Ekel-Pools: "Strenge behördliche Kontrollen sind ein Märchen"

ÖHV-"Begründung" für angeblich einwandfreies Poolwasser nicht haltbar

Wien (TP/OTS) - Zwei unabhängige Untersuchungen stellten vor
kurzem der Hygiene in Pools von Thermen und Wellnesshotels ein schlechtes Zeugnis aus. Empört begründeten die Interessensvertretungen in der Folge die "einwandfreie Qualität" von Hotelpools mit "strengen behördliche Kontrollen" und "permanenten amtlichen Untersuchungen von Wasserproben". Recherchen des kritischen Wellnesshotelführers RELAX Guide ergaben nun, dass die behördlichen Kontrollen nur lückenhaft durchgeführt werden.

Die in drei Ländern vom RELAX Guide durchgeführte Untersuchung hatte gezeigt, dass in rund 80 Prozent der 231 überprüften österreichischen Wellnesshotelpools die chemischen Desinfektionsparameter nicht den gesetzlichen Vorschriften entsprachen. Stimmt die Chemie nicht, so besteht die Gefahr, dass sich Keime ungehindert vermehren können.

Hotelierverband ÖHV und Wirtschaftskammer sprachen in der Folge von "unseriöser Studie", von "PR-Gag" und davon, dass "bisher keine durch das Badewasser bedingten Krankheiten" bekannt geworden seien. Begründet wurde die "einwandfreie Qualität" von Hotelpools mit "strengen behördliche Kontrollen" und "permanenten amtlichen Untersuchungen von Wasserproben".

Recherchen des RELAX Guide ergaben nun, dass die behördlichen Kontrollen längst nicht so rigoros durchgeführt werden, wie das die Interessensvertretungen darstellen wollen. Denn konkrete Kontrollen umfassen häufig nur die Einsicht in das Betriebstagebuch, amtliche Wasserproben sind mit einer Kontrolle im Regelfall nicht verbunden. In mehreren Bezirken gab es im Jahr 2005 keine einzige Kontrolle; ein Bezirk in Vorarlberg meldete sogar, dass es derart viele Hotels mit Hallenbädern gäbe, dass es unmöglich sei, sämtliche Anlagen zu prüfen.

Dort, wo tatsächlich kontrolliert wurde, fanden sich nicht selten zahlreiche Mängel. Sie reichen von "zu klein dimensionierte Filteranlagen" über "schlecht gewartete Chemikaliendosieranlagen" bis hin zu "durch Pseudomonaden verkeimte Whirlpools" und "mangelnder Sachkenntnis des Zuständigen". 2005 wurden österreichweit 17 Fälle von Legionellenverseuchung nachgewiesen, darunter einer in einem burgenländischen Wellnesshotel ("massive Verkeimung") sowie einer in einer Therme in Niederösterreich. Dennoch wurde keine Anlage geschlossen, auch wurde keine einzige Anzeige nach dem Bäderhygienegesetz erstattet.

Über Erkrankungen liegen laut Gesundheitsministerin "kaum konkrete Daten vor, da die häufigsten Infektionen, wie Pilzerkrankungen oder Trichomonaden, wie auch weitere mit Bädern/Badewasser assoziierte Erkrankungen, wie z. B. Harnwegsinfektionen, Hauterkrankungen/Hautpilze, Außenohr- oder Mittelohrentzündungen, Augeninfektionen, Erkrankungen des Verdauungstraktes oder Warzen nicht meldepflichtig" seien.

RELAX Guide-Herausgeber Christian Werner: "Es ist schon ungeheuerlich, unsere mit hohem zeitlichen und finanziellem Aufwand erstellte Drei-Länder-Untersuchung als PR-Gag abzutun. Noch schlimmer ist es aber, der Öffentlichkeit ein Vertuschungsmärchen aufzutischen und sich hinter den angeblich so strengen behördlichen Kontrollen zu verstecken."

In einem Bericht in der heutigen Ausgabe zitieren die "Salzburger Nachrichten" den Nationalratsabgeordneten und Konsumentensprecher der SPÖ, Johann Maier, der die Behördenpraxis als "äußerst fragwürdig" einstuft und den Umgang mit dem Bäderhygienegesetz als "unzumutbare Fahrlässigkeit" bezeichnet.

In der Vorwoche hatte Gerold Sigl, der Chef der Hydrologischen Untersuchungsstelle Salzburg, die Untersuchungen des RELAX Guide "als seriös" und "aussagekräftig" bezeichnet. Von Arno Sorger, dem Leiter des Bischofshofener Prüflaboratoriums für Hygiene und Medizinprodukte, Hygcen, werden die Ergebnisse als "nicht verwunderlich" eingestuft. Sein Institut hatte 20 Thermen überprüft. In 29 "Verdachtsfällen" wurde der Chlorgehalt der Becken bestimmt. 16 davon wiesen gar keinen messbaren Chlorgehalt auf. Gefunden wurden Legionellen, Fäkalkeime und andere Erreger, 43 Prozent aller Proben waren zu beanstanden.

Der Experte Arno Sorger in der heutigen Ausgabe der "Ganzen Woche": "Die Probleme liegen oft in der Betriebsstruktur. Wenn die Beckenwartung zum Beispiel dem Hotelchef obliegt, kann es schnell passieren, dass der Alltagsstress des Betriebes nicht genug Zeit lässt, um alle technischen und hygienischen Überprüfungen wie Wasseraufbereitung, Spülungen, Messungen und Reinigung vorschriftsgemäß durchzuführen. Die Wartung von Wasser- und Schwimmbecken gehört in die Hände eines ausgebildeten Badewartes, auch in Wellnesshotels. Hier besteht sicher noch Informationsbedarf."

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301044 Okt 07

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