Rückzugsgefecht der Gletscher geht weiter

Gletscherbericht des Alpenvereins 2008/2009

Innsbruck (TP/OTS) - Im Berichtsjahr 2008/09 blieben die Gletscher lange unter einer schützenden Schneeschicht vor den überdurchschnittlich hohen Sommertemperaturen verschont. Die Gletscher lagen nur kurze Zeit völlig blank. Somit haben sich die Längenverluste in Grenzen gehalten und entsprechen dem Mittel der letzten 10 Jahre.

Das führte dazu, dass von den 93 beobachteten Gletschern 85 zurückgeschmolzen sind, sieben als stationär eingestuft werden können und ein Gletscher vorgestoßen ist. Der mittlere Längenverlust beträgt dennoch 14,4 m. Am meisten zugesetzt hat das letzte Jahr dem Niederjochferner (Ötztal). Er schrumpfte um 46 m!

Fließgeschwindigkeiten nehmen ab

Die Mittelwerte der Temperatur lagen auch vergangenes Jahr über dem langjährigen Durchschnitt. Der Winter war um 0,2 GradC wärmer als der Durchschnitt, der Sommer um 2,1 GradC.

"Auch heuer zerfallen die Zungen der großen Talgletscher stark, es fehlt der Eisnachschub und in Kombination mit hohen Sommertemperaturen führt das zu einem starken Rückgang der Gletscherzungen", sagt die Leiterin des Alpenverein-Gletschermessdienstes Andrea Fischer.

Ein Gletschervorstoß wäre cool

Derzeit sind im Messnetz der Gletschermesser 96 Gletscher verzeichnet. 88 konnten nachgemessen werden, von drei Gletschern gibt es eine Fotodokumentation, zwei Gletscher waren schneebedeckt und nur drei konnten nicht besucht werden. 91 % der Gletscher sind zurückgeschmolzen, 8 % blieben stationär und 1% weist einen geringen Vorstoßbetrag auf.

"Ich wünsche mir in den nächsten Jahrzehnten einen größeren Gletschervorstoß, wie es ihn zuletzt in den 1980er Jahren gegeben hat", kommentiert Fischer das ernüchternde Ergebnis.

Zehn Gletscher schrumpften um mehr als 30 m

Die mittlere Längenänderung von -14,4 m entspricht dem Mittelwert der letzten zehn Jahre. Rekordhalter im Jahr 2009 ist der Niederjochferner (Ötztaler Alpen), bei dem ein Rückzugsbetrag von 46 m ermittelt wurde. Auf den Plätzen zwei und drei folgen der Kesselwandferner, -44,4 m) und der Marzellferner (alle Ötztaler Alpen, -42,3 m). "Es fällt auf, dass sich die großen Längenverluste bei den Ötztaler Gletschern häufen", beschreibt Fischer die regionale Besonderheit.

3 Gletscher sind mehr als 40 m (alle in den Ötztaler Alpen) und weitere 7 (davon 3 in den Ötztaler Alpen) über 30 m zurückgeschmolzen.

Gletscher werden seit mehr als 115 Jahren gemessen

Das Gletschermessteam steht nunmehr unter der Leitung von Dr. Andrea Fischer, tätig am Institut für Meteorologie und Geophysik der Universität Innsbruck. Sie folgt Univ.-Prof. Dr. Gernot Patzelt nach 29 Jahren ehrenamtlicher Tätigkeit nach.

Zurzeit arbeiten 20 ehrenamtliche "Gletscherknechte" und zahlreiche Helfer, die 19 Berichtsgebiete betreuen, am Zustandekommen des Gletscherberichts mit. "Bereits seit 119 Jahren beobachtet der Alpenverein mit seinen Gletschermessern die Veränderungen auf Österreichs Gletschern. Damit verfügt er über die längste zusammenhängende Datenreihe, die von Jahr zu Jahr wertvoller wird", unterstreicht Alpenvereinsvizepräsident Dr. Ermacora die Bedeutung der Messberichte.

Top 10 - Rückzug

1. Niederjoch Ferner -46,0 m (Ötztaler Alpen) 2. Kesselwand Ferner -44,4 m (Ötztaler Alpen) 3. Marzell Ferner -42,3 m (Ötztaler Alpen) 4. Viltragen Kees -39,3 m (Venediger Gruppe) 5. Triebenkarlas Ferner -38,3 m (Stubaier Alpen) 6. Hintereis Ferner -35,7 m (Ötztaler Alpen) 7. Diem Ferner -35,6 m (Ötztaler Alpen) 8. Waxegg Kees -34,0 m (Zillertaler Alpen) 9. Gepatsch Ferner -32,3 m (Ötztaler Alpen) 10. Sulztal Ferner -30,5 m (Stubaier Alpen)

Die vollständigen Ergebnisse sind nachzulesen in der Alpenvereinszeitschrift "Bergauf" 2-10.

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