Arbeitskreis Tourismus: Strukturierte Betrachtung führt aus der Durchschnittsfalle

WKO-Bundesspartenobmann Schenner: Realitäten beleuchten, um Verbesserungspotenziale zu heben

Alpbach (TP/OTS) - "Der Tourismus in der Durchschnittsfalle": Unter diesem Titel diskutierten zahlreiche Experten und Interessierte heute, Mittwoch, im Rahmen des heurigen Arbeitskreises der Bundessparte Tourismus und Freizeitwirtschaft der Wirtschaftskammer Österreich (WKO).

Anregung zu diesem Thema war das Buch "Die Durchschnittsfalle" von Univ.-Prof. Dr. Markus Hengstschläger, Leiter des Instituts für Medizinische Genetik der Medizinischen Universität Wien, der gemeinsam mit Mag. (FH) Kerstin Fuchsberger, Österreichische Gesellschaft für Angewandte Forschung in der Tourismus- und Freizeitwirtschaft, Vida-Vertreter Robert Maggale und Mag. Dominik Walch vom Institut für Höhere Studien (IHS) auf dem Podium saß.

Von Mythen und Realitäten

Tourismus-Bundespartenobmann Hans Schenner: "Mythen über unsere Branche gibt es viele. Wie die unternehmerische Erfahrung zeigt, haben sie oft wenig mit der tatsächlichen Realität zu tun. Vor allem die touristische Arbeitswelt wird immer wieder verzerrt dargestellt. Durch die permanente Wiederholung gewinnen diese Mythen aber nicht an Wahrheitsgehalt."

Transparenz und eine offene Diskussion über Rahmenbedingungen des Arbeitsmarktes seien aber die Voraussetzungen für gezielte Verbesserungen. "Wenn wir, Medien, Politik, Wissenschaft und Sozialpartner, uns aber in selbstgebastelte Fallen begeben, weil wir unsere Analysen mit den falschen Instrumenten durchgeführt haben, werden wir uns unproduktiv im Kreis drehen und keinen Fortschritt für den Tourismus, weder für Unternehmer noch für Arbeitnehmer, erreichen", so Schenner.

Komplexe Strukturunterschiede

Die Bundessparte Tourismus in der Wirtschaftskammer Österreich hat daher zusammen mit dem IHS den Arbeitsmarkt der Branche genauer unter die Lupe genommen. Fazit: Ein Kernproblem der verzerrten Darstellung liegt in den enorm komplexen Strukturunterschieden des touristischen Arbeitsmarktes. Eine Durchschnittsbetrachtung, wie sie derzeit noch in der Wissenschaft und in der medialen Berichterstattung verwendet wird, ist daher als Basis für weiterführende Analysen unzureichend.

Laut IHS-Untersuchung spaltet sich die Beschäftigung in Gastronomie und Hotelerie in drei große Kerngruppen auf: Die Ganzjahres-Kernbelegschaft umfasst rund 100.000 Mitarbeiter, das sind zwar nur 23 Prozent aller Beschäftigten, auf sie entfällt jedoch 43 Prozent des Arbeitsvolumens. Etwa 85.000 Mitarbeiter umfasst die saisonale Kernbelegschaft als zweite Gruppe. Diese sind 20 Prozent der Gesamtmitarbeiter, welche 28 Prozent des Arbeitsvolumens übernehmen. Die dritte Gruppe besteht aus der sogenannten Randbelegschaft, sie ist rund 241.000 Personen stark (57 Prozent aller Beschäftigten). Diese tragen jedoch nur 29 Prozent des Arbeitsvolumens bei.

Diese gewaltigen Unterschiede in der Arbeitsmarktstruktur sind Ergebnis der vorgegebenen und schwer veränderbaren Rahmenbedingungen des Tourismus. "Wer in diesem konkreten Fall mit Durchschnittsbetrachtungen glaubt zu aussagekräftigen Ergebnissen zu kommen, der muss scheitern", meinte IHS-Arbeitsmarktexperte Walch.

Schenner: "Politik, Medien und Sozialpartner müssen sich die Frage stellen: Sollen weiterhin auf Basis verzerrter Daten sinnlose Diskussionen geführt werden, die keine Ergebnisse bringen können, oder fokussieren wir uns gemeinsam auf die Realität? Denn nur dann können wir auch jene Bereiche angehen, wo Verbesserungspotential besteht". (PM)

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Wirtschaftskammer Österreich, Bundessparte Tourismus und Freizeitwirtschaft
Mag. Rainer Ribing
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