Steirer wehren sich gegen Glashausfabrik in Tourismusregion

Bürger, Gemeindepolitiker, Tourismusverband und örtliche Unternehmen wollen kein "Megaprojekt der Gigantomanie und der Hässlichkeit"

Bad Blumau (TP/OTS) - Bürger, Gemeindepolitiker, Tourismusverband, örtliche Unternehmer und private Aktivisten wehren sich gegen ein agroindustrielles Großprojekt, mit dem der Landwirtschaftskonzerns "Frutura" in der Oststeiermark in großflächigen Glashausanlagen Tomaten anbauen will.

Agroindustrie passt nicht zu sanftem Tourismus

"Die Region setzt gemäß ihres Leitkonzeptes seit vielen Jahren erfolgreich auf sanften Tourismus. Agroindustrie ist damit nicht vereinbar. Der Tourismus würde durch die Industrieanlagen und den damit verbundenen Schwerverkehr leiden. Die Lebensqualität und die Grundstückspreise würden sinken. Die Bad Blumauer Heilwasserquelle, Kern des touristischen Erfolges der Region, ist durch die geplante industrielle Ausbeutung des Heißwasservorkommens zur Energiegewinnung gefährdet", so der Tenor.

Touristikveranstalter warnen

Maria Perl, Leiterin des Tourismusverbandes Bad Blumau, wies heute, Donnerstag, in einer Aussendung darauf hin, dass die Ausrichtung auf sanften Tourismus die betroffene Gemeinde Bad Blumau von der ärmsten Gemeinde Österreichs zu einem wohlhabenden Kurort gemacht habe. "In Folge der Medienberichterstattung über das geplante Agroindustrieprojekt liegen uns nun bereits Warnungen von Touristikveranstaltern vor, dass wir sie unter diesen Bedingungen als Kunden verlieren würden."

Heilwasserquelle gefährdet

Robert Rogner, Chef des touristischen Leitbetriebes Rogner Bad Blumau, erklärte, dass er das Projekt detailliert geprüft und nach Einsicht aller vorhanden Unterlagen und Konsultierung von Experten klar abgelehnt habe. "Das Projekt entspricht in der geplanten Form nicht unseren Grundsätzen der ökologischen und sozialen Nachhaltigkeit", sagte Rogner. "Zudem ergab die Begutachtung durch Experten, dass bei einer Nutzung des unterirdischen Heißwassers im großen Stil unsere Thermalquelle gefährdet ist. Als Leitbetrieb, der für 320 Mitarbeiter und ihre Familien verantwortlich ist, haben wir die Pflicht, darauf hinzuweisen." Dass er bereit gewesen sei, das Projekt zu prüfen, bedeute nicht, dass er je in der jetzt geplanten Form damit einverstanden gewesen sei, betonte Rogner.

Karl Semmler, Gemeinderat in Bad Blumau, wies darauf hin, dass das Projekt intransparent sei und dem Gemeinderat niemals in nachvollziehbarer schriftlicher Form vorgelegt worden sei. "Es gab lediglich mündliche Informationen und den Besuch eines Vorzeige-Referenzbetriebes, bei dem Fotos einer rein agrarindustriellen Produktion aufgenommen wurden. Diese Fotos zeigen klar, wie Tomaten auf Flies mit Flüssignährdünger zu schnellem Wachstum gepusht werden. Bis zu 13 Meter lange Stängel der Tomaten sagen alles." Mit "süß, saftig, steirisch" und bäuerlicher Produktion habe das jedenfalls nichts mehr zu tun.

"Skandalöse Behandlung von Bürgern"

Auch der in Bierbaum lebende bekannte Internist Herbert Riegler wehrt sich mit einem "Aufruf zur Verhinderung" gegen das Projekt. "Eine 26,8 Hektar große Glashausfabrik bedeutet vierzig Hektar Gesamtfläche und Belastungen durch Schwerverkehr in der Tourismusregion. Außerdem ist durch die künstliche Beleuchtung eine Lichtbelastung in der Nacht zu erwarten." Die intransparente Vorgehensweise bei der Umwandlung eines beschaulichen Ortes in einen Industriestandort sei Projektbetreibern wie "Frutura" und "Spar" unwürdig. Alle Informationen würden nur auf Hörensagen beruhen. Klar sei bisher nur, dass es sich um ein "Megaprojekt der Gigantomanie und der Hässlichkeit" handle. "Wie hier mit Bürgerinnen und Bürgern umgegangen wird, ist skandalös", sagte Riegler.

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