WKÖ-Ennemoser: "Sommersaison läuft für die heimische Hotellerie positiv"

Obmann des Fachverbandes Hotellerie hofft auf leichtes Plus für den gesamten Sommer - Größte Schwäche ist Vertrieb - Betriebe müssen digital aufrüsten

Wien (TP/OTS) - "Die Hotellerie ist die Leitbranche des
Tourismus", betonte Klaus Ennemoser, Obmann des Fachverbandes Hotellerie in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), am Dienstag in Wien. Der sehr gute Winter und der großartige Mai hätten einmal mehr bewiesen: Österreichs Ferien- und Geschäftshotellerie ist toll aufgestellt. Die Nächtigungen von Jänner bis Mai lagen mit 56,12 Mio. Übernachtungen satte sechs Prozent über dem Vorjahreszeitraum. Für den Juni erwartet Ennemoser allerdings kein berauschendes Ergebnis, was in diesem Jahr einerseits an den ausschließlich in den Mai gefallenen Feiertagen liegt, andererseits an der Fußball-Europameisterschaft. "Vor allem die Gäste aus unseren Hauptquellenmärkten Deutschland, Italien, Niederlande und den Benelux-Ländern sind eher zuhause geblieben, um in der Heimat mit ihren Mannschaften mitzufiebern", erklärte Ennemoser.

Zudem habe Österreich mit Deutschland einen starken Mitbewerber bekommen. Deutschland konnte in den vergangenen fünf Jahren ein Plus von rund 16 Prozent oder 33. Mio. Nächtigungen einfahren. Zum Vergleich: Österreich verzeichnete in diesem Zeitraum ein solides aber deutlich darunter liegendes Plus von 6,4 Prozent oder rund 500.000 Nächtigungen. Hier habe sich, so Ennemoser, auch ausgewirkt, dass die Mehrwertsteuer in unserem Nachbarland von 19 auf 7 Prozent reduziert wurde. Damit sei der Tourismus wieder eine interessante Branche für Investitionen geworden, und die Preise wurden gesenkt.

Sommerbilanz: Plus 2 Prozent in Reichweite - Buchungen immer kurzfristiger

Einen weiteren Risikofaktor sieht der Sprecher der heimischen Hotel-Betriebe heuer im August, "weil die italienischen Gäste aufgrund des Sparpakets mit größter Wahrscheinlichkeit zuhause bleiben werden". Lichtblick sei der Herbst und der Städtetourismus, der sehr gut laufe. Für den gesamten Sommer erwartet sich Ennemoser eine schwarze Null für die Branche, "wenn alles gut läuft, könnten wir aber durchaus mit einem leichten Zuwachs von 2 Prozent im Vergleich zur Vorjahres-Saison bilanzieren". Allerdings seien Prognosen sehr mit Vorsicht zu genießen, da die Digitalisierung auch für die Hotel-Branche einen massiven Wandel mit sich gebracht habe, der eine lang- und mittelfristige Einschätzung immer schwieriger mache. "Heute kann jeder auf Knopfdruck sehen, wie das Wetter am Urlaubsort ist und wie es sich entwickeln wird. Dadurch ist die Kurzfristigkeit der Buchungen massiv gestiegen. Lag die Wetterabhängigkeit der Buchungen früher bei rund fünf Prozent, so ist sie heute auf rund 30 Prozent gestiegen", schätzte Ennemoser.

Österreich punktet mit Sicherheit - Schwäche der Hotellerie ist der Vertrieb

Zu den Stärken des Tourismusstandortes Österreich zählt - laut Ennemoser - neben Landschaft, Qualität und Gastfreundschaft vor allem auch die Sicherheit: "Hier kann unser sicheres Land im Vergleich zu anderen Destinationen, wo der Gast im Hotel durch Sicherheits-Checks wie am Flughafen muss, punkten." Die größte Schwäche der heimischen Hotellerie sieht Ennemoser nach wie vor im Vertrieb. "Wir müssen uns vor allem digital besser aufstellen", fordert der Hotelier. Jedes Hotel brauche zumindest eine eigene attraktive Homepage. Dadurch erhofft er sich, dass "die Wertschöpfung wieder zu den Betrieben und nach Österreich gebracht wird". Funktionieren könne dies aus Ennemosers Sicht etwa über eine eigene nationale Buchungsplattform, wie sie beispielsweise bereits in der Schweiz, in Südtirol oder bei großen internationalen Hotelgesellschaften erfolgreich laufe.

Bürokratie bei "Schengen-Visa" kostet Tourismus jährlich bis zu 500 Mio. Euro

Als großes Anliegen bezeichnete Ennemoser das Thema "Schengen-Visa". Österreich sei zwar insgesamt im Schengen-Raum ohne nationale Grenzen gut aufgehoben, touristisch erweise sich der Schengen-Raum aber als Flaschenhals, so der Hotellerie-Obmann: " Wenn ein Nicht-EU-Staatsbürger in Österreich Urlaub machen will, braucht er ein Schengen-Visum, dessen Ausstellung mit erheblichem bürokratischen Aufwand verbunden ist. Grob gerechnet, gehen uns durch diese Visa-Bürokratie im Tourismus jährlich zwischen 300 und 500 Mio. Euro an Umsatz verloren, weil viele Gäste wegen dieser Hürde in andere Visa-freie Länder reisen." Die gute Nachricht sei, dass in der EU an der Entwicklung eines Touristen-Visums gearbeitet wird. Ziel sei ein Mehrfach-Dauer-Visum für Touristen: Dies würde Nicht-EU-Bürgern, die einmal geprüft wurden, auf einen bestimmten Zeitraum, zum Beispiel zwei Jahre, die Einreise ermöglichen- eine wesentliche Erleichterung für die Touristen bedeuten und damit mehr Touristen nach Österreich bringen. "Hier ist nun die heimische Politik gefordert, sich intensiv in diesen Prozess einzubringen, um eine für den heimischen Tourismus gute Lösung zu entwickeln und auf Schiene zu bringen", forderte Ennemoser abschließend.

Fachverband Hotellerie

Der Fachverband Hotellerie in der Wirtschaftskammer Österreich vertritt 18.000 Beherbergungsbetriebe mit 1,05 Millionen Betten. 9.000 Beherbergungsbetriebe sind mit 29.000 geprüften Sternen klassifiziert. Mit 126 Millionen Nächtigungen jährlich legt Österreichs Hotellerie einen wichtigen Grundstein für eine direkte Wertschöpfung im Tourismus von 15,3 Milliarden Euro. Jeder fünfte Vollzeitarbeitsplatz wird im Tourismus und in der Freizeitwirtschaft generiert.

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Mag. Matthias Koch
Fachverband Hotellerie
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