Der Erschließungsdruck steigt

Alpenverein richtet Forderungen an die Politik

Innsbruck (TP/OTS) - Die Hemmschwelle zur Planung und Genehmigung von Projekten in sensiblen Hochgebirgsräumen ist im nunmehr auslaufenden Jahr 2009 weiter gesunken. Österreichweit geht der Trend ganz eindeutig zur Errichtung von Seilbahnen und schitechnischen Einrichtungen in Schutzgebieten, in höchstrangigen Naturräumen und in Qualitätsräumen für den naturraumorientierten Tourismus. Der Oesterreichische Alpenverein warnt vor der weiteren Zerstörung wichtiger alpiner Landschafts- und Erholungsraumressourcen. Damit das charakteristische Alpine Landschaftsbild nicht noch weiter entwertet wird, wird der OeAV alle zur Verfügung stehenden Mittel zur Erhaltung ausschöpfen.

Beispiele für bedrohte Gebiete

Die geplante Durchschneidung des Naturschutzgebietes Warscheneck in Oberösterreich mit einer Seilbahn, die projektierte Stollenbahn durch die Kernzone des Nationalparks Hohe Tauern von Sportgastein zum Schareck, das Pendelbahnprojekt im Ruhegebiet "Kalkkögel", das Schischaukelprojekt Sillian-Sexten am Karnischen Kamm und die seit knapp 30 Jahren immer weiter vorangetriebene Erschließung des schweizerisch-österreichischen Grenzberges Piz Val Gronda in Ischgl sind nur einige Alarmzeichen für diese Entwicklung.

Alpenverein gegen Piz Val Gronda-Erschließung

Der Oesterreichische Alpenverein lehnt die geplante Erschließung des Vesiltales und des Piz Val Gronda kategorisch ab. Die einzigartige Gesamtschau der botanischen, geomorphologischen, raumordnerischen und bergsportlichen Befunde unterstreicht die besondere Schutzwürdigkeit dieses Gebietes. "Es kann nicht sein, dass das Vorhandensein von drei Steinhühnern über Zerstörung oder Erhaltung eines Gebietes entscheiden soll", betont Präsident Dr. Christian Wadsack. Der OeAV fordert die rasche Unterschutzstellung des Gebietes.

Ruhegebiet "Kalkkögel" darf nicht geopfert werden

"Das Ruhegebiet, das im Jahre 1983 von der Tiroler Landesregierung eingerichtet worden ist und jegliche Errichtung von Seilbahnen und Schipisten ausnahmslos ausschließt, muss auch in Zukunft erschließungsfrei bleiben", fordert der Leiter der Abteilung Raumplanung/Naturschutz des OeAV, Peter Haßlacher. Landschaften, die wie die Kalkkögel im Sommer als besonders herzeigbare Naturmonumente der Österreich Werbung quer durch alle Medien veröffentlicht werden, müssen auf Dauer erhalten bleiben.

Schischaukelprojekt "Sexten-Sillian" wäre ein massiver Eingriff

Dieses Projekt würde bei einer Realisierung den westlichen Einstiegsbereich zum Karnischen Höhenweg, der Teil des unter der Patronanz der Alpenkonvention stehenden Weitwanderweges "Via Alpina" von Triest bis Monaco ist, sowie das unmittelbare Umfeld der Sillianer Hütte massiv beeinflussen. Der OeAV lehnt diese Erschließung aufgrund des erheblichen Eingriffs in Natur und Erholungsraum ab.

Forderungen an die Tiroler Landespolitik 2010

Der Oesterreichische Alpenverein wird sich im kommenden Jahr 2010 sowohl mit der konsequenten Bearbeitung der Einzelfallbeispiele als auch mit den erforderlichen Rahmenbedingungen für eine ausbalancierte Alpine Raumordnung befassen:

1) Schutzgebiete dürfen weder mit schitechnischen Infrastrukturen erschlossen noch dafür verkleinert bzw. aufgehoben werden.

2) Hochwertige Landschaftsräume dürfen nicht angetastet werden. Der Erhaltung des unbeeinträchtigten Landschaftsbildes ist wieder ein höherer Stellenwert beizumessen.

3) Die für 2010 vorgesehene Evaluierung des "Tiroler Raumordnungsprogrammes betreffend Seilbahnen und schitechnische Erschließungen 2005" darf auf keinen Fall zu einer Aushöhlung und Entschärfung führen. Der Oesterreichische Alpenverein ist in die vorgesehenen Verhandlungen einzubeziehen.

4) Weite Bereiche, die derzeit vor allem für einen naturraumorientierten Tourismus erfolgreich entwickelt und vermarktet werden, unterliegen derzeit keinem gesonderten Schutzstatus. Sie bergen jedoch die Grundlage für eine saisonal ausgewogene Tourismusentwicklung und die verstärkte Positionierung des Alpenraumes auch für den Sommergast. Die Forcierung eines naturraumorientierten (Sommer-)Tourismus ist Kern einer Anpassungsstrategie, die den prognostizierten Veränderungen des Klimas (Ansteigen der Schneegrenze) und den Trends für einen Individualurlaub mit gelenkten Wildniserlebnissen und Rückzugsmöglichkeiten Rechnung trägt. Dafür gilt es, die Basis einer "intakten und attraktiven Landschaft" langfristig zu erhalten.

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