Mitterlehner, Kaske, Schenner, Kopf: "Österreich braucht eine starke Tourismuswirtschaft"

Sozialpartner und AMS geben Startschuss zu gemeinsamer Initiative zur Förderung des touristischen Arbeitsmarktes.

Wien (TP/OTS) - Die Arbeitskräftenachfrage im Tourismus boomt, Tourismus-Berufe finden sich unter den Top Ten der beim AMS am stärksten nachgefragten Berufe. "Gut ausgebildetes Personal wird allerdings zunehmend knapp", sagte WKÖ-Reinhold Mitterlehner beim Startschuss der gemeinsamen Initiative zur Förderung des touristischen Arbeitsmarktes von Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), Gewerkschaft vida und dem Arbeitsmarktservice (AMS). Ziel sind die Förderung der Fachkräfteausbildung, die Steigerung der Karrierechancen im Tourismus sowie die Erhöhung der Mobilität von Tourismusbeschäftigten.

Ziel der gemeinsamen Initiative: Förderung der Fachkräfteausbildung sowie der Mobilität von Tourismusbeschäftigten

Das Maßnahmenpaket umfasst eine verstärkte Facharbeiterintensivausbildung in Tourismusregionen und den Ausbau der regionalen Jobvermittlung ebenso wie den stärkeren Anreiz zur Inanspruchnahme der Entfernungsbeihilfe durch bessere Information und die bessere Integration älterer Arbeitnehmer. Vorgestellt wurde es heute, Donnerstag, im Vorfeld des Tourismus-Arbeitsmarktgipfels der Bundessparte Tourismus von Reinhold Mitterlehner, dem stellvertretenden Generalsekretär der WKÖ, dem Vorsitzenden der Gewerkschaft vida, Rudolf Kaske, Johannes Kopf, Mitglied des Vorstandes des AMS, und dem Obmann der Bundessparte Tourismus, Hans Schenner.

Darüber hinaus wurden im Rahmen des heutigen Arbeitsmarktgipfels der Bundessparte Tourismus und Freizeitwirtschaft geförderte Ausbildungen unmittelbar vor Saisonbeginn sowie Qualitätsstandards der Job-Vermittlung, insbesondere im Tourismusbereich angeregt.

Qualifizierte Arbeitskräfte sind knapp und werden immer rarer

"Die Stellenandrangsziffern des AMS beweisen, dass am touristischen Arbeitsmarkt ein Mangel an qualifizierten Arbeitskräften herrscht. So lag das Verhältnis von freien Stellen zu Arbeitssuchenden im April im Bereich Gaststättenköche/-innen nur mehr bei 1:1,1. Ein ganz klarer Beleg für Fachkräftemangel", so Reinhold Mitterlehner. Die Sozialpartner sehen deshalb die Weiterqualifizierung der Beschäftigten und die Schaffung von Karrierechancen im Tourismus als wichtige Maßnahmen, um die MitarbeiterInnen länger in der Branche zu halten.

Bessere Integration älterer Arbeitskräfte in den touristischen Arbeitsmarkt

Insgesamt sei der Tourismus eine junge Branche. Der Anteil der Unter-25Jährigen - bei durchschnittlich rund 170.000 Beschäftigten im Gastgewerbe - liegt mit 26,1% fast doppelt so hoch wie in der gesamten Wirtschaft, so Mitterlehner. "Der Anteil der über 45-jährigen Beschäftigten ist im Vergleich zu den unter-25-jährigen deutlich geringer. Es ist uns daher ein großes Anliegen, die älteren Arbeitskräfte besser in den touristischen Arbeitsmarkt zu integrieren", unterstrich Mitterlehner. Der "Aktionsplan für ältere Arbeitnehmer", den die Sozialpartner bereits Ende April vorgestellt haben, sieht dazu konkrete Maßnahmen vor, die auch für Beschäftigte und Arbeitgeber im Tourismus geeignet sind. So gibt es beispielsweise ein Beratungspaket für Betriebe und deren Beschäftigte in Fragen der Arbeitsorganisation, Weiterbildung oder Umschulung.

Gewerkschaft für geförderte Ausbildungen unmittelbar vor Saisonbeginn

Rudolf Kaske, der Vorsitzende der Gewerkschaft vida und Arbeitsmarktsprecher des ÖGB, hob vor allem die Wichtigkeit von Qualifizierungsmaßnahmen hervor. Er fordert geförderte Ausbildungen, die unmittelbar vor Saisonbeginn durchgeführt werden sollen. "Wenn diese Schulungen eine Woche vor Saisonbeginn stattfinden, ergäbe dies eine Win-win-Situation für ArbeitnehmerInnen, ArbeitgeberInnen und das AMS. Die Schulungsmaßnahmen fänden dann in einem aufrechten Dienstverhältnis statt. Der Vorteil für die Betriebe wären gut ausgebildete Fachkräfte, die zum wirtschaftlichen Erfolg des Betriebes einen wesentlichen Beitrag liefern. Die ArbeitnehmerInnen selbst könnten diese Zusatzausbildungen als persönliche Qualifikation nützen", sagt Kaske. Die Sozialpartner werden dazu gemeinsam mit dem AMS ein praktikables Modell zur Finanzierung der Schulungen entwickeln.

