Nach tödlichem Unfall: Gefährlicher Mangel bei Klettersteigsets entdeckt

Innsbruck (TP/OTS) - Durch Untersuchungen, die in Verbindung mit einem tödlichen Unfall an einem Klettersteig in Tirol Anfang August stehen, wurde ein gefährlicher Mangel bei Klettersteigsets entdeckt. Betroffen davon ist nicht nur das "Unfall-Modell", sondern sind einige weitere Klettersteigsets mit so genannten elastischen Ästen. Diese Äste (Lastarme) verbinden den am Klettergurt befestigten Fangstoßdämpfer mit den zwei Karabinern, welche im Stahlseil des Klettersteiges zur Absturzsicherung eingehängt werden. Die Alpenvereine DAV, OeAV, SAC und AVS sowie das Kuratorium für Alpine Sicherheit rufen alle Klettersteiggeher auf, Sets mit elastischen Ästen nur dann zu benutzen, wenn sie in der unten stehenden Tabelle als "nicht betroffen" aufgeführt sind.

Der Unfall

Am 5. August 2012 ereignete sich nahe Walchsee in Tirol ein tödlicher Klettersteigunfall. Nachdem ein Klettersteiggeher mehrere Meter weit gestürzt war, sind beide Äste seines Klettersteigsets gerissen. Einen solchen Abriss hat es zuvor noch nie gegeben. Bei korrekter Anwendung, ohne vorherige Beschädigung des Klettersteigsets und ohne Scharfkanteneinwirkung erschien so etwas als nicht möglich. Die Staatsanwaltschaft Innsbruck hat Ermittlungen eingeleitet und einen Sachverständigen beauftragt, den vorliegenden Sachverhalt zu prüfen.

Die folgenden Informationen stehen mit diesen Ermittlungen in keinem Zusammenhang, sondern beruhen auf Erkenntnissen aus Untersuchungen der DAV-Sicherheitsforschung bzw. der Hersteller. Das Ergebnis des gerichtlichen Gutachtens liegt noch nicht vor.

Die Untersuchungen, das Ergebnis

Bei den Untersuchungen an Klettersteigsets vom Typ des "Unfall-Modells" hat sich gezeigt, dass oftmaliges Dehnen der elastischen Äste zu einer Schwächung der tragenden Fasern führt. Ein solches Dehnen ist bei einer normalen Klettersteig-Begehung üblich. Wenn elastische und tragende Fasern zusammen verwoben sind, schwächt häufiges Dehnen die tragenden Fasern; unter Umständen können solche Lastarme dann bei einem Sturz am Klettersteig reißen. Abhängig von der Konstruktion, kann diese Schwachstelle deshalb bei elastischen Klettersteigästen vorhanden sein. Das Konstruktionsprinzip der ineinander verwobenen elastischen und nichtelastischen Fasern kommt nicht nur bei mehreren Klettersteigsets von Edelrid, sondern auch bei Modellen anderer Hersteller zur Anwendung. Die Firmen Edelrid, Austrialpin, Edelweiss und Singing Rock haben die betroffenen Sets mittlerweile zurückgerufen.

Alpenvereine fordern Hersteller zur Prüfung ihrer Sets auf

Der Alpenverein Südtirol (AVS), der Deutsche (DAV) und Oesterreichische Alpenverein (OeAV), der Schweizer Alpen-Club SAC sowie das Kuratorium für Alpine Sicherheit haben sich unmittelbar nach dem Unfall intensiv mit der Problematik auseinandergesetzt. Unter Federführung der DAV-Sicherheitsforschung entwickelten die Alpenvereine gemeinsam mit der TÜV Süd GmbH in München ein Prüfverfahren für elastische Klettersteigsets. Anschließend wurden die Hersteller dazu aufgerufen, ihre Sets nach diesem Verfahren zu prüfen. Die unten aufgeführte Tabelle ist das Ergebnis dieses Aufrufs.

Nicht elastische Sets sind nicht betroffen

Klettersteigsets mit nicht elastischen Ästen sind von dem entdeckten gefährlichen Mangel nicht betroffen. Wie man elastische von nicht elastischen Sets unterscheidet, zeigen die angehängten Bilder.

Bei den Sets mit elastischen Ästen gibt es prinzipiell zwei unterschiedliche Konstruktionen, wovon eine problematisch sein kann; selbst Experten können von außen jedoch nicht entscheiden, ob die Sets problematisch sind oder nicht. Nur Tests wie der von den Alpenvereinen vorgeschlagene bringen hier Gewissheit.

Welche Klettersteigsets sind von dem neu entdeckten Mangel betroffen?

In der angehängten Tabelle sind alle Sets mit elastischen Ästen aufgelistet für die es einen Rückruf gibt. Ebenso sind alle Klettersteig-Sets mit elastischen Ästen genannt die laut Angabe der Hersteller von dieser Problematik nicht betroffen sind.

Dass einige Sets nicht enthalten sind, liegt daran, dass die betreffenden Hersteller nach dem Appell der Alpenvereine bis zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieser Presseinformation keine Aussage gemacht haben.

Bei solchen elastischen Klettersteigsets, die in dieser Tabelle nicht aufgeführt sind, sollten sich die Besitzer unbedingt an den jeweiligen Hersteller wenden, um deren Benutzbarkeit in Erfahrung zu bringen.

Facts

Der Alpenverein ist mit 415.000 Mitgliedern der größte Bergsportverein Österreichs und hinter dem Deutschen Alpenverein der zweitgrößte Alpinverband weltweit. 2012 feiert der Alpenverein sein 150-jähriges Jubiläum.

  • Größter alpiner Verein und größte Jugendorganisation Österreichs
  • 415.000 Mitglieder
  • 195 Sektionen
  • 22.000 Mitarbeiter/innen und Funktionär/innen
  • Anwalt der Alpen und gesetzlich anerkannte Umwelt-Organisation
  • Größter Beherbergungsbetrieb Österreichs
  • 238 Schutzhütten und 13.000 Schlafplätze
  • Betreuung von 40.000 km Wanderwegen
  • Mehr als 200 Kletteranlagen

Auch die Kletterer des Alpenvereins sind Weltspitze: Unzählige Medaillen, Titel und Siege hat es in den letzten Jahren für die österreichischen Kletterer geregnet. Die Erfolge von Profikletterern wie Jakob Schubert, Anna Stöhr, Kilian Fischhuber, Johanna Ernst oder Angela Eiter haben dazu geführt, dass das österreichische Nationalteam von den Stockerlplätzen nicht mehr wegzudenken ist.

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