Vom Warzenbeisser, dem Italoaustriacus und dem Tauernsteinspanner

Matrei in Osttirol (TP/OTS) - Sie möchten wissen, was das ist? Die Highlights der Neufunde in der Fauna des Dösentals bei Mallnitz. Vom 1. - 2. August fand im Nationalpark Hohe Tauern der dritte Tag der Artenvielfalt statt. Über 70 Wissenschafter - Experten in 18 Fachdisziplinen - aus Österreich, Deutschland und Slowenien durchkämmten im Dösental die Höhenstufen von 1.200 bis hinauf auf 3.086 m Seehöhe und wurden vom Artenreichtum überrascht. An einem einzigen Tag konnten an die 1.800 Arten gefunden werden. Mit den Erhebungsergebnissen aus Kärnten kann schon jetzt bestätigt werden, dass im Nationalpark Hohe Tauern das komplette Spektrum der alpinen Arten nicht nur vertreten ist, sondern es ist vor allem wichtig, dass es noch gut funktionierende und selbständig überlebende Populationen gibt.

Dr. Inge Illich vom Haus der Natur in Salzburg ist fasziniert, wenn sie von ihrem Steckenpferd, den Heuschrecken spricht. "Jede Art hat ihren eigenen Gesang, wie bei den Vögeln. Heuschrecken zeigen uns an, wenn in der Natur menschliche als auch klimatische Veränderungen vorkommen. Sie reagieren äußerst sensibel und werden daher bei ökologischen Fragestellungen als Indikatoren herangezogen". Dass es ihr gelungen ist, im Dösental die Anonconotus Italoaustriacus (Nadigs Alpenschrecke) vorzufinden, ist für sie eine kleine Sensation. Diese Art wurde bisher ausschließlich im Pustertal (I), Osttirol und nur sehr vereinzelt in Kärnten nachgewiesen. "Aufgrund der Eiszeit, konnte diese Art nur in kleinen, nicht vergletscherten Gebirgsteilen überleben, hat sich perfekt an ein hochalpines Klima angepasst und konnte sich daher in wärmeren Tallagen nicht wieder ausbreiten."

Auch der Warzenbeisser konnte nachgewiesen werden. Den klingenden Namen erhielt die Langfühlerschrecke von ihrer einstigen medizinischen Verwendung. Aufgrund seiner ätzenden Verdauungssäfte ließ man früher das Tier die Warzen beißen und erhoffte sich dadurch eine heilende Wirkung. "Als ich zu Beginn meiner beruflichen Laufbahn den Warzenbeißer das erste Mal zusammen mit anderen Schrecken in einem Sammelbehälter fing, hatte ich zuhause im Labor eine böse Überraschung. Die Schrecke hat die anderen Heuschrecken einfach aufgefressen. Es waren nur mehr die Überreste der anderen Tiere und eine ziemlich fetter Warzenbeißer in meinem Behälter vorhanden", so Illich.

Ebenfalls konnte Dr. Peter Huemer, vom Tiroler Landesmuseum, einen sensationellen Fund machen. Der Tauernsteinspanner ist ein Endemit, der ausschließlich in den Hohen Tauern vorkommt. "Erst seit zwei Monaten ist diese Art überhaupt beschrieben. Dieser Tagfalter ist uns nun als die am höchsten steigende Schmetterlingsart in Österreich bekannt. Er kann bis 3.500 m Seehöhe überleben", so Huemer. "In dieser Höhenlage ist die Entwicklung und der Lebenszyklus ein Extrem. Vom Ei, zur Raupe, zur Puppe bis hin zum Falter benötigt der Tauernsteinspanner 2 - 3 Jahre", so Huemer weiter.

Bei besten Witterungsverhältnissen wurden im Rahmen der Erhebungen im Dösental verschiedenste Fachbereiche abgedeckt: Gefäßpflanzen, Flechten, Moose, Pilze, Libellen, Steinfliegen, Heuschrecken, Wanzen, Schmetterlinge, Köcherfliegen, Fliegen, Hautflügler, Käfer, Spinnentiere, Amphibien und Reptilien, Vögel und Säugetiere. In diesen Gruppen konnten insgesamt an die 1.800 Arten bestimmt werden. Die neu gewonnenen Daten werden in den nächsten Tagen noch konkreter ausgewertet. Es werden sicher noch einige Feinklassifizierungen nachgereicht. Die Datensätze werden im Biodiversitätsarchiv des Nationalparks Hohe Tauern gesammelt. "Man darf sich gerade in einem Nationalpark Antworten darauf erwarten, wie sich die Biodiversität -gerade in Zeiten globaler Veränderungen des Klimas - entwickelt. Eine umfangreiche Biodiversitätsdatenbank ist deshalb eine der wesentlichen Säulen wissenschaftlichen Gebietsmonitorings im Nationalpark", so Nationalparkdirektor von Kärnten, Mag. Peter Rupitsch.

Abschließend kann gesagt werden, dass der dritte Tag der Artenvielfalt im Nationalpark Hohe Tauern wiederum ein voller Erfolg war. Gerade in den Hohen Tauern gibt es ein Meer an Artenvielfalt, wie man sie sonst oftmals nur im Regenwald finden kann. Dieses Jahr konnte erstmals auch die Bevölkerung Einblick in die Forschung nehmen und zusammen mit Prof. Dr. Eberhard Stüber, Dir. i. R. Haus der Natur, und Dr. Gerhard Lieb, Universität Graz, das Dösental botanisch und geomorphologisch erwandern. Die Teilnehmer waren fasziniert, Forschung hautnah erleben zu können.

Im Jahr 2010 'dem internationalen Jahr der Biodiversität' wird der Tag der Artenvielfalt im Nationalpark Hohe Tauern weitergeführt. "Bis jetzt konnten wir dank der Arbeit der vielen freiwilligen Wissenschafter - welche nur gegen Kost und Logis - für uns die Daten sammeln, in drei Tälern im Nationalpark Hohe Tauern die Artenvielfalt genauer erheben. Es liegt noch viel Arbeit vor uns und ich danke allen Mitwirkenden für ihren Einsatz und ihr Engagement", so Rupitsch.

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