Tourismusgipfel Hohe Mut: Die Branche will der Krise trotzen

Wien (TP/OTS) - Konträr zu vielen Wirtschaftsbranchen weltweit, verzeichnet Österreichs Ferientourismus - trotz der globalen Wirtschaftskrise - derzeit noch Zuwächse. Das Tourismusland Österreich zeigt seine touristischen Muskeln und setzt der Krise -auf Basis nach wie vor guter Buchungsstände - seine anhaltende Konjunktur als Sehnsuchtsland vieler Gäste aus aller Welt entgegen. Ist dieser Optimismus angebracht? Wird der österreichische Tourismus zu einem stabilisierenden Anker im schweren Wirtschaftsturm?

Einen spannenden Schlagabtausch rund um das brisante Thema "Crisis - What Crisis? Sagt der Tourismus die Krise ab?" lieferten sich anlässlich des 2. Tourismusgipfels auf der Hohen Mut oberhalb von Obergurgl/Ötztal führende Tourismus- und Medienexperten. Unter der Diskussionsleitung von Christopher Norden (Herausgeber und Chefredakteur Tourist Austria International) diskutierten Oliver Schwarz (GF Ötztal Tourismus), Gerhard Walter (GF Lech-Zürs Tourismus), Jakob Falkner (GF der Ötztaler Gletscherbahnen), Michael Brandl (Prokurist der Tirol Werbung) sowie Thomas Reisenzahn (GF der ÖHV - Österreichische Hoteliervereinigung) mit Brigitte Gogl (stellvertr. Chefredakteurin ORF Tirol) und Alois Vahrner (Chefredakteur der Tiroler Tageszeitung). Aufgrund dichten Nebels, konnten Rudolf Tucek (Vorstandsvorsitzender der Vienna International Hotelmanagement AG) und Nobert Kettner (GF von Wien Tourismus) nicht am Flughafen in Innsbruck landen und mussten ihre Teilnahme am Tourismusgipfel kurzfristig stornieren. Er, Tucek, glaube aber, dass sich die Krise deutlich auch auf die Branche auswirken werde, Rückgänge unvermeidlich wären und erst wider 2011 ein Aufwärtstrend zu konstatieren wäre.

ÖHV warnt vor Verunsicherung

In seinem Prolog zum Auftakt des Tourismusgipfels warnte auch Reisenzahn vor allzu großer Euphorie rund um die Leitbranche Österreichs, denn Fachleute würden längst davor warnen, dass die Krise auch im Tourismus sehr bald durchschlage. Die Verunsicherung sei sowohl bei Touristikern als auch bei Gästen bereits angekommen. Das BAK Basel Economics rechne für den Alpenraum mit einem Rückgang von 2 bis 3 % bei den Ankünften, so Reisenzahn. Die Deutsche Zentrale für Tourismus sage hingegen für 2009 ein Plus bei den Ankünften von 2 % voraus, da die Binnennachfrage anspringe. Die UNWTO (World Tourismus Organisation) gehe in ihrer Vorausschau für Europa von einem Rückgang von 3% aus. Das IHS wiederum präsentierte kürzlich beim ÖHV-Hotelierkongress eine Stagnation bis 2012 mit anschließendem Wachstum. Horwath HTL, die weltweit führende Beratungsgruppe für Hotellerie, Tourismus und Freizeitwirtschaft, gehe in ihrem "Global Hotel Market Sentiment Survey", einer Befragung von Hoteliers in 46 Ländern, von einem weltweiten Rückgang der Zimmerauslastung um ca. 5% im Jahr 2009 aus. Österreichs Hoteliers, stellte Reisenzahn auf der Hohen Mut klar, würden für 2009 mit einem Rückgang der Average Room Rate von bis zu 5% rechnen.

Hoteliers rechnen nur mit leichten Rückgängen

Der ÖHV-Chef präsentierte beim Tourismusgipfel auch eine von der ÖHV aktuell durchgeführte Studie in Westösterreich. In Salzburg, Tirol und Vorarlberg verlief demzufolge die bisherige Wintersaison im Großteil der 3-, 4- und 5-Sterne-Betriebe in etwa auf Vorjahresniveau bzw. wurden lediglich leichte Rückgänge verzeichnet. Mehr als 10% verzeichnen deutliche Steigerungen, ebenfalls mehr als 10% starke Rückgänge. Beinahe 60% beklagen negative Auswirkungen auf geplante Investitionen: Unter den derzeitigen Bankenkonditionen wären Investitionen derzeit nicht leistbar bzw. lasse die bisherige Entwicklung keine größeren Investitionen zu. Massive Auswirkungen sind auf den Arbeitsmarkt zu befürchten: Fast 50% der befragten Unternehmen werden zwar Mitarbeiter einstellen, aber weniger als geplant, und ein Drittel der Unternehmen fasst Kündigungen ins Auge.

