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TPT0002 | 06.04.2012 | 11:26 | Channel: Reise & Urlaub

Aussender: Oesterreichischer Alpenverein


Stichworte: Freizeit / Gletscher / Reisen / Tirol / Tourismus / Umwelt / Wissenschaft

Gletscher auf dem Rückzug - BILD

Utl.: Gletscherbericht des Alpenvereins 2010/2011

Aussendung mit Bild

BILD zu TP/OTS - Eishöhle im Mittelberg Ferner im Pitztal 2011.

  • Fotograf: Andrea Fischer
  • Fotocredit: Andrea Fischer
  • Ort: Österreich / Mittelberg Ferner

   Innsbruck (TP/OTS) - Das Jahr 2011 hat den österreichischen
Gletschern stark zugesetzt - das machen die Ergebnisse des aktuellen
Gletscherberichts deutlich. 97 Prozent der Eisriesen sind im
vergangenen Jahr zurückgeschmolzen, drei Prozent wurden als stationär
eingestuft. Kein einziger der 95 beobachteten Gletscher konnte 2011
einen Vorstoß verzeichnen. Bei 15 Gletschern wurden sogar
Längenverluste von mehr als 30 Metern registriert.

   Die 20 ehrenamtlichen Beobachter des
Alpenvereins-Gletschermessdienstes bestätigen für das Berichtsjahr
2010/2011 erneut einen Rückgang der heimischen Gletscher. Die Anzahl
der Gletscher mit Rückzügen von mehr als 30 Metern hat sich in diesem
Jahr beinahe verdoppelt: sie ist von acht auf 15 Gletscher gestiegen.
Im Schnitt sind die Gletscherzungen um 17,2 Meter zurückgeschmolzen
(im Vergleich zu -14,1 Metern im Vorjahr). "Die lange Schmelzdauer
führte 2011 zu starken Rückgängen an den Zungen, die weit ins Tal
reichen und so den hohen Temperaturen besonders ausgesetzt sind",
begründet Dr. Andrea Fischer, Leiterin des
Alpenverein-Gletschermessdienstes, die vielen großen Längenverluste.

Bis zu 64,5 Meter Längenverlust

   Der größte Rückgang wurde auf dem Firmisan Ferner im Ötztaler
Niedertal verzeichnet, der um 64,5 Meter zurückgeschmolzen ist.
Dieser Gletscher ist neu im Messprogramm und wurde daher in den
Durchschnittsberechnungen noch nicht berücksichtigt. Von jenen
Fernern, die bereits seit Jahren beobachtet werden, sind Simony Kees
(-56,0 m) und Viltragen Kees (-54,0 m) im Venedigergebiet am
stärksten zurückgegangen. Das ebenfalls in der Venediger Gruppe
gelegene Obersulzbach Kees (-50,5 m) und die im Ötztaler Rofental
gelegenen Vernagt (-47,1 m) und Kesselwand Ferner (-43,8 m) gehören
wie auch schon im Vorjahr zu den Gletschern mit den größten
Rückgängen.

Hohe Temperaturen und geringer Eisnachschub setzen den
Gletschern zu

   Zum extremen Gletscherschwund trugen nicht nur die hohen
Temperaturen bei, sondern auch der geringe Eisnachschub von oben. Im
Frühsommer 2011 war es deutlich wärmer als im langjährigen Mittel,
was zu einer verfrühten Gletscherschmelze führte. Nährende
Schneereserven waren in den Nordalpen kaum vorhanden. Auch der kühle
Juli und die Schneefälle im September konnten die extrem warmen
Spätsommermonate (3 GradC über dem Durchschnitt) nicht mehr
ausgleichen. "Gerade in den Monaten, in denen in guten
Gletscherjahren noch deutlich Zuwächse der Schneedecke verzeichnet
werden können, startete 2011 schon die Schmelzsaison", so Andrea
Fischer.

Rückgang der Pasterze stärker als im Vorjahr

   Beim wohl bekanntesten Gletscher Österreichs, der Pasterze, wurde
diesmal ein noch stärkerer Rückgang als im Vorjahr gemessen. So ist
die Gletscherzunge in der Großglocknergruppe um 40,3 Meter
zurückgeschmolzen (-24,7 Meter im Vorjahr). Die Eisoberfläche sank um
4,4 Meter ein (1,4 Meter mehr als 2010), und auch die
Fließgeschwindigkeit des Eises hat sich um etwa 0,8 Meter/Jahr
verlangsamt. Erstmals war auch die Gletschermitte von
Zerfallserscheinungen betroffen.

