Gewerkschaft vida zur neuen Tourismusstrategie aus ArbeitnehmerInnensicht

Kurze Beschäftigungsdauer, wenig Lohn: Tourismus-Arbeitsmarkt 2015+, quo vadis?

Wien (TP/OTS) - Die Gewerkschaft vida begrüßt die Erarbeitung einer neuen Tourismusstrategie für Österreich, mahnt aber auch die Interessen der ArbeitnehmerInnen ein. "Die Qualität des Tourismus-Standortes Österreich ist untrennbar mit der Dienstleistungsqualität verbunden. Gemeinsam ins neue Tourismus-Jahrzehnt bedeutet daher, auch auf die Interessen der ArbeitnehmerInnen einzugehen", so vida-Vorsitzender Rudolf Kaske.

"Viele Beschäftigte kehren dem Tourismus schon nach kurzer Zeit den Rücken und wechseln in andere Berufe. Grund dafür sind das trotz Fachausbildung niedrige Einkommen, aber auch die Rahmenbedingungen wie überlange und familienfeindliche Arbeitszeiten. Die beruflichen Perspektiven und Aufstiegschancen reichen oftmals nicht aus, um qualifizierte ArbeitnehmerInnen in der Branche zu halten", kritisiert Kaske.

ArbeitnehmerInnen im Hotel- und Gastgewerbe waren 2008 im Durchschnitt nur 196 Tage beschäftigt. Das bedeutet pro MitarbeiterIn eine Beschäftigungsdauer von rund 6,5 Monaten.
Durchschnittlich verdienten Tourismus-Beschäftigte im Jahr 2008 1.532 Euro brutto monatlich (einschließlich Sonderzahlungen). Jede/r Zweite verdiente pro Monat weniger als 1.463 Euro brutto. Das Durchschnittsalter der Beschäftigten lag bei 34 Jahren.

Saisonier-Regelungen dürfen kein Arbeitskräfteverdrängungsprogramm sein

Der gebetsmühlenartig vorgebrachte Forderung der Arbeitgeberverbände nach mehr Saisonarbeitsplätzen erteilt Kaske eine deutliche Absage: "In Zeiten hoher Arbeitslosigkeit lösen wir durch die Hereinnahme weiterer ausländischer ArbeitnehmerInnen keine Probleme, sondern starten ein unnötiges Arbeitskräfteverdrängungsprogramm."

Im Oktober 2009 waren 44.155 Menschen aus dem Tourismusbereich ohne Job, das sind um 8,5 Prozent mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Die Sozialpartnerschaft habe diesem Status-quo Rechnung getragen und für die Wintersaison eine Reduktion des Saisonier-Kontingents um 15 Prozent beschlossen. "Unser gemeinsames Ziel muss sein, dafür zu sorgen, dass die in- und ausländischen ArbeitnehmerInnen, die bereits am heimischen Arbeitsmarkt tätig sind, auch künftig halbwegs sichere Arbeitsplätze haben", so Kaske.

Abschaffung von All-In-Verträgen, faires Einkommen für die Beschäftigten

Der Tourismus ist von der Lohn- und Gehaltsstruktur im unteren Drittel der Einkommen angesiedelt. "All-Inklusive-Klauseln in den Arbeitsverträgen zwingen die Beschäftigten, 10 Stunden und mehr pro Tag zu arbeiten, ohne dafür einen zustehenden Ausgleich zu bekommen", weiß der vida-Vorsitzende. Die Gewerkschaft vida fordert daher die Abschaffung von All-In-Verträgen im Tourismus und ein faires Einkommen, um working-poor zu vermeiden.

In vielen Betrieben ortet die Gewerkschaft vida einen alarmierenden Trend: Ausgebildetes Fachpersonal wird aus Kostengründen gegen unqualifizierte ArbeitnehmerInnen ausgetauscht. Dieser Trend geht natürlich auch zu Lasten des Qualitätstourismus. Sich an einem Lohndumpingwettbewerb zu beteiligen, dürfe weder der Weg noch das Ziel sein.

Konzessionsprüfung wiedereinführen, mehr Kontrollen in den Betrieben

Durch die Änderung der Gewerbeordnung sind immer mehr Arbeitgeber im Gastgewerbe vertreten, die den Beruf nicht gelernt haben. "Daraus ergeben sich sowohl betriebswirtschaftlich wie auch in der Lehrausbildung große Mängel", berichtet Robert Maggale, Sekretär der vida-Bundesfachgruppe Tourismus aus der Praxis. Die Gewerkschaft vida fordert in diesem Zusammenhang die Wiedereinführung der Konzessionsprüfung, um die Qualität in der Betriebsführung zu fördern.

Vor allem im Bereich der Berufsausbildung braucht es eine Regelung, die garantiert, dass nur solche Betriebe die Berechtigung zur Lehrausbildung erhalten, die auch qualifizierte FacharbeiterInnen beschäftigen. Die Internatskosten für Lehrlinge sollten branchenübergreifend vom Arbeitgeber getragen werden. Die Gewerkschaft vida fordert weiters verbesserte und vermehrte Arbeitszeitkontrollen, mehr Kontrollen in Hinblick auf illegale Beschäftigung sowie eine Erhöhung der Strafrahmen bei Übertretungen.

Zu wenig alternsgerechte Arbeitsplätze und fehlende Perspektiven

Abgesehen von einigen wenigen Traditionsbetrieben sieht man kaum ältere ArbeitnehmerInnen im Tourismus. Schon ab 40 Jahren aufwärts sinkt die Beschäftigung im Tourismus rapide ab. Grund dafür ist aus Sicht der Gewerkschaft vida vor allem die geringe Bereitschaft der Arbeitgeber, alternsgerechte Arbeitsplätze zu schaffen. Die fehlenden Perspektiven sind ein Problem, wie auch der Mangel an planbaren Familien- und Freizeitaktivitäten.

Angesichts der sich immer stärker verändernden Bevölkerungsstruktur müssen die Tourismusbetriebe jedoch schleunigst Maßnahmen ergreifen: "Durch den Einsatz technischer Hilfsmittel und Änderungen in der Arbeitsorganisation ließen sich viele Tourismusjobs alternsgerecht gestalten", meint Rudolf Komaromy, Vorsitzender der vida-Bundesfachgruppe Tourismus.

Traumjobs im Tourismus durch Verbesserung der Rahmenbedingungen

"Der Tourismus könnte durchaus Traumjobs bieten, doch die Einkommens- und Arbeitsbedingungen in der Branche sind noch dringend verbesserungswürdig. Sonst wird aus einem Traumjob schnell ein Alptraum", so Kaske. Qualifizierung, bessere Einkommensbedingungen und oft auch schlicht nur die Einhaltung der bestehenden arbeitsrechtlichen Vorschriften seien nötig, damit die Branche attraktiver werde. Hier gelte es für die Wirtschaft anzusetzen und gemeinsam mit der Gewerkschaft für Verbesserungen zu sorgen.

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