Offener Brief der Österreichischen Hoteliervereinigung an Bundeskanzler Faymann

Arbeitsmarktöffnung

Wien (TP/OTS) - Sehr geehrter Herr Bundeskanzler Faymann!

Mit Bedauern mussten wir feststellen, dass ein grundlegender Baustein der Europäischen Union - die Arbeitnehmerfreizügigkeit - von Österreich vorerst zu Grabe getragen wurde. Der überwältigende Zuspruch der Österreicherinnen und Österreicher zur Europäischen Idee scheint vergessen, die Zustimmung zu den vier maßgeblichen Grundfreiheiten verdrängt. So euphorisch die ersten Schritte in das gemeinsame, grenzenlose Europa kurz nach dem Fall des Eisernen Vorhangs vor unserer Tür gegangen wurden, so zögerlich handelt die Bundesregierung jetzt.

Für politisches Kleingeld wird die Verantwortung für selbst getroffene unpopuläre Entscheidungen der "überbordenden Brüsseler Bürokratie" zugeschoben, was die ohnehin schon EU-kritische Stimmung weiter anheizt. Jetzt, vor dem Hintergrund des weltweiten Konjunkturrückgangs scheinen die Bürger des kleinen Österreich den sicheren Hafen der großen Europäischen Union wieder liebgewonnen zu haben. Gilt dies nur, weil man sich einen schnellen, direkten Vorteil aus der Sicherheit verspricht, die die europäische Gemeinschaftswährung - ansonsten ein Preistreiber, ein "Teuro" -bietet?

Nun sind die gefragt, denen im Zuge der Nationalratswahlen die Verantwortung für die Führung der Republik Österreich in der laufenden Legislaturperiode übertragen wurde. Teil dieser Verantwortung ist auch, unpopuläre Entscheidungen zu treffen - zum Wohle der Österreicherinnen und Österreicher. Die Öffnung des Arbeitsmarktes ist eine solche Entscheidung: Auch wenn es in kurzen, mediengerechten Häppchen schwierig zu erklären ist: Die Öffnung des Arbeitsmarktes ist nicht nur eine moralische Verpflichtung gegenüber den neuen Mitgliedsstaaten, denen wir einen Gutteil des Wirtschaftswachstums der vergangenen Jahre verdanken. Darüber hinaus wäre es geradezu fahrlässig, die österreichischen Betriebe zu benachteiligen: Denn während die wirtschaftlichen Vordenker - die Staaten, die den Arbeitsmarkt schon geöffnet haben - seit Jahren vom Know-how und vom Einsatz unserer Nachbarn profitieren, suchen Österreichs Betriebe immer noch verzweifelt Fach- und Hilfskräfte, die sie auf dem heimischen Arbeitsmarkt längst nicht mehr finden.

Demografische Prognosen zeigen, dass sich diese Situation in den kommenden Jahren weiter drastisch verschlechtern wird. Und Österreichs Betriebe, die schon jetzt aufgrund der bisherigen Arbeitsmarktpolitik einen eklatanten Nachteil gegenüber dem Mitbewerb in fast allen anderen EU-Mitgliedsstaaten erfahren mussten, verlieren gegenüber der Konkurrenz weiter an Boden - nicht nur, weil die besten Kräfte längst in anderen Mitgliedsstaaten arbeiten, sondern auch, weil die momentane Politik der geschlossenen Tür alle vor den Kopf stößt, die eigentlich gerne im gastfreundlichen Land des Tourismusweltmeisters Österreich arbeiten wollen.

Österreich wird, wie vertraglich mit jedem der zehn Mitgliedsstaaten vereinbart, die Gefahr einer schwerwiegenden Störung des Arbeitsmarkts nachweisen müssen. Diese Gefahr besteht, darüber sind sich alle Experten einig, in keinem Bereich - schon gar nicht im Tourismus: Unsere Branche zeichnet sich durch stabile Wachstumsraten und überdurchschnittliche Mitarbeiterzuwächse aus. Die weltweiten Reisevolumina werden weiter steigen. Kurzfristige Rückgänge aufgrund des Konjunkturrückgangs werden keine nachhaltigen negativen Auswirkungen auf die Entwicklung der Branche haben. Ein Mitarbeiterabbau, wie er in anderen Branchen derzeit intensiv stattfindet, ist im Tourismus nicht absehbar: Ganz im Gegenteil verweisen die Experten des österreichischen Arbeitsmarktservice Arbeitsuchende aus produzierenden und produktionsnahen Unternehmen auf Tourismusbetriebe. Dennoch können Österreichs Hotels derzeit ihren Mitarbeiterbedarf nicht decken: 80 Prozent der Betriebe suchen Mitarbeiter.

Wie Untersuchungen zeigen, haben sich die Länder in den vergangenen Jahren am besten entwickelt, die ihren Arbeitsmarkt geöffnet haben. Österreich würde von mehr Mitarbeitern im Tourismus doppelt profitieren: Denn jeder Arbeitsplatz in unserer Branche schafft zwei Arbeitsplätze in der Gesamtwirtschaft.

Es ist unser unverwechselbarer Charme, der Österreich zum Tourismusweltmeister macht und so 8,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts gewährleistet - der Charme unserer Mitarbeiter, die ein Lächeln auf die Gesichter unserer Gäste zaubern und ein Wiederkommen sicherstellen. Nicht zuletzt deshalb sollte ein so gastfreundliches Land wie Österreich seinen Nachbarn nicht die Türe vor der Nase verschließen.

In diesem Sinne bitten wir Sie, die kolportierte Entscheidung zu revidieren und eine partielle Arbeitsmarktöffnung für den Job- und Wirtschaftsmotor Tourismus zu ermöglichen.

Mit freundlichen Grüßen,

ÖSTERREICHISCHE HOTELIERVEREINIGUNG

Thomas Reisenzahn Peter Peer Sepp Schellhorn Generalsekretär CoPräsident CoPräsident

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110930 Feb 09

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