ÖHV und Androsch: "Weg mit den Bremsern in der Bildungspolitik!"

Politik muss lernen, was gute Ausbildung braucht

Wien (TP/OTS) - Schellhorn und Peer rufen Unternehmer und Mitarbeiter im Tourismus zum Unterschreiben des Bildungsvolksbegehrens auf. Ausbildungspflicht drängt - Hotellerie nähme sofort 1.500 Lehrlinge auf. Österreich fällt in der Wettbewerbsfähigkeit im Mitarbeiterbereich zurück. Jugendarbeitslosigkeit kostet 1 Mrd. Euro.

Eine kritische Bestandsaufnahme des heimischen Bildungssystems präsentierten Peter Peer und Sepp Schellhorn, die Präsidenten der Österreichischen Hoteliervereinigung (ÖHV), mit Dr. Hannes Androsch, Mitinitiator des Bildungsvolksbegehrens: "Trotz herausragender Leistungen der Betriebe ist Österreich in einem aktuellen Ranking des Weltwirtschaftsforums zurückgefallen. Ausschlaggebend waren die negativen Werte für Arbeitsmarkt und Bildung", so Peer. Der Handlungsbedarf sei nicht erst seit gestern evident: "Dass ein hochrangiger Politiker die Bremser im Bildungsbereich als Gefahr für die Zukunft Österreichs benennt, bestätigt die Analyse des Weltwirtschaftsforums. Dass er das erst bei seinem Abgang tut, zeigt erstens Verbesserungspotential auf und zweitens, dass die Veränderung im Bildungssystem von außen kommen muss: von den Initiatoren des Bildungsvolksbegehrens, von den Eltern und Schülern, von der Wirtschaft", erklärt Schellhorn. Gemeinsam fordern sie "alle, denen etwas an unserer Zukunft liegt, auf, das Volksbegehren zu unterstützen!"

Ausbildungspflicht umsetzen! Hotellerie nimmt sofort 1.500 Lehrlinge auf

Es sei bezeichnend, dass der jüngste Vorstoß zum heimischen Bildungssystem von einem anderen Ressortchef kommt: Die Ausbildungspflicht für unter 18-Jährige, die Sozialminister Hundstorfer vorschlug, müsse rasch umgesetzt werden: "Es landen zu viele Jugendliche in der Arbeitslosigkeit. Wir müssen das verhindern", erklärt Peer und verweist auf das soziale Gefälle im Bildungssystem und die dramatischen Folgen dieser Fehlentwicklung.

Androsch: "Kein junger Mensch darf zurückbleiben!"

Androsch betonte, wie wichtig Grundkenntnisse in Lesen, Schreiben und Rechnen für Tourismuswirtschaft und Wirtschaftsstandort seien. "Gerade in einem Tourismusland wie Österreich ist es fatal, wenn junge Menschen am Ende ihrer Schullaufbahn nicht fehlerfrei Kopfrechnen und keinen Satz fehlerfrei schreiben können, von Fremdsprachenkenntnissen ganz zu schweigen. Es liegt ein Fehler im System, und für diesen Fehler müssen wir alle teuer bezahlen - die jungen Menschen, weil durch die schlechte Schulbildung ihre Zukunftschancen dramatisch sinken, die Wirtschaft, weil sie frei werdende Stellen entweder gar nicht besetzen kann, oder neue Mitarbeiter auf eigene Kosten nachschulen muss, und die Gesellschaft, weil wir im Zeitalter der Dienstleistungs- und Wissensgesellschaft um jeden jungen Menschen kämpfen müssen, wenn wir wettbewerbsfähig bleiben und unseren Wohlstand halten wollen." Weiters betonte Androsch, dass die Lehrausbildung nicht zur "Negativauslese" werden dürfe. "Das duale Berufsausbildungssystem in Österreich ist eine riesige Erfolgsgeschichte. Durch den demografischen Wandel droht uns jedoch in den kommenden Jahren ein eklatanter Lehrlingsmangel. Deshalb müssen wir dringend den Ruf von Lehrberufen anheben", so Androsch.

