Alpenverein gegen Events, Umbenennung und totale Erschließung der Berggipfel: Schutz der Alpinregion

Der Alpenverein präsentiert Vorschläge zum Schutz der Alpinregion. Er will die hemmungslose Vermarktung der Natur über der Waldgrenze gesetzlich begrenzen.

Innsbruck (TP/OTS) - Es geht um mehr als die Wurst. Die
Umbenennung eines Nationalparkberges in Wiesbauer Spitze ist vielleicht die Höhe, aber noch nicht der Gipfel der Naturvermarktung:
Von Vergoldung bis Umhüllung, vom begehbaren Kreuz bis zur bequemen Stiege, vom Großkonzert bis zum Mega-Feuerwerk reichen die Pläne für die höchsten Stellen Österreich. Deshalb fordert der Alpenverein den Schutz der Alpinregion - durch die höchsten Stellen Österreichs.

Der Nationalpark ist uns Wurst

Der 2767 Meter hohe Mullwitzkogel am Rande des Nationalparks Hohe Tauern heißt seit Juli offiziell Wiesbauerspitze. Trotz heftiger Proteste des Alpenvereins, der mit 330.000 Mitgliedern eine der größten Organisationen Österreichs ist. Trotz negativer Stellungnahme der Arbeitsgemeinschaft für Kartographische Ortsnamenkunde, die den Orientierungsverlust für Einsatzkräfte im Katastrophenfall befürchtet.

"Bergnamen sind Teil eines gewachsenen Kulturgutes", sagt Alpenverein-Generalsekretär Robert Renzler und bedauert, dass es bisher keine Handhabe gegen die Umbenennung gibt.

Vergoldung statt Respekt

Die Umbenennung des Mullwitzkogels in Wiesbauer Spitze ist lediglich das jüngste Indiz für die totale Vermarktung jener Region, die in vielen Kulturen als Sitz der Götter galt und gilt. Der Respekt davor schwindet mittlerweile zugunsten von Aktionen wie der Umfärbung des Mont Blancs mit roten Tüchern, des Vergoldungsprojekts des Matterhorns oder des Plans für eine Autobahn auf 5.200 Meter zum Mount Everest.

Großteils sind das noch Pläne. Überall regt sich Widerstand. Doch auch in Österreich gibt es zahlreiche Projekte zur Erschließung und Vermarktung der Gipfelregion:

  • skitouristische Erschließung (Schareck, Piz Val Gronda, Weißseespitze, Linker Fernerkogel, Hochgruben/Karnischer Kamm, Pirchkogel, Ragazer Blanken);
  • Architektur-Vorhaben (Windpark Brennerberge, Adlerstiege Hafelekar, Tannenzapfenhotels am Katschberg, Stiege auf den Paznauner Lattenkopf, begehbares Gipfelkreuz am Rauen Kopf);
  • Events mit Massenpublikum (Großkonzerte in Gletscherregionen, World Pyro Award am Rettenbachferner, Fire & Ice am Hochzeiger, Hannibal am Rettenbachferner);
  • künstlerischer Aktionismus (Vergoldung des Großglockners und der Rumer Spitze, lila Bestrahlung von Kaisergebirge und Zugspitze, Laserbestrahlung etc.).

Naturschutzgesetze ändern

Der Alpenverein will sich mit diesem Status aber nicht zufrieden geben. "Wir müssen handeln. Jetzt oder nie", erläutert Renzler die Initiative zur Novellierung der Naturschutz-Gesetze der Länder mit folgenden Eckpunkten:

  • Schutz der Alpinregion oberhalb der Waldgrenze.
  • Keine Freigabe weiterer Gletscher für den Pistenskilauf.
  • Einschränkung bzw. Verbot von störenden Events in der freien Natur.
  • Restriktive Handhabung bei Genehmigung und Errichtung neuer Klettersteige.

Darüber hinaus fordert der Alpenverein ein politisches Bekenntnis zur Bewahrung und gegen jede Verkleinerung von alpinen Schutzgebieten.

Der Alpenverein ist überzeugt, dass eine überragende Mehrheit der Bevölkerung aus diesem globalen Trend ausscheren will. Unberührte hochalpine Natur ist das markanteste Wahrzeichen Österreichs. Sie lässt sich nur durch einen gesetzlich fixierten Ethik-Code schützen. Dabei handelt es sich nicht zwangsläufig um eine Aktion gegen die Wirtschaft. Almdudler z.B. zeigt, wie sich Unternehmen gemeinnützig in und mit der Natur präsentieren können.

Hintergrundinformation: Der Alpenverein ist dank 330.000 Mitgliedern eine der größten Organisationen Österreichs. Die Betreuung von 25.000 km Wanderwegen und 240 Schutzhütten mit 12.000 Schlafplätzen machen ihn zu einem der wichtigsten Infrastruktur-Erhalter und Beherbergungsbetriebe. Der Alpenverein besteht aus 196 Sektionen. Sein Hauptsitz ist in Innsbruck.

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