Naturschutzpolitik außer Rand und Band

Alpenverein wehrt sich gegen maßlose Erschließungspläne

Innsbruck (TP/OTS) - Der Alpenraum ist das am dichtesten erschlossene und intensivst genutzte Gebirge der Welt. Die Bemühungen um seinen Schutz und um die Verankerung nachhaltiger Entwicklungsstrategien sind zahllos. Selbst die in zehnjährigen Verhandlungen und im Jahre 2002 in Österreich in Kraft getretenen Durchführungsprotokolle der Alpenkonvention können die gegenseitige Aufschaukelung der Regionen mit immer neuen Großprojekten mit Seilbahnen, Schipisten, Wasserkraftwerken, Straßen, usw. nicht stoppen. Die Nicht-Ratifizierung der Protokolle in der Schweiz und in Italien führt deshalb in Österreich zur Debatte um Standortschwächung und Wettbewerbsverzerrung.

Selbst Schutzgebiete werden bei Planungen nicht ausgespart
Die Absicht, vor langer Zeit geplante und neue Projekte realisieren zu können, lässt die Betreiber zu neuen Strategien greifen:
Verwässerung des UVP-Gesetzes, Wiedereinführung des bevorzugten Wasserbaus, öffentliche Attacken auf Landesumweltanwälte, usw.. Die Ursachen dafür sind vielfältig: beinharter Wettbewerb, abnehmende Schifahrerzahlen, gegenseitige Aufschaukelung, der Druck der Bauindustrie.

Der Oesterreichische Alpenverein sieht sich nunmehr mit einer neuen Welle der alpinen Erschließung konfrontiert. Die Palette reicht von herkömmlichen harten Erschließungsprojekten bis zur wachsenden Zahl von Mahnmalen und technischen Inszenierungen bis hinauf auf höchste Bergspitzen. Als dramatisch sieht der Oesterreichische Alpenverein insbesondere den verstärkten Trend an, verschiedene Vorhaben in streng geschützten Schutzgebieten, hochsensiblen Naturjuwelen und alpintouristisch höchst attraktiven Szenerien umzusetzen.

Eine Auswahl der Erschließungswünsche

- In Oberösterreich wird derzeit ganz aktuell am Projekt eines riesigen Schigebietszusammenschlusses zwischen den bestehenden Schigebieten Hinterstoder/Hutterer Höss und Wurzeralm/Spital am Pyhrn gearbeitet. Der Gebietsverbund soll über den Kalk- und Karstgebirgsstock des Warscheneck erfolgen. Dieses Areal wurde erst im Jahre 2008 von der Oberösterreichischen Landesregierung zum Naturschutzgebiet erklärt.

- Intensiv wird im Land Salzburg an Lösungen zur Errichtung einer Zubringer-Stollenbahn von Sportgastein durch die Kernzone des Nationalparks Hohe Tauern-Salzburg zum Schareck/Obermölltaler Gletscherschigebiet gearbeitet.

- In Tirol drängen die Anrainergemeinden des Stubaitales und Inntales/westliches Mittelgebirge auf den Zusammenschluss der Schigebiete Axamer Lizum und Schlick über die Kalkkögel. Das Gebiet der Kalkkögel wurde im Jahre 1983 von der Tiroler Landesregierung zum Ruhegebiet erklärt, in welchem u.a. die Errichtung von Seilbahnen ausnahmslos verboten ist.
Neuer Trick: Die Schutzgebiete sollen aufgehoben werden, um sie anschließend unter Herausnahme des für die Erschließungen benötigten Geländes neu zu verordnen!

- In Ischgl/Tirol kämpft der OeAV mit der Silvretta Allianz seit knapp 30 Jahren gegen die schitechnische Erschließung des Vesiltales/Piz Val Gronda in der Nähe der Heidelberger Hütte. Eine Erschließung widerspricht aufgrund der betroffenen prioritären Lebensräume und der herausragenden floristischen, geologischen und geomorphologischen Extravaganz den Bestimmungen des Tiroler Naturschutzgesetzes.

- Am Obernberger See im seit 1984 bestehenden Landschaftsschutzgebiet "Nößlachjoch-Obernberger See-Tribulaune" soll ein Hotelkomplex in Form eines Natur-Refugiums entstehen.

- Ein Beispiel für viele, wie heute unberührte Natur und herrliches Landschaftsbild für neue Projekte und Inszenierungen in geschützten Räumen herhalten soll.

Gleichzeitig laufen die ersten Genehmigungsverfahren für die Errichtung von Windparks im Kammverlauf (32 große Windräder) an der österreichisch-italienischen Staatsgrenze. Von 3/4 der Fläche des Landschaftsschutzgebietes wären die Windräder einsehbar! Die bekannten Wanderweginfrastrukturen können aufgrund der Überbauung vergessen werden.

- Der Karnische Kamm mit dem bekannten Karnischen Höhenweg und der Via Alpina-Trasse soll in unmittelbarer Nähe zur Sillianer Hütte der OeAV-Sektion Sillian durch das Schischaukelprojekt Sexten-Sillian bzw. im Bereich Dellach/Gailtal durch eine 220 kV-Leitung gequert werden.

Alpenverein wird sich mit allen Mitteln wehren

Der Oesterreichische Alpenverein nimmt in einzelnen Großverfahren seine Parteistellung als anerkannte Umweltorganisation wahr. Zudem hat der Oesterreichische Alpenverein wegen vermuteter Nicht-Einhaltung von UVP-Vorschriften Beschwerde bei der Europäischen Kommission erhoben.

Der Oesterreichische Alpenverein wehrt sich mit fundierter Grundlagenarbeit, politischen Vorsprachen, Unterschriftenaktionen und Medienarbeit zusammen mit den betroffenen Sektionen (Schutzhütten/Arbeitsgebiete) gegen den drohenden Bauschub im Gebirge. Mangels unkoordinierter Raumordnungspläne und -programme besteht die Gefahr, dass sich die alpinen Talschaften aufgrund der sich ständig mehrenden Nutzungsansprüche zu "alpinen Allerweltslandschaften" entwickeln. Vielen wird so die Basis für einen landschaftsorientierten Alpentourismus entzogen.

Alpenverein fordert mehr Respekt vor der Natur

Der Oesterreichische Alpenverein verlangt zur Gegensteuerung die nahtlose Anwendung nationaler und internationaler Gesetze, Vorschriften und Abkommen, die Stärkung des öffentlichen Interesses für den Naturschutz, die Umsetzung der Alpenkonvention zur Stärkung extensiver, naturnaher Tourismusformen und den gebührenden Respekt vor Schutzgebieten und wertvoller Natur. Intern rüstet sich der Oesterreichische Alpenverein mit einer verstärkten Naturschutzreferentenausbildung im Rahmen der Alpenvereinsakademie.

Rückfragen & Kontakt:

Peter Haßlacher
peter.hasslacher@alpenverein.at
Tel.: +43 (0)664 8556427

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