Klimawandel und Tourismus: Wie Österreich reagieren kann

Position der Bundessparte Tourismus zu den Auswirkungen des Klimawandels - Schenner: "Auch die Politik ist gefordert!"

Wien (TP/OTS) - Der unbestreitbar voranschreitende Klimawandel,
der in den nächsten Jahrzehnten eine Erhöhung der Durchschnittstemperaturen etwa um zwei Grad bringen dürfte, stellt die heimische Tourismuspolitik vor neue, bisher nicht gekannte Aufgaben.

Anlässlich der Klimawandel-Enquete im Parlament am 24. Mai hat die Bundessparte Tourismus und Freizeitwirtschaft in der WKÖ ein Konzept ausgearbeitet, das sich intensiv mit dem Thema befasst und Anregungen für neue Lösungsvorschläge enthält. "Dabei wollen wir den Politikern vor Augen führen, dass Tourismuspolitik in diesem Zusammenhang, vor allem im Bereich der Förderlandschaft, neu gedacht werden muss", kommentiert Spartenobmann Johann Schenner die Initiative. Die zentralen Punkte sind:

- Wir müssen verstehen, dass anders als beim "Waldsterben" die Umweltbelastung nicht regional, sondern global erfolgt. Ging früher der Schwefel in Form von "saurem Regen" im Umfeld der Verursacher (z.B, Braunkohle Kraftwerke) nieder, so verteilt sich CO2 in der Atmosphäre. CO2 aus China befindet sich innerhalb weniger Tage über unserem Himmel.

- Wir müssen akzeptieren, dass die Erderwärmung vom Menschen beschleunigt wird. Sie lässt sich auch nicht mehr umkehren, sondern nur verlangsamen. Was wir heute verbessern, wird erst in 20 Jahren und danach (Aus-)Wirkungen zeigen.

- Natürlich soll Österreich weiterhin Vorbild für die Reduktion von CO2 Emissionen sein. Jedoch handelt es sich um eine globale Herausforderung. Zur Verdeutlichung: Der gesamte Ausstoß von Großbritannien ist so groß wie der jährliche Zuwachs in China.

- Wir müssen den Mut zu einer neuen Betrachtung der Problematik haben. Mit "Öko- oder Klimatourismus" als Antwort auf den Klimawandel kommen wir nicht weiter. Das Wetter wird sich für die Tourismusdestination Österreich ändern und darauf müssen wir uns einstellen.

Nach den derzeit vorliegenden Daten sind folgende Auswirkungen des Klimawandels für europäische Regionen absehbar: Die Hitze im Mittelmeerraum dürfte dazu führen, dass Reisen ans Mittelmeer viel weniger häufig in der Hauptsaison, sondern verstärkt in der Vor- und Nachsaison unternommen werden. In Mitteleuropa, also auch Österreich, ist mit entsprechend wärmeren Sommern zu rechnen. In den Alpen geht die Zahl der schneesicheren Skigebiete markant (von 609 auf 404) zurück. Europas Badeseen droht durch höhere Temperaturen eine stärkere Verdunstung, dadurch eine Senkung des Wasserspiegels und eine Gefährdung der Ökosysteme. Insgesamt dürfte das Wetter unberechenbarer werden (Regen, Sturm und Sonne in raschem Wechsel).

Zu den positiven Effekten gehört, dass sich die Badesaison an den heimischen Seen oder die "Schanigarten-Saison" in den Städten verlängert und Freizeitaktivitäten (von Boot fahren über Golf spielen bis zum Reiten) länger nachgefragt werden können. Auch Ausflugsziele und Freiluftveranstaltungen bleiben länger attraktiv. Zu den Herausforderungen gehören eine extremere Ausprägung einzelner Jahreszeiten, die drohende Austrocknung des Neusiedler Sees und die Gefährdung des Wintersports in exponierten Regionen. "Wer Skifahren gehen will, kann nicht eine Woche mit Ersatzprogrammen bei Laune gehalten werden", gibt Schenner zu bedenken.

Die Antwort kann nur in der Entwicklung neuer Angebote für geänderte Wettersituationen und im Ausbau witterungsunabhängiger Einrichtungen liegen. Als konkrete Beispiele nennt Schenner die Verbindung von Schigebieten, wobei Shuttlebusse den Gästen die Fahrt zum jeweils schneesichersten Gebiet der Region garantieren ("Schneegarantie-Service") oder die Umwidmung von Hotels für andere Nutzungen. "Gegebenenfalls muss auch der Ausstieg aus der Branche steuerlich verkraftbar sein".

Von der Politik wünscht sich Schenner eine Halbierung der Abschreibungsdauer für Investitionen, die der Branche das Reagieren auf den Klimawandel und das Ausprobieren neuer Lösungsansätze erleichtern sowie eine Plattform für die Entwicklung neuer Angebote. Dies könnte durch die Vergabe von Innovationspreisen unterstützt werden.

"Bei Förderungen müssen wir den Fokus von umweltfreundlichen Tourismuskonzepten (Ökotourismus) auf neue Angebote für veränderte Wetterverhältnisse verlagern. Denn auch Ökobetriebe müssen sich künftig auf geänderte Verhältnisse einstellen", hebt Schenner den neuen Denkansatz hervor. Als zusätzliche Maßnahmen wären Haftungen für Angebote zur Saisonverlängerung, Zuschüsse für Leitprojekte und die Förderung einer witterungsunabhängigen Infrastruktur willkommen. (hp)

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241014 Mai 07

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