Investitionen bleiben aus

Massiv häufen sich - laut Reisenzahn - derzeit Beschwerden von Hoteliers über die Geschäftspraktiken von Banken, die offensichtlich die wirtschaftliche Situation ausnützen und langjährige gute Kunden unter Druck setzen. So versuchen verschiedene Institute, Risikoaufschläge bei Fremdwährungskrediten zu erhöhen oder Sondergebühren für die Beschaffung von Fremdwährungen einzuheben -obwohl, wie OeNB-Direktor Dr. Peter Zöllner beim ÖHV-Hotelierkongress unmissverständlich festhielt - die Nationalbank den Banken Fremdwährungen zur Verfügung stellt. Harsch kritisiert werden unverhältnismäßig geänderte Haftungsrichtlinien. So fordert eine Bank von einem Betrieb bei einer laufenden Großinvestition plötzlich, 50 % der Kreditsumme für zwei Jahre auf ein Sparbuch zu hinterlegen. Fundierte Voraussagen, so Reisenzahn, seien derzeit schwierig. Die Branche befindet sich quasi im Nebelanflug auf die Sommersaison und der Konkurrenzkampf werde jeden Tag noch härter. Während die Schweiz ihr Werbebudget um mehr als 10 Mio. Euro erhöhte, wäre ein einmaliges Sonderbudget von 4 Mio. Euro für die Österreich Werbung, das zu drei Viertel auf dem Inlandsmarkt eingesetzt wird, viel zu wenig.

Die Krise ist noch nicht spürbar

In Lech-Zürs könne man noch keine Rückgänge feststellen, gab Gerhard Walter, auf der Hohen Mut zu Protokoll: "Ganz im Gegenteil verzeichnen wir in der laufenden Wintersaison sogar Zuwächse auf Basis der vergangenen Rekordsaison." Und auch Oliver Schwarz bestätigte für das Ötztal: "Die starke Marke, eine klare Positionierung und ein internationales Publikum sorgen derzeit für Steigerungen!" Jakob Falkner hingegen betonte, er sei grundsätzlich Optimist, wolle angesichts der dramatischen Wirtschaftsentwicklung aber auch Realist bleiben. Die Krise komme zeitverzögert und werde die zum Teil hoch verschuldete Tourismuswirtschaft mit Sicherheit treffen. Die Zeiten in denen Unternehmer alles ausreizen sei vorbei, viele Investitionen werden derzeit nicht getätigt und das sei bei einigen auch gut so. "Denn die Schulden von heute sind die Sorgen von morgen!" Michael Brandl rief dazu auf, die Kräfte zu bündeln und die Zusammenarbeit auf lokaler, regionaler aber auch grenzüberschreitender Ebene zu forcieren. In diesem Zusammenhang müsse sich auf die österreichische Fachmesse actb in Richtung der Alpen öffnen. In diesem Zusammenhang sei es sehr erfreulich, dass es derzeit sehr positive Signale für eine Alpenmesse gebe. In Tirol werde man die Anstrengungen bei der Sommerbewerbung auch finanziell verstärken, um die Vielfalt der alpinen Sommerfrische international stärker ins Rampenlicht zu bringen.

Die Marke Alpen besser positionieren

In die gleiche Kerbe stieß auch Gerhard Walter, der neue Allianzen forderte: "Angesichts der Wirtschaftskrise müssen wir eingefahrene Wege verlassen und grenzüberschreitend zusammenarbeiten." So müsste die Marke "Alpen" viel stärker als wertvolle Marke positioniert werden, die Marketinggruppe "Best of the alps" sei hier bereits auf einem guten Weg. Das Kirchturmdenken sei hinwegzufegen, wenn etwa die Marke "Arlberg" aufgrund ihrer Kompetenz und Bekanntheit bei Gästen funktioniere, dann dürfte kleinliche Eifersucht zwischen Bundesländern keine Rolle spielen. Einig zeigten sich auch die Medienexperten Brigitte Gogl und Alois Vahrner, dass der Konkurrenzkampf zwischen den Destinationen immer stärker werde. Deshalb sei auch die professionelle Zusammenarbeit innerhalb der Destinationen und das Bündeln von Kräften über enge regionale Grenzen hinaus das Gebot der Stunde.

Die Bürokratie muss abgebaut werden

Falkner betonte auch die Chancen, die in jeder Krise lägen. "Wir müssen die Saturiertheit und die Bürokratie abbauen. Statt den Verwaltungsbereich zu stärken, müssten die innovativen Umsetzer auf den Plan treten. "Gewinnen werden am Ende die Schnellen und Flexiblen!" Einig zeigte sich das Podium, dass der Tourismus, der angesichts der Krise seine Stärke zeige, an Image gewinnen werde -auch und gerade am Arbeitsmarktsektor.

Kein Preisdumping, bessere Online-Vermarktung

Auch angesichts der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise zeigten sich die Top-Touristiker auf der Hohen Mut optimistisch für die nächsten Monate. Österreich können mit seiner kleinteilig gewachsenen Struktur und der Gastfreundschaft international punkten. Die Betriebe dürften nicht in den Preiskampf begeben, zudem müsse der Vertrieb über Online-Verkauf forciert werden. Reisenzahn:
"Mittlerweile gibt es rund relevante 300 Reiseplattformen, Österreich hat hier Aufholbedarf!" Wichtig sei zudem die Entwicklung innovativer Produkte, um neue Gäste anzulocken. Brandl betonte dabei die Bedeutung der Kombination Natur und Tourismus. In Tirol habe man mit "Nature Watch" eine neue Allianz aufgebaut, eine Zusammenarbeit zwischen dem Tiroler Tourismus und Swarovski Optik. "Damit können wir den Fokus auf unsere natürlichen Stärken forcieren!"

Als Gastgeber des Tourismusgipfels Hohe Mut zeichnete Ötztal Tourismus für einen reibungslosen Ablauf des exklusiven Branchentreffens verantwortlich, initiiert wurde der Event von der PR Agentur pro.media kommunikation, unterstützt wurde das Treffen der Top-Touristiker von Österreichs führendem wöchentlich erscheinenden Branchenmedium "Tourist Austria International" und dem Brancheninformationsdienst APA OTS Tourismuspresse.

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