Schellhorn: Defizite im Pflichtschulbereich kosten Tausende Talente

Die ÖHV engagiert sich intensiv für Verbesserungen in der Lehrlingsausbildung: Die in Zusammenarbeit mit der Gewerkschaft vida angebotene Lehrlingsakademie wird stark angenommen, die Modernisierung der Lehrberufe im Tourismus jetzt umgesetzt. Um die Zukunft der Lehre zu sichern, müsse aber mehr geschehen: "Wir müssen das von zwei Seiten angehen: Einerseits müssen wir das Niveau in der Pflichtschulausbildung heben, damit wir hier niemanden verlieren, den wir gut brauchen können. Das muss oberste Priorität haben. Andererseits müssen wir die Vorzüge der Lehre denen besser aufzeigen, die derzeit in zu großer Zahl in eine andere Richtung tendieren", so Peer. 2010 haben 39.760 Jugendliche eine Lehre begonnen. 2015 werden es weniger als 35.000 sein, 2023 nicht einmal 30.000. Schon jetzt sind alleine im Tourismus 1.500 Lehrstellen zu besetzen. Die Forderung der Gewerkschaftsjugend, dass Betriebe ab zehn Mitarbeitern zur Lehrlingsausbildung verpflichtet werden sollen, gehe an der Realität vorbei. "Der Bedarf an Mitarbeitern steigt, die Anforderungen an Fachkräfte auch. Trotzdem verlieren Jahr für Jahr Tausende Talente wegen der Defizite im Pflichtschulbereich den Anschluss an Bildung und Arbeitsmarkt", meint Schellhorn dazu.

Peer: Konsequenzen aus PISA ziehen!

Peer fordert, endlich Konsequenzen aus den PISA-Tests zu ziehen:
"Wer von jungen Leuten verlangt, dass sie etwas lernen, muss Vorbildwirkung zeigen. Aber was haben Politiker und Lehrer aus den PISA-Tests gelernt, wie haben sie das Gelernte umgesetzt?" Benchmarks für Schulen und Bildungspolitik sollen die Vergleichbarkeit von Zeugnissen erhöhen: "Ich muss bei Bewerbern aus ganz Österreich wissen, was ein Zeugnis objektiv wert ist. Das gebietet die Fairness."

Jugendarbeitslosigkeit kostet 1 Mrd. Euro

Einer Zielgruppe müsse gesondertes Augenmerk gewidmet werden: Der Hälfte der jungen Migranten fehlt ein weiterführender Abschluss nach der Pflichtschule. "Hier besteht großer Aufholbedarf in der individuellen Förderung", verweist Schellhorn auf den stark unterdurchschnittlichen Anteil von Lehrlingen mit Migrationshintergrund. "Das birgt gesellschaftlichen Sprengstoff." Aktuell sind 28.000 Jugendliche arbeitslos, noch einmal so viele in Schulungen. "Wir dürfen nicht den Fehler machen, das als Einzelschiscksale abzukanzeln oder die Schuld in individuellen Fehlern zu suchen: Das funktioniert bei dieser Größenordnung nicht mehr. Denn wenn man vorsichtig mit 1.500 Euro für Arbeitslosengeld, Schulungskosten und entgangenen Sozialversicherungsbeiträgen rechnet, kostet uns die Jugendarbeitslosigkeit 1 Mrd. Euro pro Jahr."

Androsch: Zukunft geht uns alle an!

"Zukunft geht uns alle an", appellieren daher Androsch, Peer und Schellhorn an Unternehmer und Mitarbeiter in Tourismusbetrieben, für das Volksbegehren zu unterschreiben. Bis 1. Juli liegen auf Gemeindeämtern und Magistratischen Bezirksämtern Unterstützungserklärungen für das Volksbegehren Bildungsinitiative auf. Jede Unterstützungserklärung zählt bereits zum Gesamtergebnis des Volksbegehrens, es muss also in der Eintragungswoche nicht noch einmal unterschrieben werden. Mehr dazu unter www.nichtsitzenbleiben.at

Arbeitsmarkt- und Ausbildungsmotor Tourismus

4.400 Betriebe der Tourismus- und Freizeitwirtschaft bildeten 2010 rund 12.500 junge Menschen aus, das war jeder zehnte Lehrling in Österreich. Das Engagement der Hotellerie in der Fachkräfteausbildung lässt sich nicht nur am überdurchschnittlich hohen Lehrlingsanteil ablesen, sondern auch an der starken Nachfrage nach begleitenden Weiterbildungsangeboten. Die Lehrlingsakademie von ÖHV und Gewerkschaft vida findet 2011 bereits zum fünften Mal statt. Die 1.200 Mitgliedsbetriebe der ÖHV beschäftigen mehr als 40.000 Mitarbeiter. Die gesamte Tourismus- und Freizeitwirtschaft sichert jeden 5. Vollzeitarbeitsplatz.

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Sepp Schellhorn, ÖHV-Präsident (Ferienhotellerie)
Hotel "Der Seehof", Goldegg
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Peter Peer, ÖHV-Präsident (Stadthotellerie)
Director of Operations Accor Hospitality
Österreich, Wien
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