hogast-Powertag mit "Anti-Guru" Dr. Reinhard K. Sprenger: Mitarbeiter sind Träger, nicht Zuträger, von Leistung

Wals (TP/OTS) - 240 Zuhörer waren beim bereits traditionellen hogast-Powertag am 5. Mai 2008 anwesend. Dieser ging erstmals im neuen Ferry Porsche Congress-Center von Zell am See über die Bühne.

Einer Bühne die Dr. Reinhard K. Sprenger mied, wie der Teufel das Weihwasser. Ohne Power-Point-Schnick-Schnack und Animationsübungen lebte er auf "Augenhöhe" mit seinen begeisterten, überwiegend der Gastronomie und Hotellerie angehörigen Zuhörern vor, was er ihnen in wiederkehrenden Schleifen näher bringen wollte: "Wenn sie ihren Mitarbeitern öfters in die Augen schauen, dann brauchen sie ihnen weniger auf die Finger zu sehen". Vertrauen als Schlüssel zur betrieblichen Beseitigung einer in der Tourismusbranche latenten Mitarbeiterlücke. "Jeder hat die wertvollen Mitarbeiter schon gehabt. Aber diese haben sie verlassen", steht für Sprenger fest. Deshalb lieferte der Vortragende seinen Zuhörern in erster Linie Ideen, wie sie aus ihren Mitarbeitern ebenso treue, wie engagierte Botschafter des Unternehmens machen können.

Seit vielen Jahren warnt Sprenger davor, Engagement mittels Prämien animieren zu wollen. Wer den Anreiz in den Mittelpunkt rücke, vernichte den Trieb. Bezahlung und Motivation seien zu entkoppeln. Wertschätzung sei gefragt, nicht die vor die Nase gehaltene Karotte oder hierarchisches Lob. Zeit und persönlicher Kontakt seien durch nichts zu ersetzen. "Mitarbeiter kommen zu Unternehmen, aber sie verlassen Vorgesetzte", fasste Sprenger zusammen.

Auch wenn für den Management-Fachmann die Personalsuche eigentlich nicht notwendig sein, sondern die Begeisterung aktueller Mitarbeiter und der gute Ruf ungefragten Zustrom sichern sollte, steht gerade Saisonbetrieben in der Realität die ungeliebte Prozedur regelmäßig ins Haus. Zwar wird künftig das von hogast, Österreichs führender Einkaufsgenossenschaft für Gastronomie und Hotellerie, ins Leben gerufene Qualitätssiegel "best for people" die Position von Gastronomiebetrieben mit geprüft herausragender Mitarbeiterorientierung stärken, doch ganz ohne aktiver Mitarbeitersuche wird es nicht abgehen.

Auch dafür versorgte Sprenger die Zuhörer mit wertvollen Tipps. So sollte man das Gehaltsangebot am unteren Ende des oberen Drittels ansetzen. Unterbezahlte Mitarbeiter würden rasch geistig kündigen, während Topverdiener eilig zum nächsten Bestzahler weiterpilgern. Talent sei in jedem Fall wichtiger, als Zeugnisse - und die Bezahlung solle nach "Gutsherrenart" festgelegt werden. Sprenger hält die Unschärfe des Leistungsbegriffs für wichtig. Nicht exakt zu quantifizieren sei wichtig, sondern den Job an die Fähigkeiten des Mitarbeiters anzupassen: "Wer viel misst, misst viel Mist", zitierte Sprenger.

Er warnte vor Bewerbern, die im Konjunktiv reden, das widerspreche der Selbstverantwortung. Wer sich immer mit anderen Vergleiche, sei zu relativierend und die von sich per "man" reden, wälzen Verantwortung ab. Hermann Maier hätte beim studierten Sporthistoriker Sprenger demnach keine Chance.

