2. Konferenz europäischer Regionen des IRE am 21. August 2006 in Salzburg

150 Teilnehmer aus 27 Staaten Europas bei der größten Konferenz zum Thema "Tourismus und Regionen in Europa"

Salzburg (OTS) - 150 Teilnehmer aus 27 Staaten und über 40
Regionen Europas konnte der Vorstandsvorsitzende des Instituts der Regionen Europas, der frühere Salzburger Landeshauptmann, Univ. Doz. Dr. Franz Schausberger bei der diesjährigen IRE-Konferenz "Tourismus und die Regionen Europas - neue Entwicklungen" in Salzburg begrüßen. 18 namhafte Vertreter aus den Bereichen Politik, EU, Tourismuswirtschaft, Tourismusinvestoren, Recht etc. referierten zum Thema.

Schausberger bezeichnete es grundsätzlich als erfreulich, dass die Europäische Kommission die Bedeutung der Regionen für den Tourismus erkannt habe und im Tourismus einen entscheidenden Faktor für die Umsetzung der Lissabon-Strategie sehe. Er kritisierte aber auch deutlich, dass in der neuen EU-Tourismusstrategie der Platz, den die Regionen und Städte angesichts ihrer großen Anstrengungen in diesem Bereich, finden, enttäuschend gering sei. Er verwies dabei auf die Bedeutung der tourismuspolitischen Aktivitäten von Regionen und Städten für die tourismusnahen Kleinen und Mittleren Unternehmen.

Die Sektionschefin für Tourismus im Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit, Mag. Elisabeth Udolf-Strobl erinnerte daran, dass in Österreich der Tourismus eine klassische "Querschnittsmaterie" mit einer ausgeprägten Kompetenzzersplitterung und einer Vielzahl von Regelungen von Bundes- und Landes-Gesetzen, in immer stärkerem Ausmaß auch von europäischen Rechtsvorschriften sei. Die Regelung von spezifisch tourismus- und freizeitwirtschaftsrelevanten Bereichen sei Landessache, wodurch die Bedeutung der Länder für den Tourismus klar unterstrichen werde und es im Tourismus besonders erforderlich sei, Kooperationen und Netzwerke zu bilden, erklärte Udolf-Strobl: "Die Rolle der Regionen ist dabei eine sehr starke - sie müssen sich aktiv einbringen!"

Franci Rokavec, Staatssekretär für lokale Selbstverwaltung und Regionalpolitik, betonte das große Potential des Wirtschaftszweigs Tourismus für Slowenien. In den letzten Jahren sei viel in Quantität investiert worden. Nun ginge es darum, die Qualität zu steigern. In einem Entwicklungsplan wurde die "Vision eines modernen slowenischen Tourismus" festgelegt. Darin wird der Neubau von 4- bis 5-Sterne-Hotels forciert. Ebenso soll die Qualität der 3-Sterne-Hotels, Pensionen und Privatzimmer verbessert und die Nebensaison ausgebaut werden. Die Investitionssumme von derzeit 1,6 Milliarden Euro soll bis 2010 wesentlich erhöht werden. "Als kleines Land müssen wir einen spezifischen Weg finden, anders zu sein als die großen touristischen Länder. Das Stichwort heißt Authentizität!" Slowenien müsse seinen Vorteil als kleines Land mit einem sehr abwechslungsreichen Angebot, sowohl was Kultur, als auch was Natur und Landschaft betrifft, nützen.

Der polnische Staatssekretär Dr. Tomasz Wilczak erklärte den derzeitigen Standort Polens im Bereich Tourismus: Mit 23 Nationalparks und Reservaten sowie 13 Weltkulturerbeorten sei Tourismus ein wichtiger Teil der polnischen Wirtschaft. Geschäfts-, Kultur-, Städte-, Agro-Öko-, und Wellness-Tourismus seien derzeit die Schwerpunkte. Besonderes Augenmerk werde auf die Positionierung von Nischenprodukten gelegt: So werde zum Beispiel in Krakau speziell jüdische Kultur oder am Elbe-Kanal Industrietourismus angeboten. Ein weiteres touristisches Angebot, die "Greenways Vienna - Cracow", beinhaltet Rad- und Fußwege zwischen Wien und Krakau, die auf 700 Kilometern historische Städte und Orte verbindet.

