Tourismus braucht Mitarbeiter und beste Werbe-Offensive aller Zeiten

ÖHV präsentiert IHS-Studie: Arbeitsmarkt für Tourismus öffnen

Velden (TP/OTS) - Eine IHS-Studie zeigt, dass Österreichs
Tourismus mehr Mitarbeiter braucht. Wenn Regierung und Branche die richtigen Maßnahmen setzen, können die Auswirkungen des Konjunktureinbruchs gedämpft werden.

"Österreichs Tourismusbetriebe brauchen mehr Mitarbeiter, und diese Situation wird sich noch verschärfen. Die österreichische Arbeitsmarktpolitik wird damit zu einer größeren Gefahr für die Branche als der Konjunkturrückgang", erklären die ÖHV-Präsidenten Peter Peer und Sepp Schellhorn. Eine Studie des Instituts für Höhere Studien zeigt, dass der Mitarbeiterbedarf im Tourismus bis 2012 um 9 % steigt.

Die Schlüsselfrage für den Tourismus wird sein, die steigende Arbeitskräftenachfrage decken zu können, so IHS-Leiter Prof. Dr. Bernhard Felderer: "Angesichts der demografischen Entwicklung wird sich der europäische Wettbewerb um Fachkräfte verschärfen. Von der Arbeitskräfteknappheit werden Wachstumsbranchen und mitarbeiterintensive Dienstleistungsbranchen besonders betroffen sein." Auf den Tourismus trifft beides zu.

Längere Übergangsfristen kosten Arbeitsplätze

Im Winter 2007/08 haben einer ÖHV-Umfrage zufolge 28,95 % von 1.100 befragten Betrieben Mitarbeiter im Service gesucht. In der laufenden Saison stieg der Wert auf 29,43 %. Mitarbeiter für die Küche suchen 23,12 % nach 23,68 % im Vorjahr. Mitarbeiter für die Etage suchen um die Hälfte mehr Betriebe, 11,99 % nach 17,42 % im Vorjahr. "Das zeigt massiven Handlungsbedarf auf. Was bisher geschah, war zu wenig. Für eine Branche, die so viele Mitarbeiter sucht, reicht ein Beruf in der Fachkräfteverordnung nicht. Wir brauchen Mitarbeiter aller Qualifikationsniveaus, in allen Bereichen. Wir brauchen die Arbeitsmarktöffnung jetzt", so Schellhorn.

Bis Mai muss die Bundesregierung der Arbeitsmarktöffnung zustimmen oder bei Verlängerung der Übergangsfristen eine "schwerwiegende Störung des Arbeitsmarktes oder die Gefahr derartiger Störungen" nachweisen. Im Tourismus kann davon keine Rede sein: Selbst im Dezember, als die Arbeitslosenzahlen in anderen Branchen längst stiegen, nahm die Zahl der offenen Stellen im Tourismus dem Arbeitsmarktservice zufolge zu. Für die Tourismusbetriebe wird die Mitarbeiterknappheit zunehmend problematisch: "Die Politik darf diesen Jobmotor nicht im Regen stehen lassen! Die Regierung muss sich dieser Herausforderung stellen", so Schellhorn. Nicht nur die ÖHV, auch EU-Kommission, AMS, WKÖ-Sparte Tourismus und Industriellenvereinigung fordern die Öffnung: "Wir brauchen Mitarbeiter, und zwar rasch. Hier herrscht Konsens", verweist Peer auf die IHS-Studie: Verlängerte Übergangsfristen würden sich auf Arbeitsplätze, Steuern und Sozialabgaben, Konsum und Österreichs Wirtschaft allgemein negativ auswirken.

Neue Arbeitsmarktpolitik gefordert

Während konkurrierende Destinationen in ganz Europa ihre Arbeitsmärkte längst geöffnet haben, präsentiert sich der Tourismusweltmeister weiterhin ausgesprochen fremdenfeindlich: "Wie wollen wir glaubwürdig Gäste aus aller Welt einladen, wenn wir gleichzeitig vor ihrer Nase die Tür zum Arbeitsmarkt verschlossen halten? Die neue Bundesregierung ist angetreten, um die Fehler der alten zu korrigieren. Warum nicht auch in der Arbeitsmarktpolitik? Der eingeschlagene Weg führt in eine Sackgasse", so Schellhorn. Das IHS bestätigt, dass die Arbeitsmarktblockade die heimischen Tourismusbetriebe im internationalen Wettbewerb schwächt. Eine Prolongierung der gewerkschaftsgetriebenen Bremserpolitik würde unweigerlich zu massiven Umsatz- und Arbeitsplatzverlusten führen.

Lehrlingszahl sinkt um ein Viertel

Experten warnen seit Jahren vor den Folgen der demografischen Entwicklung: Der Geburtenrückgang wird in einen massiven Fachkräftemangel münden. "Das gefährdet unsere Servicequalität immens, eines unserer besten Verkaufsargumente, um das wir weltweit beneidet werden", so Peer. Eine Grafik veranschaulicht die Entwicklung der Lehrlingszahlen in den nächsten Jahren auf Basis der Geburtenrate. Zu rechnen ist mit einem Rückgang des Fachkräftenachwuchses um ein Viertel!

