Vorsicht Wettersturz

Innsbruck (TP/OTS) - Wettersturz und sommerliche Schneefälle im Gebirge sind regelmäßig wiederkehrende Phänomene. Sorgfältige Tourenplanung und angepasste Ausrüstung sind wichtige Grundvoraussetzungen für Wanderer und Bergsteiger - so der Alpenverein.

Anlässlich der tragischen Ereignisse an der Zugspitze erinnert der Alpenverein alle Bergsteiger und Bergwanderer eindringlich an die Gefahren, die sich aufgrund von Kälteeinbrüchen im Gebirge ergeben. Es ist auch während der Sommermonate nichts Außergewöhnliches, dass es in den Bergen bei Durchzug einer Kaltfront so stark abkühlt, dass Temperaturen von 0Grad C und darunter erreicht werden und es zu Schneefall kommt.

Die Probleme, die schlechte Witterung mit sich bringt, sind vielfältig und dürfen keinesfalls unterschätzt werden:

  • Rutschgefahr und erhöhte Sturzgefahr - durch Regen, Neuschnee, Kälte und starken Wind
  • Unterkühlung - durch Regen, Neuschnee, Kälte und Wind (Windchill-Faktor)
  • Orientierungsverlust - durch Nebel, Schneefall (white-out)
  • Erhöhte Steinschlaggefahr und Murentätigkeit - durch Starkregen
  • Lawinengefahr - durch Schneefall
  • Blitzschlag - durch Frontgewitter

Nur eine sorgfältige Tourenplanung und eine dem Ziel angepasste Ausrüstung kann verhindern, dass ein Wettersturz dramatische Folgen hat! Dass man dem Wetterphänomen "Wettersturz" - mit dem der Durchzug einer Kaltfront bezeichnet wird - nicht schicksalhaft ausgeliefert ist, weiß Michael Larcher, Leiter der Alpenverein-Bergsteigerschule:
"Jeder Wettersturz wird heute von den Meteorologen vorhergesagt -häufig sogar mit einer Genauigkeit von ein bis zwei Stunden." Und -so der Bergführer weiter - " Wetterkundeunterricht heißt heute in Alpenvereinskursen in erster Linie, den aktuellen Wetterbericht zu interpretieren und dabei vor allem auf zwei Phänomene besonders genau zu achten: Gewitterneigung und Kaltfront."

Einen Service der besonderen Art bietet die persönliche Wetterberatung des Alpenvereins, der unter 0512-291600 an Werktagen von Montag bis Samstag zwischen 13:00 - 18:00 Uhr Auskunft zur Wettersituation gibt. Beste Informationen zum Wetter liefert auch die Homepage des Alpenvereins: www.alpenverein.at

Stichwort Ausrüstung: Neben der Reservebekleidung, warmen Getränken und einem Erste-Hilfe-Paket sollte jeder Bergsteiger und Bergwanderer unbedingt auch einen Biwaksack mitführen. "Der Biwaksack gehört zur Standardausrüstung und kann das ganze Jahr über im Rucksack bleiben", rät Larcher. Diese sehr leichten, kleingepackten Säcke aus Perlon, in denen zwei bis drei Menschen Platz finden (von "Ein-Mann-Biwaksäcken" rät der Alpenverein strikt ab), können im Notfall Leben retten, indem man sie überstülpt und so der gefährlichen auskühlenden Wirkung des Windes entgegenwirkt.

Kaum ein Phänomen wird auch von erfahrenen Alpinisten häufiger unterschätzt, als der sogenannte "Windchill". Damit ist der Unterschied zwischen der gemessenen Lufttemperatur und der tatsächlich gefühlten bzw. wirksamen Temperatur gemeint. So entsteht z.B. bei einer Lufttemperatur von -5 Grad Celsius und einer Windgeschwindigkeit von 50 km/h ein tatsächlich wirksamer Auskühlungseffekt wie bei -15 Grad Celsius! Hervorgerufen wird dieser Effekt durch die rasche Abführung hautnaher und damit relativ warmer Luft und der damit einhergehenden stärkeren Verdunstungsrate.

"Windchill plus Erschöpfung plus Nässe plus mangelnde Ausrüstung -stellt eine gefährliche Gefahrenkombination beim Wandern und Bergsteigen dar, die jährlich Opfer fordert, so Larcher. Körperliche Anstrengung hält zwar den Körper warm, sie beschleunigt aber auch enorm die Auskühlung, da die Peripherie ständig mit warmem Blut aus dem Körperkern versorgt wird. Bei Überanstrengung werden aber die Reserven aufgebraucht, es kommt zu einer gefährlichen Absenkung der Körperkern-Temperatur und der Betroffene rutscht in eine sogenannte "Allgemeine Unterkühlung", die immer einen lebensgefährlichen Zustand darstellt.

Biwaksäcke können zwar Leben retten, bleiben aber dennoch eine Notlösung. Besser ist es immer, bei einer Wetterverschlechterung möglichst rasch abzusteigen oder den Schutz einer Hütte aufzusuchen.

Bergsteigern, die noch wenig Erfahrung in der Tourenplanung und der Einschätzung der Wettergefahren haben, bietet die Alpenverein-Bergsteigerschule ein umfassendes Kursangebot in dem alle notwendigen Dinge vermittelt werden, die für sichere Bergtouren notwendig sind.

Infos unter: (0512) 59547-34, www.alpenverein-bergsteigerschule.at

Facts

Der Alpenverein ist mit 350.000 Mitgliedern der größte Bergsportverein Österreichs und hinter dem Deutschen Alpenverein der zweitgrößte Alpinverband weltweit:

  • 22.000 Mitarbeiter und Funktionäre
  • 1,3 Millionen ehrenamtlichen Arbeitsstunden pro Jahr;
  • 16.000 Veranstaltungen österreichweit in 197 Sektionen
  • 241 Schutzhütten, 14.000 Schlafplätze
  • jährlich 1 Million Besucher, größter Beherbergungsbetrieb Österreich
  • Betreuung von 40.000 km Wanderwegen.

Damit leistet der Alpenverein einen wesentlichen Teil zum Sommer-und Alpintourismus, aus dem die Tourismuswirtschaft jährlich ca. 1 Mrd. Euro lukriert.

Klettersportler des Alpenvereins sind Weltspitze. Zuletzt gab es zweimal Gold bei der Kletterweltmeisterschaft 2007 in Spanien für Angela Eiter (Vorstieg) und Anna Stöhr (Boulder) und eine Bronzemedaille im Kombibewerb (Vorstieg/Speed/Boulder) für Katharina Saurwein.

Mit dem Magazin bergundsteigen schuf der Alpenverein eine weltweit einzigartige und inzwischen international anerkannte Fachzeitschrift für Risikomanagement im Bergsport. Soeben erschienen: bergundsteigen 2/08

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TPT0003 2008-07-16/09:55

160955 Jul 08

Mag. Michael Larcher
Alpenverein-Bergsport (Leitung), Bergführer
beeid. Sachverständiger, Chefredakteur bergundsteigen
Tel.: 0664 / 8556423
michael.larcher@alpenverein.at

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