Die Gletscher schrumpfen weiter

Gletscherbericht des Alpenvereins 2007/2008

Innsbruck (TP/OTS) - Das Haushaltsjahr 2007/08 begann mit einem gletschergünstigen, schneereichen Winter. Der Sommer war aber erneut überdurchschnittlich warm. Das führte dazu, dass von den 94 vermessenen Gletschern 83 zurückgeschmolzen sind, sieben als stationär eingestuft werden können und erstmals seit Jahren wieder vier Gletscher vorgestoßen sind. Der mittlere Längenverlust beträgt dennoch 12,8 m. Am meisten zugesetzt hat das letzte Jahr dem Schalfferner (Ötztal). Er schrumpfte um 49 m!

Messbedingungen werden immer schwieriger

Die Mittelwerte der Temperatur lagen auch vergangenes Jahr über dem langjährigen Durchschnitt. Der Winter war um 0,4 GradC wärmer als der Durchschnitt, der Sommer um 0,9 GradC. "Für das Haushaltsjahr 2007/08 registrierten die ,Gletscherknechte’ bei ihren Messungen gletscherabträgliche Ergebnisse - und das unter zunehmend schwierigeren Bedingungen", sagt der Leiter des Alpenverein-Gletschermessdienstes Gernot Patzelt.

4 Gletscherenden sind vorgestoßen

Derzeit sind im Messnetz der Gletschermesser 96 Gletscher verzeichnet. Von 94 liegen konkrete Ergebnisse vor. 88 % der Gletscher sind zurückgeschmolzen, 8 % blieben stationär und 4% weisen geringe Vorstoßbeträge auf. "Eine größere Anzahl wachsender Gletscher hat es zuletzt 1997 gegeben", betont Patzelt das überraschende Ergebnis, weist aber Spekulationen einer Trendwende zurück.

Fünf Gletscher schrumpften um mehr als 40 m

Die mittlere Längenänderung von -12,8 m ist deutlich geringer als im letzten Jahr, wo der Mittelwert bei -22,2 m lag. Rekordhalter im Jahr 2008 ist der Schalfferner (Ötztaler Alpen), bei dem ein Rückzugsbetrag von 49 m ermittelt wurde. Auf den Plätzen zwei und drei folgen der Vernagtferner (Ötztaler Alpen, -45,2 m) und der Mutmalferner (Ötztaler Alpen, -43,5 m). "Es fällt auf, dass sich die großen Längenverluste bei den Ötztaler Gletschern häufen", beschreibt Patzelt die regionale Besonderheit.
5 Gletscher sind mehr als 40 m ( 3 davon in den Ötztaler Alpen) und weitere 5 (davon 3 in den Ötztaler Alpen) über 30 m zurückgeschmolzen.

Gletscher werden seit mehr als 115 Jahren gemessen

Das Gletschermessteam unter der Leitung von Univ.-Prof. Dr. Gernot Patzelt setzt sich zur Zeit aus 17 ehrenamtlichen "Gletscherknechten" und zahlreichen Helfern, die 19 Berichtsgebiete betreuen, zusammen. "Bereits seit 118 Jahren beobachtet der Alpenverein mit seinen Gletschermessern die Veränderungen auf Österreichs Gletschern. Damit verfügt er über die längste zusammenhängende Datenreihe, die von Jahr zu Jahr wertvoller wird", unterstreicht Patzelt die Bedeutung der Messberichte.

Eine Ära geht zu Ende

Nach 29 Berichtsjahren unter seiner Leitung übergibt Prof. Patzelt 2009 die Leitung des Gletschermessdienstes an die Meteorologin und Gletscherforscherin Andrea Fischer aus Innsbruck.

Top 10 - Rückzug

1. Schalf Ferner -49,0 m (Ötztaler Alpen) 2. Vernagt Ferner -45,2 m (Ötztaler Alpen) 3. Mutmal Ferner -43,5 m (Ötztaler Alpen) 4. Viltragen Kees -42,0 m (Venediger Gruppe) 5. Sulztal Ferner -41,5 m (Stubaier Alpen) 6. Marzell Ferner -38,6 m (Ötztaler Alpen) 7. Hintereis Ferner -37,7 m (Ötztaler Alpen) 8. Alpeiner Ferner -34,0 m (Stubaier Alpen) 9. Gepatsch Ferner -33,0 m (Ötztaler Alpen) Triebenkarlas Ferner -33,0 m (Stubaier Alpen)

Die vollständigen Ergebnisse sind nachzulesen in der Alpenvereinszeitschrift "Bergauf" 2-09.

Den Bericht gibt es als Download im Internet unter:
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