Einmal aufgenommen, sei das wichtigste, den Mitarbeitern ihren Talenten entsprechend Leistung zu ermöglichen und Vertrauen zu vermitteln. Statt mit Anreizsystemen zu demotivieren, sollte man symbolische Beteiligungsmodelle entwerfen. Dabei muss immer der gemeinsame, langfristige gegenüber dem individuellen, kurzfristigen Erfolg im Zentrum stehen.

Also sprach Dr. Reinhard K. Sprenger in Zell am See:
1. Wir stehen für den Sieg auf der Payroll, nicht für die Leistung. Das ist ungerecht, aber es ist so.
2. Coaching: Die fundamentale Infantilisierung Erwachsener
3. Es kommt nur auf eines an: Das konkretes Verhalten der wertsetzenden Persönlichkeit im Konfliktfall - Das ganze Wertegeraune können Sie in der Pfeife rauchen.
4. Bei einer Führungskraft mit ausgeprägter Sozialallergie, der das Menschliche zu komplex ist, hilft alles nichts.
5. Nützen Sie die positive Kraft des negativen Denkens.
6. Personalsuche: Schmitt sucht Schmittchen, eine kleine Ausgabe von sich selbst.
7. Der Mitarbeiter muss Träger, nicht Zuträger von Leistung sein. 8. In ihrer Branche sind die meisten Selbstoptimierer, statt die Potenziale anderer zu entwickeln.
9. Viele sind Vorgesetzte, nicht Führungskräfte.
10. Es gibt keine Kundenorientierung ohne Mitarbeiterorientierung. 11. Man muss nicht grimmig schauen um Autorität auszustrahlen. Nur wenn du dich selbst liebst, kann du den anderen lieben.
12. Wer behauptet: "Ich habe 17 Leute unter mir", hätte Friedhofsgärtner werden sollen.
13. Es ist furchtbar schwer jemandem zu glauben, wenn man weiß, selbst an dessen Stelle gelogen zu haben.
14. Wenn Sie wollen, dass die Leute bei Ihnen bleiben, dann müssen Sie etwas bieten. Sie hatten gute Leute, aber die sind weg. An der Freiheit des anderen kommt niemand vorbei.
15. Führungskraft oder Ordnungskraft? Entscheiden Sie selbst.
16. Die Beziehungsebene zwischen Chef und Mitarbeiter ist die Achillesferse der Mitarbeiterbindung.
17. Menschen kommen zu einem Unternehmen, aber Sie verlassen Vorgesetzte.
18. Das Image muss von innen kommen. Der Mitarbeiter ist der Werbeträger, Mitarbeitermarketing meist herausgeschmissenes Geld.
19. Nur Blut, Schweiß und Tränen bringt nichts.
20. In der Gastronomie sind vorrangig Söhne und Töchter am Werk. Das ist eine Anleitung zum Unglücklichsein.
21. Machen Sie keine Fragebögen. Das einzige was zählt sind ungefragte Aussagen, nicht durch Fragen deformierte Antworten. 22. Wo Wärme und Aufmerksamkeit sind, da braucht es kein Lob.
23. Mitarbeiter müssen dem eigenen gesetzten Qualitätsanspruch gerecht werden.
24. Was leistungsorientiert sein soll, ist misstrauensorientiert. Tu dies, dann bekommst du das.
25. Belohnung ersetzt handeln, das ist das eherne Gesetz der Demotivierung.
26. Wenn keine Wunde bleibt, lernen wir nichts. Nur Leid oder -bedingungslose - Liebe, öffnen ein Zeitfenster, das den grundsätzlichen Einstellungswandel ermöglicht.
27. Je schwächer die Führung, desto intensiver der Ruf nach Anreizsystemen.
28. Das schönste ist, wenn die Mitarbeiter das Geld vergessen.
29. Wir haben im Unternehmen keine Dankesbeziehung, sondern ein Geben und Nehmen im Gleichgewicht.
30. Alles was man loslässt sucht die Bindung. Alles was man zwingt, sucht die Freiheit.

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