Gletscher ziehen sich weiter zurück

Gletscherbericht des Alpenvereins 2009/2010

Innsbruck (TP/OTS) - Der Sommer 2010 wurde von vielen als durchwachsen empfunden. Trotzdem war er deutlich wärmer als das langjährige Mittel. Die Längenverluste der Gletscher entsprechen dem Mittel der letzten 10 Jahre. Das ist zusammengefasst das Ergebnis der 20 Einzelberichte der Gletschermesser des Alpenvereins.

Letztes Jahr konnten 89 von 94 Gletschern im Messprogramm nachgemessen werden. 82 Gletscher sind zurückgeschmolzen, sieben als können stationär eingestuft werden und kein einziger ist Gletscher vorgestoßen. Der mittlere Längenverlust beträgt dennoch 14,1 m. Der größte Rückzugsbetrag wurde beim Wasserfallwinkel Kees (Glockner Gruppe) gemessen. Dessen Zunge ging um 71,7 m zurück!

Zu hohe Temperaturen setzten den Gletschern zu

"Der Winter brachte nur durchschnittliche Niederschläge und die Wintertemperaturen lagen 0,6 GradC über dem langjährigen Mittel. Und im Sommer waren die Temperaturen ebenfalls überdurchschnittlich und so ist es nicht verwunderlich, dass die Gletscher weiter zurückgehen", erklärt die Leiterin des Alpenverein-Gletschermessdienstes Andrea Fischer die Gründe für den anhaltenden Trend.

Die Zungen großer Talgletscher zerfallen wegen dem fehlenden Eisnachschub und der zu hohen Sommertemperaturen besonders stark. Das führt zu außergewöhnlich großen Rückzugsbeträgen.

Einige Gletscher können nicht mehr gemessen werden

Derzeit sind im Messnetz der Gletschermesser 94 Gletscher verzeichnet. 89 konnten nachgemessen werden. Zwei Gletscher (Kleinelend Kees u. Prägrat Kees - Granatspitzgruppe) wurden aus dem Messprogramm gestrichen, da aufgrund des Gletscherrückgangs keine aussagekräftigen Aussagen mehr möglich sind.

"Wegen der enormen Rückzugsbeträge gestaltet sich die Arbeit der "Gletscherknechte" immer schwieriger. Um den Gletschern weiterhin den Puls fühlen zu können, mussten einige Messmarken neu angelegt werden und dafür gebührt den Gletschermessern Dank und Anerkennung", hebt Fischer die Leistungen der ehrenamtlichen Gletschermesser heraus.

Acht Gletscher schrumpften um mehr als 30 m

Die mittlere Längenänderung von -14,1 m entspricht dem Mittelwert der letzten zehn Jahre. Rekordhalter im Jahr 2010 ist das Wasserfallwinkel Kees (Glockner Gruppe), bei dem ein Rückzugsbetrag von 71,7 m ermittelt wurde. Auf den Plätzen zwei und drei folgen das Obersulzbachkees (Venediger Gruppe) mit -61,8 m und der Vernagt Ferner (Ötztaler Alpen) mit -58,4 m.

Drei Gletscher sind mehr als 50 m und weitere Fünf über 30 m zurückgeschmolzen. Sieben Gletscher aus den "Top 10" liegen in den Ötztaler Alpen.

"So spannend und imposant die Änderungen unserer Gletscher auch anzusehen sind, kann aus den Extremwerten der Rückgänge nicht abgeleitet werden, dass die Existenz unserer Gletscher bald der Vergangenheit angehört", relativiert Fischer so manches Katastrophenszenario.

Gletscher werden seit 120 Jahren gemessen

Das Gletschermessteam steht unter der Leitung von Dr. Andrea Fischer, tätig am Institut für Meteorologie und Geophysik der Universität Innsbruck und am Institut für Gebirgsforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Zurzeit arbeiten 22 ehrenamtliche "Gletscherknechte" und zahlreiche Helfer am Zustandekommen des Gletscherberichts mit. "Bereits seit 120 Jahren beobachtet der Alpenverein mit seinen Gletschermessern die Veränderungen auf Österreichs Gletschern. Damit verfügt er über die längste zusammenhängende Datenreihe, die von Jahr zu Jahr wertvoller wird", unterstreicht Alpenvereinsvizepräsident Dr. Oskar Wörz die Bedeutung der Messberichte.

Top 10 - Rückzug 1. Wasserfallwinkel K. (Glockner Gruppe) -71,7 m 2. Obersulzbachkees (Venediger Gruppe) -61,8 m 3. Vernagtferner (Ötztaler Alpen) -58,4 m 4. Gepatschferner (Ötztaler Alpen) -39,6 m 5. Viltragenkees (Ötztaler Alpen) -39,5 m 6. Hintereisferner (Ötztaler Alpen) -37,4 m 7. Kesselwandferner (Ötztaler Alpen) -34,9 m 8. Niederjochferner (Ötztaler Alpen) -30,8 m 9. Guslaferner (Ötztaler Alpen) -29,8 m 10. Untersulzbachkees( Venediger Gruppe) -26,8 m

Die vollständigen Ergebnisse sind nachzulesen in der Alpenvereinszeitschrift "Bergauf" 2-11.

Bilder- und Berichtdownload:
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