Kaske: Ruf nach Qualitätsstandards bei Job-Vermittlung

Bei der Job-Vermittlung verlangt Kaske Qualitätsstandards. "Die vom AMS angebotenen offenen Stellen sollen genaue Angaben über Dienstgeber, den Dienstort, die Arbeitszeit und sonstige wichtige Rahmenbedingungen enthalten", so die Forderung von Kaske. Derzeit sei dies oft nicht der Fall, was Arbeitslosen die Jobsuche erschwere und zur längeren Nichtbesetzung offener Stellen führe.

Information soll mehr Tourismusarbeitskräften zum Genuss der Entfernungsbeihilfe verhelfen

"Mit der Entfernungsbeihilfe hat das Arbeitsmarktservice ein überaus sinnvolles Instrument zur Unterstützung der überregionalen Vermittlung im Programm", betonte AMS-Vorstand Kopf. Diese Beihilfe können Arbeitsuchende erhalten, die bereit sind, eine entfernte Arbeitsstelle anzunehmen. Bessere Information soll die Beschäftigung an einem vom Lebensmittelpunkt weiter entfernten Arbeitsplatz schmackhafter machen bzw. bei Beschäftigung an einem entfernten Ort zur Inanspruchnahme der Beihilfe anregen. "In einer gezielten Informationskampagne mittels Broschüren und Plakaten in unseren Geschäftsstellen werden wir nun erwachsene Arbeitsuchende über unsere Förderung informieren und die Jobchancen im Tourismus ansprechen, um noch mehr Arbeitsuchende für eine Beschäftigung in dieser Branche zu gewinnen", so Kopf.

Kopf: "AMS setzt auf regionale Qualifikation und überregionale Jobvermittlung"

In Abstimmung mit den Sozialpartnern initiiert das AMS eine weitere Maßnahme zur Qualifizierungsoffensive. "Das AMS startet im Herbst mit einem speziellen regionalen Qualifizierungsprogramm zusätzlich zum bereits bestehenden Aus- und Weiterbildungsangebot. In Wien etwa sind im Zuge dessen Facharbeiterintensivausbildungen für Köchinnen und Köche, in der Steiermark Ausbildungen für Restaurantfachkräfte geplant", erläuterte Kopf.

Ausgebaut hat das AMS auch die überregionale Jobvermittlung. Und zwar mit der Zielsetzung, Unternehmen bei ihrer Suche nach qualifiziertem Personal noch intensiver zu unterstützen.

Schenner: "Tourismus produziert mit Standortgarantie Österreich. Wir lagern nicht aus"

Hans Schenner, Obmann der Bundessparte Tourismus und Freizeitwirtschaft und Sprecher von 90.000 Tourismusbetrieben, strich die arbeitsmarktpolitische Wichtigkeit des Tourismus heraus. "Der Tourismus produziert mit Standortgarantie Österreich. Wir lagern nicht aus. Für den Erfolg unserer Betriebe ist entscheidend, dass dem Tourismus auch in Zukunft genügend qualifizierte Arbeitskräfte zur Verfügung stehen." Die Bundessparte Tourismus und Freizeitwirtschaft schlägt daher AMS-geförderte Weiterbildungsmaßnahmen, wie z.B. Sprach- oder Sommelierausbildungen vor, wobei das AMS bis zu 75 Prozent der Qualifizierungskosten übernimmt.

Tourismus-Arbeitsmarktgipfel u.a. zum Thema "Nachwuchsarbeit"

"Wenn man die demographische Entwicklung der Bevölkerung beobachtet, muss man kein Prophet sein, um zu erkennen, dass in Zukunft immer weniger junge Menschen dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen werden. Darüber hinaus ist es bereits in den letzten Jahren über alle Berufsgruppen hinweg zu einem akuten Arbeitskräftemangel gekommen", hielt Schenner fest und ortete im Bereich der Lehrlingsausbildung ebenfalls dringenden Handlungsbedarf: "Die Weichen bei der Berufswahl der Jugendlichen in Richtung Tourismuswirtschaft zu stellen und möglichst viele von ihnen für eine Tätigkeit im Tourismus zu begeistern, also - um’s im Fußballer-Jargon zu sagen - die Nachwuchsarbeit stellt eine große Herausforderung dar."

Diese und weitere branchenspezifische Themen werden Sozialpartner und AMS mit Experten am Nachmittag beim Tourismus-Arbeitsmarktgipfel der Bundessparte Tourismus und Freizeitwirtschaft diskutieren. "Denn", darin zeigten sich Mitterlehner, Kaske, Schenner und Kopf einig: "Österreich braucht eine starke Tourismuswirtschaft."

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291206 Mai 08

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