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TPT0006 | 24.02.2012 | 11:53 | Channel: Tourismuswirtschaft

Aussender: Oesterreichischer Alpenverein


Stichworte: Alternativen / Energie / Naturschutz / Tourismus / Umwelt / Wirtschaft

Unser Sattelberg - Widerstand gegen Windkraft am Brenner - BILD

Utl.: Neue Plattform gegen die Windkraftanlagen am Sattelberg

Aussendung mit Bild

BILD zu TP/OTS - Die Bildmontage zeigt den Gipfel des Sattelbergs mit Gipfelkreuz, dazu im Größenvergleich ein Windrad und die Dorfkirche aus Pflersch.

  • Fotograf: Montage: Alpenverein/Foto: Christof Simon
  • Fotocredit: Montage: Alpenverein, Foto: Christof Simon
  • Ort: Italien / Pflersch

   Innsbruck (TP/OTS) - Vor kurzem wurde der Genehmigungsbeschluss
der Südtiroler Landesregierung zur Errichtung von 19 Windkraftanlagen
am Sattelberg veröffentlicht. Wieder einmal wurden fachliche
Beurteilungen durch die zuständige Umweltbehörde übergangen, die
Bürgerbeteiligung ignoriert und wesentliche Fragen zum Projekt
bleiben ungeklärt. Um den Widerstand gegen die Windkraftanlagen zu
organisieren, hat sich nun die Plattform "Unser Sattelberg" formiert.

   Die Südtiroler Landesregierung hat am 14.2.2012 ihren Beschluss
veröffentlicht, mit dem sie eine im Oktober 2011 "abgespeckte"
Variante des Windparkprojektes am Sattelberg genehmigt hatte. Auch
die um drei Räder verkleinerte Anlage bleibt in ihrer Dimension und
Höhenlage im gesamten Ostalpenraum einzigartig. Ignoriert wurden
dabei nicht nur ein eindeutig negatives Gutachten des zuständigen
Umweltbeirates als Fachexpertengremium, sondern auch die im Rahmen
des Konsultationsverfahrens abgegebenen negativen Stellungnahmen des
Landes Tirol, der Kammer für Arbeiter und Angestellte für Tirol, des
Planungsverbandes Wipptal, der Alpenvereine in Südtirol, Österreich
und Deutschland und vieler weiterer Organisationen und
Körperschaften.

Breiter Widerstand gegen das Projekt

   Die Plattform "Unser Sattelberg" - ein Zusammenschluss aus den
Gemeinden Gries am Brenner und Neustift im Stubaital, dem
Planungsverband Wipptal, dem TVB Wipptal, den Alpenvereinssektionen
und -ortsstellen Pflersch, Gossensass, Matrei, dem CAI-Sterzing, dem
Jagdrevier Brenner und vielen engagierten Bürgern - wird alle
Möglichkeiten ausschöpfen, um Widerstand gegen das Projekt im Sinne
eines umfassend gesehenen Umweltschutzes, der nicht nur aus
Klimaschutz besteht, zu leisten und die legitimen Interessen der
örtlichen Bevölkerung zu wahren.

Generelle Kapazitätsprobleme

   Tatsache ist jedenfalls, dass die landeseigene
Elektrizitätsgesellschaft in Südtirol SEL im Herbst 2011 große
Leitungskapazitätsprobleme speziell im Bereich des Wipptales
festgestellt hat. Fakt ist auch, dass Photovoltaik-Anlagen im
Pfitscher Tal und im Sarntal seit mehr als einem Jahr aus eben diesen
Gründen ihren Strom nicht ins Netz einspeisen können.

Gefährdung geschützter Vogelarten

   Das als Maßnahme gegen das zu erwartende Vogelsterben - Experten
sprechen von bis zu 30.000 Zugvögeln pro Jahr - vorgesehene Radar ist
international nicht erprobt. Es dürfte derzeit kein taugliches Mittel
zur Minimierung des Vogelschlags darstellen. Birkhühner gewöhnen sich
laut einer jüngst publizierten Studie mit Einschränkungen an den
Liftbetrieb, aber definitiv nicht an Windräder. Am Sattelberg gibt es
bedeutende Populationen von Birk-, Stein-, Schneehühnern und
Steinadlern - alles Arten, die durch europäisches Recht hohen
Schutzstatus genießen.

