fall des geplanten Skigebietszusammenschlusses Rotwand Helm geschehen, zu widerrufen. Die Tiroler Landesregierung wird ersucht, alles in ihrer Macht stehende zu unternehmen, um auf ihre Regierungskollegen in Bozen im genannten Sinne einzuwirken. Die vielfach zitierte Europaregion Tirol darf nicht am Brenner enden!

Weiteres Bildmaterial und Statements der beteiligten Institutionen unter www.alpenverein.at/portal/Service/Downloads/Presseservice.php

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