Francesco Ianiello, Abteilungsleiter für Tourismus in der Generaldirektion Unternehmen und Industrie der EU-Kommission in Brüssel, gab bekannt, dass die Kommission eine Agenda 21 für den Tourismus plane. Bis Ende 2007 werde ein Bericht zur Diskussion. Das Institut der Regionen Europas (IRE) soll in diesen Prozess eingebunden werden, da die Kommission die Arbeit des Instituts sehr schätze und auf eine gute Zusammenarbeit hoffe. Besonderer Schwerpunkt der Agenda 21 werden Maßnahmen für KMU sein. Zwei Konferenzen sind für 2007 geplant, Themen werden die unterschiedlichen Anforderungen für junge und ältere Touristen und Arbeitsplätze im Tourismus sein. Eine Studie zum Thema Sport und Tourismus sollte bis dahin vorliegen. Die EU-Kommission entspreche mit der Agenda 21 dem hohen Stellenwert, der dem Tourismus in Europa beizumessen sei. Europa sei die erste Destination der Welt mit 444 Millionen Ankünften im Jahr 2005, das sind 42 % des weltweiten Umsatzes. Für Europa bedeuten 2 Millionen Tourismusbetriebe immerhin 8 Millionen Arbeitsplätze direkt im Tourismus und weitere 24 Millionen in verwandten Bereichen. Europa müsse sich den Herausforderungen stellen: der geänderten demografischen Struktur (ältere Menschen als touristische Zielgruppe), neuen Bedürfnissen auch im Tourismus wie Gesundheit, Natur, Kultur, der Nachhaltigkeit von touristischen Initiativen und nicht zuletzt der Konkurrenz. Diese erwachse stetig seit 1960 aus dem asiatischen und pazifischen Raum. Die Antwort darauf könne nur in der Qualität liegen. Ianiello lobte ausdrücklich die Bemühungen der Österreichischen EU-Präsidentschaft in diesem Bereich. Kooperationen auf allen Ebenen, der EU, der nationalen, regionalen und kommunalen Ebene, seien zu verbessern, was durch Vereinfachung der EU-Gesetzgebung und bessere Nutzung von europäischen Finanzierungsinstrumenten erreicht werden könne.

Ein großes schlafendes Tourismuspotential ortete der Vorsitzende der staatlichen Bulgarischen Agentur für Tourismus, Nationales Tourismus-Informationszentrum, Mario Al-Jebouri, in Bereich Mittel-und Osteuropa. In Bulgarien betrug 2005 der Anteil des Tourismus 13 % des BIP. In Bulgarien ist die Saison sehr kurz und konzentriere sich vor allem auf die Schwarzmeerküste und die Schigebiete. Der Kulturtourismus im Inneren des Landes und der Wellness-Tourismus seien noch zu wenig entwickelt, hier fehle es noch an der notwendigen Infrastruktur. Das Ziel sei es, weg vom Wochenendtourismus hin zu längeren Aufenthalten zu kommen. Dabei erweise sich die Abhängigkeit von den "alten" Märkten als Problem. Die Strategie müsse sein, neue Märkte zu erschließen. Dafür müssen alternative touristische Produkte angeboten werden, z. B. Thermal- und Wellness-Tourismus oder Kultur-und Natur-Tourismus. Immerhin habe Bulgarien 7 Weltkulturerbeorte und 36 Naturreservate zu bieten. "Wir wollen weg vom Billigland", erklärte Al-Jebouri.