Zweifelhafte Winterwartung

   Die Frage der Wartung der Anlagen im Winter ist derzeit zumindest
nach offiziellem Projektstand nicht gelöst, ebenso die Gefahr des
Eisschlags. Bei größeren Schäden im Winter ist eine Zufahrt mit
großen Fahrzeugen wegen der Lawinengefahr nicht möglich. Die Anlage
müsste in solchen Fällen vermutlich über längere Zeit stillgelegt
werden.

Imageverlust für Bergsport- und Tourismusregion

   Der Sattelbergkamm gehört zu den meistbegangenen Skitourenbergen
Tirols und bietet im Sommer als Teil des Landschaftschutzgebietes auf
nordtiroler Seite ein Wegenetz von überregionaler Bedeutung in einer
außergewöhnlichen Umgebung. Eine derart sichtexponierte Anlage im
Hochgebirge hätte eine geradezu katastrophale Signalwirkung für das
Image Tirols als Tourismusdestination.

Enormer Eingriff in sensible Landschaft

   Der Bau von 19 Windkraftanlagen im Hochgebirge bedeutet einen
enormen Eingriff in eine sensible Landschaft auf einer Höhenlage von
über 2.000 m. Straßen für 100-Tonnen-Kräne zur Montage der Windräder
müssen auf ca. 15 km Länge neu trassiert oder massiv ausgebaut
werden. Eine Hochspannungsleitung, eine Materialseilbahn sowie
umfangreiche Erdbewegungs- und Betonierungsarbeiten formen die
betroffene Landschaft in einen Industriepark um. Sollte sich die
Anlage als nicht hochgebirgstauglich oder auf Grund veränderter
wirtschaftlicher Bedingungen als ungeeignet erweisen, ist ein
gänzlicher Rückbau nahezu unmöglich.

Wipptal bereits stark belastet

   Abgesehen von diesen Fakten und der Beurteilung durch die
Umweltbehörden weist die Plattform "Unser Sattelberg" auf die bereits
bestehende enorme Belastung des Wipptales hin. Zusätzlich zur
Verkehrsbelastung als meistbefahrene Alpentransitstrecke (mehr als
die gesamte Schweiz) ist in den nächsten Jahrzehnten noch die
Belastung durch eine der größten europäischen Baustellen, die des
Brennerbasistunnels, zu erwarten. Eine weitere Zerstörung unseres
Lebensraumes kann nicht mehr hingenommen werden. Die Vorgangsweise
der Südtiroler Landesregierung im Zuge des gesamten Verfahrens legt
leider den Schluss nahe, dass in diesem Fall eine "lex Sattelberg"
geschaffen wurde und ein ganzer Bergkamm unter den Schlagwörtern
"erneuerbar und grün" privaten Interessen geopfert wird.

   Die Plattform fordert die Südtiroler Landesregierung daher auf,
den Beschluss ähnlich, wie erst kürzlich im Fall des geplanten
Skigebietszusammenschlusses Rotwand Helm geschehen, zu widerrufen.
Die Tiroler Landesregierung wird ersucht, alles in ihrer Macht
stehende zu unternehmen, um auf ihre Regierungskollegen in Bozen im
genannten Sinne einzuwirken. Die vielfach zitierte Europaregion Tirol
darf nicht am Brenner enden!          

   Weiteres Bildmaterial und Statements der beteiligten Institutionen
unter www.alpenverein.at/portal/Service/Downloads/Presseservice.php

   Bild(er) zu dieser Aussendung finden Sie im AOM / Originalbild-Service
sowie im OTS-Bildarchiv unter http://bild.ots.at

Rückfragehinweis:
   Robert Renzler, Generalsekretär des Oesterreichischen Alpenvereins
   Olympiastraße 37
   A-6020 Innsbruck
   Mobil: +43 (0)664 8556420
   robert.renzler@alpenverein.at
   http://www.alpenverein.at
   unsersattelberg.wordpress.com

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