Keine Katastrophenszenarien

   Aus dem fortschreitenden Rückzug der Gletscher lassen sich laut
Andrea Fischer trotzdem noch keine Katastrophenszenarien ablesen.
"Die Veränderung unserer Gletscherlandschaft mag zwar derzeit
beträchtlich sein, aus den gesammelten Werten lässt sich dennoch
nicht ableiten, dass die Gletscher eines Tages vollständig
verschwinden werden. Es ist gut möglich, dass sie nach dem Rückgang
wieder in eine Balance finden und einen stabilen Zustand erreichen",
so die Gletscherforscherin.

Erschwerte Messungen durch Gletscherschwund

   Angesichts der derzeitigen Rückzugsraten wird den ehrenamtlichen
Beobachtern des Gletschermessdienstes die Arbeit zunehmend erschwert.
"Durch die Rückzüge der Gletscher in steiles Felsgelände oder die
Bildung von Seen gestalten sich die Messungen immer schwieriger. Oft
befinden sich die Gletscherzungen auch unter einer dicken
Schuttschicht", erklärt Fischer. "Die Gletschermessung ist eine sehr
aufwändige und anstrengende Tätigkeit. Unseren Helfern möchten wir
deshalb einen großen Dank aussprechen. Ohne ihren Einsatz wäre eine
derart umfangreiche und wertvolle Dokumentation, wie sie der
Alpenverein betreibt, schlicht und einfach unmöglich."

Gletschermessung seit 121 Jahren

   "Seit bereits 121 Jahren führt der Alpenverein Messungen an
Österreichs Gletschern durch. Damit verfügen wir über eine
einzigartige Datensammlung, die es uns ermöglicht, einen
Langzeitvergleich anzustellen und zukünftige Entwicklungen
abzulesen", unterstreicht Alpenvereinsvizepräsident Walter
Wegscheider die Bedeutung der Gletscherberichte. Das
Gletschermessteam steht seit 2010 unter der Leitung von Dr. Andrea
Fischer, tätig am Institut für Meteorologie und Geophysik der
Universität Innsbruck und am Institut für Gebirgsforschung der
Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Zurzeit sind 20
ehrenamtliche "Gletscherknechte" und zahlreiche Helfer für den
Gletscherbericht im Einsatz.

Top 15 - Rückzug

~
1. Firmisan Ferner (Ötztaler Alpen)         -64,5 m
2. Simony Kees (Venediger Gruppe)           -56,0 m
3. Viltragen Kees (Venediger Gruppe)        -54,0 m
4. Obersulzbach Kees (Venediger Gruppe)     -50,5 m
5. Vernagt Ferner  (Ötztaler Alpen)         -47,1 m
6. Kesselwand Ferner  (Ötztaler Alpen)      -43,8 m
7. Pasterze (Glocknergruppe)                -40,3 m
8. Untersulzbach Kees (Venediger Gruppe)    -39,5 m
9. Diem Ferner (Ötztaler Alpen)             -38,9 m
10. Gepatsch Ferner (Ötztaler Alpen)         -38,3 m
11. Taschach Ferner (Ötztaler Alpen)         -33,0 m
12. Alpeiner Ferner (Stubaier Alpen)         -31,8 m
13. Umbal Kees (Venediger Gruppe)            -31,4 m
14. Hochjoch Ferner (Ötztaler Alpen)         -31,3 m
15. Schlaten Kees (Venediger Gruppe)         -31,3 m
~

Die Ergebnisse im Detail sind nachzulesen im Alpenvereinsmagazin
"Bergauf" 2-12 (erscheint am 13.4.).

Weiteres Bildmaterial und Bericht zum Download:
http://www.alpenverein.at/portal/Service/Downloads/Presseservice.php

   Bild(er) zu dieser Aussendung finden Sie im AOM / Originalbild-Service
sowie im OTS-Bildarchiv unter http://bild.ots.at

Rückfragehinweis:
   Oesterreichischer Alpenverein
   Gerold Benedikter
   Olympiastraße 37
   A-6020 Innsbruck
   Tel.: +43 (0)512 59547-11
   Mobil: +43 (0)664 8118243
   Fax: +43 (0)512 59547-50
   gerold.benedikter@alpenverein.at
   http://www.alpenverein.at
   http://www.150jahre-alpenverein.at

   Dr. Andrea Fischer
   Tel.: +43 (0)664 4044073
   andrea.fischer@uibk.ac.at

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