Nach Fernmärkte-Einbruch droht Stammgast-Krise

Mittelfristig wird der internationale Gästeansturm nach Österreich laut IHS weiter zunehmen, für 2009 und 2010 erwartet Felderer eine Stagnation. In den vergangenen Monaten wurde ein deutlicher Rückgang der Nächtigungen aus relevanten Fernmärkten festgestellt: Zwischen Juni und November 2008 sanken die Nächtigungen der Briten im Jahresvergleich um 6,19 %, die der Japaner um 13,74 % und die der US-Gäste um 20,05 %. "Wo wir Chancen sehen, sind die Nahmärkte: im Inland, bei unseren Stammgästen aus Deutschland, den Niederlanden und anderen Nachbarländern. Das deckt 80 % der Gästeschichten ab. Wer sparen muss, gibt nicht auch noch Geld für einen weiten Flug aus. Umso wichtiger wird daher die Konzentration auf die Nahmärkte sein", erklärt Schellhorn. Zwar hinterlässt ein starker Konjunkturrückgang, mit zeitlichem Abstand, auch dort Spuren bei Ankünften und Nächtigungen, doch hier sind die Folgen mit einer bis in die Destinationen abgestimmten Marketingstrategie leichter abzufangen.

Österreichs Tourismus braucht "beste Werbe-Offensive aller Zeiten"

Die Gründung der "Allianz der 10" durch die Österreich Werbung und die Landestourismusorganisationen war ein wichtiger Schritt zur Effizienzsteigerung: Nie zuvor wurden die Marketingbudgets im Tourismus so wirksam eingesetzt. Nun sollte dieses Erfolgskonzept auch auf anderen Ebenen weitergeführt werden. Die erfolgsgekrönte Internationalisierungsstrategie vieler Hoteliers und Destinationen müsse weiter verfolgt, der Fokus dabei kurzfristig gezielt auf Nahmärkte gelegt werden. In der laufenden Wintersaison werde die Branche mit einem blauen Auge davonkommen, sind sich die Experten einig. Ein Vergleich von BIP-Entwicklung und Nächtigungen in relevanten Nahmärkten macht jedoch deutlich, dass ein schwieriger Sommer bevorsteht: "Jeder starke Konjunkturrückgang kostet uns Nächtigungen. Um das Nächtigungsniveau halten zu können, brauchen wir eine durchdachte Werbestrategie, die bis in die Destinationen hinein abgestimmt ist", so Schellhorn.

Roland Berger empfiehlt: Nahmärkte bewerben

Der renommierte Unternehmensberater Roland Berger empfiehlt angesichts der weltweiten Konjunkturentwicklung verstärktes Marketing in den Nachbarländern, die Positionierung als sichere Destination mit Betonung der intakten Natur und der Gastfreundlichkeit und die Betonung des guten Preis-Leistungs-Verhältnisses: Nirgendwo sonst finden Urlauber eine dermaßen auf ihre Bedürfnisse hin maßgeschneiderte Infrastruktur zu einem so günstigen Preis vor. Diese Vorteile sollten jedenfalls, so Roland Berger, in die Vermarktung der Destination einfließen.

Sonderbudget für ÖW: Nur Tropfen auf dem heißen Stein?

"Um den Sommer zu überstehen, braucht Österreichs Tourismus jedenfalls die beste Werbe-Offensive aller Zeiten", so Peer. Ob die einmalige Erhöhung des ÖW-Budgets um 4 Mio. Euro dafür ausreicht, werde sich weisen, so Peer. "Die Sonderdotation ist ein einmaliger Krisenzuschuss, der das Schlimmste verhindern soll. Das ist klar. Genauso klar ist aber, dass man vor dem strukturellen Problem weiter die Augen verschlossen hat: Die ÖW verliert von Jahr zu Jahr an Kaufkraft, wenn im Doppelbudget nicht endlich die längst notwendige Erhöhung um 10 Mio. Euro pro Jahr samt Wertsicherung beschlossen wird", so Peer. 2010 wäre das zehnte Jahr in Folge ohne Wertanpassung, Österreichs Tourismuswerbung würde dann real mit beinahe 20 % weniger Budget auskommen müssen. "Da freut sich der Mitbewerb, gar keine Frage", so Schellhorn.

ÖHV begrüßt ÖHT-Offensive

Die ÖHV begrüßt die ÖHT-Finanzierungsoffensive: Die ERP-Kreditmittel wurden um 18,75 % auf 398 Mio. Euro aufgestockt, die TOP-Tourismusförderung wird in den kommenden beiden Jahren um 20 % erhöht, der Haftungsrahmen für die ÖHT auf 500 Mio. Euro, die Haftungsobergrenze im Einzelfall auf 4 Mio. verdoppelt. "Damit ist zwar noch nicht sichergestellt, dass jeder Tourismusbetrieb einen Kredit bekommt, aber wenn die Banken weiterhin so zurückhaltend sind bei der Kreditvergabe, sind diese Maßnahmen umso wichtiger", hält Peer fest. Die Rahmenbedingungen für die Betriebe sollten aber noch weiter optimiert werden: "Es gibt keinen besseren Zeitpunkt für eine umfassende Entlastungsoffensive als jetzt. Das beginnt bei der Abschaffung der Bagatellsteuern wie etwa der unsäglichen Kreditvertragsgebühr und geht über eine Weiterführung der begonnen Lohnnebenkostensenkung bis hin zur Entlastung der Unternehmen bei den Energiekosten", so Peer.

400.000,- Euro Wertschöpfung für die Region

Der ÖHV-Hotelierkongress ist der Branchenevent schlechthin: Die Veranstalterregion kann mit 1.550 zusätzlichen Nächtigungen durch 500 Hoteliers, Touristiker und Partnerunternehmer, Journalisten, Referenten und Politiker rechnen. Der Region bringt der Kongress zusätzliche Wertschöpfung in der Höhe von rund 400.000 Euro.

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