Ausbaustopp gefordert - Alpenvereine für ein endgültiges Nein zur Erschließung des Piz Val Gronda

Innsbruck (TP/OTS) - Interessenkonflikt seit 30 Jahren

Vor mehr als 30 Jahren wurden die ersten Pläne für die Erschließung des Piz Val Gronda publik. Seither setzen sich DAV und OeAV gegen die schitechnische Erschließung des Piz Val Gronda samt Vesiltal ein. Bereits im Jahre 1983 folgte der Aufruf zu einem "grenzüberschreitenden Ruhegebiet", das in der Gebirgsgruppe der Silvretta Raum für den sanften Alpintourismus sichern sollte. 1988 wurde die "Silvretta Allianz" gegründet, um eine größere öffentliche Wirkung für die Bemühungen um den Schutz des Piz Val Gronda und des Tourengebietes rund um die Heidelberger Hütte zu erzielen.

Seit nunmehr 30 Jahren bemühen sich die Alpenvereine um eine Alpine Raumordnung mit Augenmaß im intensiv genutzten Raum von Ischgl. Zur Genehmigung des Projekts wurden in diesem Zeitraum zahlreiche Anläufe und Anträge um Bewilligung seitens der Silvretta Seilbahn AG gestellt. Im Jahre 2001 lehnte die Behörde den Antrag auf Bewilligung der 4 KSB Vesil aufgrund des geringen öffentlichen Interesses und der Höherbewertung der Interessen des Tiroler Naturschutzgesetzes schon einmal ab. In den Seilbahngrundsätzen des Landes Tirol 1992, 1996 und 2000 fand das Projekt keinen Platz. Im Jänner 2005 trat das Tiroler Raumordnungsprogramm für Seilbahnen und schitechnische Erschließung in Kraft.

Neuerlicher Anlauf der Silvretta Seilbahn AG 2007

Am 7. Mai 2007 stellte die Silvretta Seilbahn AG schließlich einen neuen Projektantrag auf Erteilung der naturschutzrechtlichen Genehmigung für das Vorhaben "Pendelbahn Vesil inkl. Schipiste 2007" bis zum Gipfel des Piz Val Gronda.

In der öffentlichen Debatte wurde der Interessenkonflikt zuletzt auf den Lebensraum einiger europarechtlich streng geschützter Steinhühner reduziert. Der Silvretta Seilbahn AG wurde seitens der Behörde Fristerstreckung bis 31. August 2010 gewährt, um zu dieser ornithologischen Fachfrage Stellung zu beziehen.

Klares NEIN von DAV und OeAV

Der Deutsche Alpenverein als in diesem Gebiet Arbeitsgebiet und eine Schutzhütte besitzender Verein und der Oesterreichische Alpenverein lehnen jede weitere Erschließung im Raum südlich der bestehenden Gampenbahn in Richtung österreichisch-schweizerische Grenze und Fimbatal aus einer umfassenden Perspektive und Beurteilung heraus ab:
- Die Ostseite des Fimbatales gehört zu den an seltenen Pflanzen reichsten Gebieten der österreichischen Alpen.
- Nach den bereits erfolgten Zerstörungen durch den Bau von großräumigen Schigebieten zwischen Idalpe und Palinkopf bilden der Piz Val Gronda samt seinen Kämmen und Hängen sowie das Tal des Vesilbaches den zwar schon stark eingeengten, aber doch ungestört erhaltenen Kern dieses einzigartigen und aus naturschutzfachlicher Sicht äußerst schützenswerten Gebietes. - Das geplante Vorhaben wird nach heutigem Stand des Wissens zum österreichweiten Aussterben einer in Tirol gänzlich geschützten Pflanzenart führen. Dieser Umstand widerspricht eindeutig den Verboten der Tiroler Naturschutzverordnung.
- Das Zusammentreffen von geologischen (Schuppenzone mit viel Gips) und geomorphologischen Besonderheiten (durch Gipslaugung bedingte Einsturztrichter, periglaziale Erscheinungsformen einschließlich Permafrost, verschiedene Formen von Massenbewegungen) ist in dieser Form nur am Nordwestrand des Unterengadiner Fensters anzutreffen und damit einzigartig in den Ostalpen.
- Vor allem der Gipfelbereich des Piz Val Gronda, das Grastal sowie der Bereich Rumsla Egg sind aufgrund der Gipslaugung sowie der verbreiteten Massenbewegungen als instabil (labil) einzustufen. Im Gipfelbereich des Piz Val Gronda ist außerdem mit Permafrost zu rechnen.
- Die klimatischen Bedingungen der nächsten Jahrzehnte werden den Standort Ischgl im Vergleich zu anderen Wintersport-Destinationen eher stärken, sodass Erfolg und weitere Entwicklung nicht in der räumlichen Expansion in eine neue Geländekammer liegen müssen. - Mit der Erschließung des Vesiltales und des Piz Val Gronda würde aus raumordnungsfachlicher Sicht ein großräumiges Gelände für den Wintersporttourismus geöffnet, von Variantenfahrern mit Sicherheit intensiv genutzt und in absehbarer Zukunft schitechnisch weiter erschlossen.
- Für den Schitourenstützpunkt Heidelberger Hütte des DAV sind der Piz Val Gronda und das ihn umgebende Gelände von großer Bedeutung. Dieser soll für die SchitourengeherInnen weiter erhalten bleiben.

Alpine Raumordnung mit Augenmaß gefordert

Das in Österreich in Gesetzesrang stehende Durchführungsprotokoll "Tourismus" der Alpenkonvention sieht vor, "dass in den Gebieten mit starker touristischer Nutzung ein ausgewogenes Verhältnis zwischen intensiven und extensiven Tourismusformen angestrebt wird".

Die Ischgler Silvretta Skiarena ist das sechstgrößte Tiroler Schigebiet und weist die zweitmeisten Übernachtungen aller Tiroler Gemeinden im Winterhalbjahr auf. Umgekehrt weist der Bezirk Landeck den geringsten Schutzgebietsanteil aller Tiroler Bezirke auf (2,8 %). Es ist daher längst an der Zeit, für die Silvretta Skiarena klare Endausbaugrenzen für die schitouristische Expansion zu ziehen und eine derart schutzwürdige Naturoase in die Reihe der hochkarätigen Schutzgebiete aufzunehmen.

Umfangreiche wissenschaftliche Dokumentation liegt vor

Zur Dokumentation dieser einzigartigen Naturoase rund um den Piz Val Gronda hat der OeAV in seiner Publikationsreihe "Alpine Raumordnung" Nr. 35 die Befunde von ExpertInnen der Universität Wien und Universität Innsbruck veröffentlicht (Auflage 8.000 Exemplare).

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Rückfragen & Kontakt:

Peter Haßlacher
OeAV-Fachabteilung Raumplanung/Naturschutz
0664/8556427
peter.hasslacher@alpenverein.at

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