vida-Kaske: "Branchenflucht wird anhalten, wenn sich Arbeitsbedingungen nicht ändern"

Tourismus-Arbeitsmarkt 2009: Kurze Beschäftigungsdauer, wenig Lohn

Wien (TP/OTS/ÖGB) - =

"Angesichts der aktuellen Daten ist es kaum
verwunderlich, dass viele Beschäftigte dem Tourismus schon nach kurzer Zeit den Rücken kehren und in andere Berufe wechseln", meint vida-Vorsitzender Rudolf Kaske bei der heutigen Pressekonferenz zur Situation der ArbeitnehmerInnen im Tourismus. Er kritisiert die Rahmenbedingungen wie überlange und familienfeindliche Arbeitszeiten oder mangelnde Aufstiegschancen.

Die Beschäftigungsdauer im Tourismus ist unverändert niedrig, das Einkommen trotz Fachausbildung im Branchenvergleich gering und die Zukunftsperspektiven sind schlecht. ArbeitnehmerInnen im Hotel- und Gastgewerbe waren 2009 im Durchschnitt nur 196 Tage beschäftigt. Das bedeutet pro MitarbeiterIn eine Beschäftigungsdauer von rund 6,5 Monaten. Durchschnittlich verdienten Tourismus-Beschäftigte im Jahr 2009 1.550 Euro brutto monatlich (einschließlich Sonderzahlungen). Jede/r Zweite verdiente pro Monat weniger als 1.481 Euro brutto.

Kaske: "Tourismus hat das Krisenjahr 2009 besser bewältigt als vorausgesagt"

Die Beschäftigung in der Branche ist im Jahresdurchschnitt 2009 auf 178.722 Personen gesunken. Das bedeutet ein Minus von 1,3 Prozent. "Der Tourismus hat das Krisenjahr 2009 aber sicherlich besser bewältigt, als viele es vorausgesagt haben - vor allem im Vergleich mit anderen Wirtschaftszweigen", resümiert Kaske. Die andere Seite der Medaille sei jedoch die Arbeitslosigkeit, die im Jahresvergleich um 13,2 Prozent zugenommen habe (+ 3.804). Insgesamt gab es im Jahr 2009 32.569 vorgemerkte Arbeitslose im Fremdenverkehrsbereich. Die rückläufige Tendenz hat sich im Krisenjahr also wieder umgekehrt.

"Ob die Krise überwunden ist, werden die nächsten Monate zeigen. Das hängt vor allem von der wirtschaftlichen Entwicklung unserer Hauptherkunftsmärkte ab", meint Kaske. Die aktuellen Septemberzahlen deuten jedoch bereits auf eine erfreuliche Entwicklung hin. Die Gewerkschaft vida zeigt sich optimistisch: "Bekanntlich geht es nach jeder Talfahrt wieder bergauf", so Kaske.

vida fordert rasche Umsetzung des Antisozialdumping-Gesetzes

In Hinblick auf die Ostöffnung im Mai 2011 hält die Gewerkschaft vida fest, dass der Arbeitsmarkt aufgrund von Saisonier-, Fachkräfte-und Grenzgängerabkommen bereits weit geöffnet ist. Rund 30 Prozent aller ArbeitnehmerInnen im Tourismus kommen derzeit aus dem Ausland.

"Am wichtigsten ist aus unserer Sicht, dass in- und ausländische ArbeitnehmerInnen, die bereits am heimischen Tourismus-Arbeitsmarkt beschäftigt sind, auch weiterhin einen halbwegs sicheren Arbeitsplatz haben und in Beschäftigung gehalten werden", so Kaske. Weiters sollten potentielle ArbeitnehmerInnen in erster Linie aus den EU-25-Staaten für die Branche angeworben und Regelungen für langjährige Fachkräfte aus Drittstaaten geschaffen werden. Damit bei der Öffnung des Arbeitsmarktes für ArbeitnehmerInnen aus den neuen EU-Ländern der Lohndruck durch schwarze Schafe unter den UnternehmerInnen Einhalt geboten wird, sei zudem die rasche Umsetzung des Antilohn- und Antisozialdumping-Gesetzes nötig.

Als Tourismusland ist Österreich für seine Qualität international bekannt. Diesem hohen Maß an Qualität ist es zu verdanken, dass sich der Tourismus auch in Krisenzeiten als Fels in der Brandung bewährt hat. "Das Lohnniveau im Tourismus entwickelt sich nur mäßig. Die Branchenflucht wird anhalten, wenn sich die Lohn- und Arbeitsbedingungen nicht ändern", warnt Kaske. Um im österreichischen Tourismus diese Qualität und die internationale Konkurrenzfähigkeit zu erhalten oder sogar zu verbessern, müssten die Betriebe auf die Ausbildung und Qualifizierung der Beschäftigten setzen sowie attraktivere Arbeitsbedingungen bieten.

Sozial Schwächeren einen leistbaren Urlaub ermöglichen

Um zum einen die Jahresbeschäftigung anzukurbeln und zum anderen sozial Schwächeren in unserer Gesellschaft einen leistbaren Urlaub zu ermöglichen, schlägt Rudolf Komaromy, Vorsitzender der vida-Bundesfachgruppe Tourismus, einen geförderten Sozialtourismus vor: "In diesem Bereich gibt es europaweit bereits Modelle, die sich bewährt haben. Der geförderte Sozialtourismus kommt nicht nur sozial schwachen Familien zu Gute, die sich sonst keinen Urlaub leisten könnten, sondern durch die Mehrauslastung genauso den Betrieben, den Beschäftigten und der gesamten Region."

ÖGB, 28. Oktober 2010

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