Geregelte und unbürokratische Betriebsübergaben in Hotellerie sichern Wirtschaftsstandort

Notare und WKÖ-Tourismussparte präsentieren Studie zu Schwierigkeiten der Unternehmensübergabe

Wien (TP/OTS) - Die österreichischen Gastronomie- und
Hotelbetriebe werden oft als Familienbetriebe geführt. Die Diskussion über Nachfolge und Betriebsübergabe in der Hotellerie ist nicht neu, doch fehlte es bisher an einer umfassenden Erhebung des Status Quo. Diese Lücke zu schließen und Handlungsempfehlungen abzuleiten, war Ziel einer Studie des Instituts für innovativen Tourismus in Innsbruck, die am Mittwoch von der Österreichischen Notariatskammer und der Bundessparte Tourismus und Freizeitwirtschaft präsentiert wurde. Dafür wurden erstmals österreichweit Leistungsträger aus der Drei- bis Fünf-Sterne Hotellerie zu juristischen, steuerlichen, finanziellen, organisatorischen und psychologischen Herausforderungen der Betriebsübergabe befragt.

Studie belegt: Beratung und Entlastung der Betriebe notwendig

"Jede gelungene Unternehmensübergabe ist so wichtig wie eine erfolgreiche Gründung und trägt dazu bei, den Wirtschaftsstandort Österreich zu sichern", betont Ludwig Bittner, Präsident der Österreichischen Notariatskammer. "Für die Unternehmen ist die rechtzeitige Planung einer Betriebsübergabe unter Begleitung eines kompetenten Beraters unerlässlich."

Aus der Sicht der Notare bedarf das Pflichtteilsrecht einer dringenden Reform. Bittner: "Derzeit kann das Pflichtteil grundsätzlich direkt nach dem Ableben des Erblassers eingefordert werden. Die Problematik dabei: Wenn der Nachlass beispielsweise ein Unternehmen oder ein Unternehmensanteil ist, kann die Einforderung des Pflichtteils den Betrieb in seiner Überlebensfähigkeit gefährdet. Unser Vorschlag daher: Die Schaffung von Möglichkeiten zur Stundung bzw. zur ratenweisen Abgeltung des Pflichtteils."

Der Tourismus -Obmann in der Wirtschaftskammer (WKO), Hans Schenner, möchte den Hebel bei den Rahmenbedingungen ansetzen. Wenn zum Beispiel der Übergeber das 60. Lebensjahr erreicht hat, dann kann ein begünstigter Steuersatz (Hälftesteuersatz) angewendet werden. Das setzt aber voraus, dass der Übergeber gleichzeitig seine Erwerbstätigkeit aufgeben muss. Gerade in der Familie kann das zu Spannungen führen und schafft Barrieren, sich rechtzeitig mit der Betriebsübergabe zu beschäftigen.

Ein untragbarer Zustand für Tourismussprecher Hans Schenner, der fordert: "Betriebsübergaben in der Familie dürfen eigentlich gar nichts kosten! Damit können die traditionelle und höchst erfolgreiche Struktur der familiengeführten österreichischen Hotellerie aufrecht erhalten und Arbeitsplätze gesichert werden. Das wäre zudem eine Maßnahme, die Steuereinnahmen nicht mindert, weil der Tourismus eine standortgebundene Branche ist. Wir können unsere Produktion nicht ins Ausland auslagern, unseren Tourismus können wir nur in Österreich produzieren. Und genau diese Standortgarantie steht für sichere (Steuer-) Einnahmen auch in der Zukunft", so Schenner.

Die wichtigsten Ergebnisse der Studie im Überblick

1. Einzelunternehmen sind die vorherrschende Rechtsform, 4 von 5 Betrieben sind familiengeführt, knapp 73% haben unter 100 Betten, 43% sind über 50 Jahre und 67% Männer (mit starken Frauen im Hintergrund).

2. Fast die Hälfte der Betriebe steht in den nächsten zehn Jahren zur Übergabe (49,1%) an, 37% in den nächsten 6 Jahren, und bei 17% findet gerade eine Übergabe statt.

3. Die Hotelbetriebe werden derzeit mehrheitlich (63%) von der zweiten oder dritten Generation geführt: je länger der Betrieb in der Familie ist, desto wichtiger werden die Fortführung der Ideale und Werte durch die Nachfolger, aber desto weniger liegen schriftliche Strategien vor. 31,9% der Betriebe wurden vor 1950 gegründet, 42% nach 1950 aber vor 1980.

4. Wenn niemand aus der Familie den Betrieb übernehmen will, dann wird als erstes an einen Verkauf des Betriebes gedacht. Je größer der Betrieb, desto eher kommt eine Nachfolge durch einen Mitarbeiter in Betracht. Betriebe denken durchaus an Schenkungen als Alternative (47%) und würden auch gerne mehr darüber erfahren (16%). 71% der Betriebe haben sich bereits Gedanken über steuergünstige Übergabevarianten gemacht. Andere alternative Übergabemodelle sind wenig bekannt, Interesse wird bekundet

5. Schriftliche Verträge sind ein Manko: 76% der Befragten haben keine vertragliche Form der Übergabe fixiert, 61% haben noch nicht über Haftungsfragen nach der Übergabe gesprochen, 69% denken auch nicht an einen Wechsel der Rechtsform nach der Übergabe.

6. Bei der Betriebsübergabe stehen neben den steuerlichen und finanziellen Belastungen vor allem psychologische und familiäre Belastungen im Vordergrund.

7. Je mehr Familienmitglieder im Betrieb sind, desto informeller sind die Kommunikation und der Wissenstransfer. Es stehen oft soziale statt strategische und betriebswirtschaftliche Ziele im Vordergrund.

8. Zeitmanagement des Übergebers und eine frühe Kommunikation bzw. ein frühes Involvement des Übernehmers sind Erfolgsfaktoren bei der Betriebsübergabe. Oft sind notwendige Schritte schon geplant, aber noch wenig kommuniziert und vertraglich fixiert. Die Studie untermauert, dass ein zu langes Warten des Übergebers als Ursache für das Scheitern der Nachfolge gesehen wird. Beeinflusst wird eine erfolgreiche Übergabe auch wesentlich durch das Alter des Übernehmers. Zu späte Übergaben stellen einen Hauptfaktor für das Scheitern dar, da der Übernehmer oft ein anderes Tätigkeitsfeld gefunden hat bzw. ihm einfach die Übernahmelust vergangen ist. In der Forschung wird ein Alter zwischen 27 und 33 Jahre für den Übernehmer als optimal bezeichnet.

9. Übergeber fordern sehr themenspezifische Hilfestellung bei der Übergabe, am liebsten in Form von Coachings oder intensiven kurzen Workshops.

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Elisabeth Salzer
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