Dr. Stefan Eder, Regional Managing Partner der DLA Weiss-Tessbach Rechtsanwälte GmbH, führte vor Augen, wie viele Verträge bei der Abwicklung von Tourismusinvestitionen notwendig seien: Vom Grunderwerb über Berater, Investoren, Developer, Bauverträge, Finanzierungs-, Mitarbeiter- und Lieferantenverträge u. v. m. seien zu berücksichtigen. Als ganz entscheidend hob Eder die Bedeutung der Developmentphase hervor. Sie könne oft lange dauern, sei aber enorm wichtig. Voraussetzungen für den Erfolg von Investitionen sei eine stabile Infrastruktur: Das bedeute Stabilität in rechtlichen, versorgungstechnischen und arbeitsrechtlichen Fragen, Stabilität im wirtschaftlichen Umfeld, der Transportinfrastruktur, der Gesundheitsversorgung, der Ausbildung der Mitarbeiter sowie Rechtssicherheit bei Genehmigungen und Bewilligungen. Eder betonte, wie wichtig Sicherheit sei. Probleme für Investoren gebe es genug:
die Rechtssicherheit in Grund und Boden, den Anschluss an Netzwerke in der Versorgung, Bauzeitverzögerungen und damit Kostenüberschreitungen und nicht zufrieden stellende Infrastruktur. "Regionen können zu Lösung dieser Probleme sehr viel beitragen, indem sie Bürokratie abbauen und bei der Beschleunigung der Verfahren mithelfen", schloss Eder.

Markus Lehnert, Vizepräsident Internationale Hoteldevelopment Marriott International hob hervor, wie wichtig es sei, primär die richtige Lage für eine Hotelinvestition zu finden: eine erstrebenswerte Tourismusregion, möglichst zentrale Lage, gute Verkehrsverbindungen. In der Folge seien Preispolitik und Marketing für den Erfolg eines Projekts entscheidend. Geschäftsreisende und Konferenztouristen müssten Angebote bekommen, über das Wochenende zu bleiben. Marriott könne mit 3.000 Personen, die Anmeldungen entgegennehmen, derzeit 7 Millionen Reservierungen für 168 Millionen Nächtigungen vorweisen. Überdurchschnittlich stark würden bei Marriott dabei schon Internet-Buchungen genutzt. Den 4- und 5-Sterne-Markt schätzt Lehnert als weitgehend gesättigt ein, Steigerungen seien im 2- bis 3-Sterne-Segment zu erwarten und notwendig. "Für einen Hotelbetreiber ist die Langfristigkeit und Beständigkeit wichtig. Marriott hat 20-Jahres-Verträge. Sicherheit ist in unserer Zeit besonders wichtig", so Lehnert abschließend. Der Abteilungsleiter für Tourismus der Europäischen Investitionsbank (EIB), Dr. Hans-Harald Jahn, betonte die Wichtigkeit von arrivierten und stabilen Betreibern für die Vergabe von Krediten durch die EIB. Riskante Finanzierungskonstruktionen würden nicht unterstützt. Die EIB gebe u. a. langfristige Kredite für Infrastrukturinvestitionen, die 3 bis 5 Jahre rückzahlungsfrei, dann bis zu 20 Jahre mit fixen Zinssätzen laufen können. 2005 habe die EIB an Krediten vergeben: 34 Mrd. Euro für Regionalentwicklung, 10,7 Mrd. Euro für Innovation, 4,3 Mrd. Euro für Klein- und Mittelbetriebe, auch im Tourismusbereich, gab Jahn einen Überblick.

Frau Esencan Terzibasoglu von der Welttourismusorganisation (UNWTO), Abteilung Destinationsmanagement, beurteilte die Aussichten für 2006 für Europa im Bereich Tourismuswirtschaft als sehr positiv. Die Fußballweltmeisterschaft, der Boom im Kulturtourismus (Mozartjahr) und Steigerung bei Kreuzfahrten in der Adria unterstützten diese Erwartungen. "Lokale und regionale Akteure spielen im Destinationsmanagement eine immer wichtigere Rolle", betonte Terzibasoglu. Das Jahr 2005 sei trotz Terrorismus und Katastrophen mit 808 Millionen Ankünften (plus 42 Mio.) für Europa ein gutes Jahr gewesen. China und Russland sieht die Expertin sehr im Kommen, sie müssten in alle Marketingpläne mit einkalkuliert werden.

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