Naturschutzpolitik in Tirol: quo vadis?

Der Oesterreichische Alpenverein ist bestürzt und zornig über die jüngsten Entwicklungen in der Tiroler Naturschutzpolitik.

Innsbruck (TP/OTS) - Mit der Entscheidung, den Piz Val Gronda als Berg und Naturjuwel von alpenweiter Bedeutung zur Zerstörung freizugeben, wird dem Alpenschutz und der Reputation Tirols großer Schaden zugefügt. Sie ist eine Ohrfeige für all jene, die mit ihrer wissenschaftlichen Expertise, der Erfahrung in der Alpinen Raumordnung und Alpenkonvention zur fachlichen Untermauerung des einmaligen Schutzstatus beigetragen haben. Die Gefahr ist akut, dass sich viele Tirol- und Bergbegeisterte entsetzt abwenden.

Die von den Alpenvereinen in Tirol geleistete Arbeit wird mit dieser Politik keinesfalls honoriert und die bisher in Ansätzen gemeinsam getragene Alpine Raumordnung regelrecht konterkariert. Diese Entscheidung lässt befürchten, dass in Zukunft Erschließungen auch über die Landesgrenzen hinaus Tür und Tor geöffnet worden ist.

Zahl der deutschen Schifahrer ist stark rückläufig

Die Beschlussbegründung ist fadenscheinig sowie nicht nachvollziehbar und stellt einen sichtbaren Kniefall vor der Seilbahnlobby dar. Sie bestätigt die Strategie, dass Seilbahnunternehmen x-beliebig viele Anläufe für Erschließungsprojekte nehmen können; verliert der Naturschutz nur ein einziges Mal, ist die Landschaft irreversibel geschädigt. Dabei nimmt die Zahl der Schiläufer im Hauptmarkt Bundesrepublik Deutschland ohnehin dramatisch weiter ab.

Die Alpenvereine werden die Mitglieder, Medien, Fachstellen und internationalen Institutionen über diesen neuen Spitzenreiter der Alpensünden informieren und weitere Maßnahmen vorbereiten und durchführen.

Keine Möglichkeit Fehlurteile zu bekämpfen

Ermöglicht wurde dieser Sündenfall des Tiroler Naturschutzes u.a. durch das fehlende Beschwerderecht des Tiroler Landesumweltanwaltes bei den Höchstgerichten. Ausgerechnet die "älteste Festlanddemokratie" gibt ihm nicht die Möglichkeit, gegen Fehlurteile begründet einzuschreiten.

Was bei Entscheidungen der Landesbehörde schon jetzt nicht möglich war, soll jetzt obendrein noch getoppt werden: der Landesumweltanwalt soll nach dem vorliegenden Entwurf des "Tiroler Verwaltungsgerichtsbarkeits-Anpassungsgesetz" die Möglichkeit der Berufung gegen einen Bescheid der Bezirksverwaltungsbehörde verlieren. Hier muss den Anfängen wehrhaft entgegen gehalten werden. Es ist den Alpenvereinen völlig unverständlich, warum gerade im Land Tirol mit seiner sensiblen Topografie und Angewiesenheit auf den landschaftsgebundenen Tourismus ein derartiger Vorstoß erfolgt. Diese Vorgangsweise widerspricht allen Bekenntnissen für eine umweltgerechte und zukunftsfähige Landesentwicklung und Beteiligung der Öffentlichkeit!

Um den Alpenschutz zu stärken, fordert der OeAV in der Novelle des Tiroler Naturschutzgesetzes die Verankerung des Gipfelschutzes, des besseren Schutzes der Alpinregion und ein Verbot von motorisierten Sportarten sowie die Anpassung an die Durchführungsprotokolle der Alpenkonvention.

Die Alpenvereine verwehren sich gegen die laufend vorgebrachte Kritik, in Tirol seien keine Projekte mehr durchsetzbar. Die Realität spricht eine andere Sprache.

Facts

Der Alpenverein ist mit 415.000 Mitgliedern der größte Bergsportverein Österreichs und hinter dem Deutschen Alpenverein der zweitgrößte Alpinverband weltweit. 2012 feiert der Alpenverein sein 150-jähriges Jubiläum.

  • Größter alpiner Verein und größte Jugendorganisation Österreichs
  • 415.000 Mitglieder
  • 195 Sektionen
  • 22.000 Mitarbeiter/innen und Funktionär/innen
  • Anwalt der Alpen und gesetzlich anerkannte Umwelt-Organisation
  • Größter Beherbergungsbetrieb Österreichs
  • 238 Schutzhütten und 13.000 Schlafplätze
  • Betreuung von 40.000 km Wanderwegen
  • Mehr als 200 Kletteranlagen

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