Finstere Zeiten für den Naturschutz

Alpenverein fordert einen Stopp der Goldgräber-Mentalität im alpinen Raum

Innsbruck (TP/OTS) - Düstere Zukunftsaussichten im Naturschutz und in der Alpinen Raumordnung meldet der Oesterreichische Alpenverein (OeAV) im Vorfeld seiner Jahreshauptversammlung in Wien. So führen Last-Minute-Strategien zur Durchsetzung von Begehrlichkeiten und Projekten im alpinen Raum immer öfter zum Erfolg. Haarsträubende Beschlüsse, wie unlängst etwa die naturschutzrechtliche Genehmigung zur schitouristischen Erschließung des Piz Val Gronda in der Skimetropole Ischgl, kündigen künftig noch härtere Auseinandersetzungen an.

"Die touristische Erschließungsspirale im Hochgebirge muss zur Erhaltung großräumiger Freiräume durchbrochen werden", fordert Peter Haßlacher, Leiter der Fachabteilung Raumplanung und Naturschutz im Alpenverein. Die Anläufe zur "Entmachtung" von Landesumweltanwälten, zur Errichtung von Wasserkraftanlagen und Seilbahnen in streng geschützten Regionen, zur Zurecht-Biegung von gesetzlichen Grundlagen auf den Stand der 1970er- und frühen 1980er-Jahre müssen dringend gebremst werden. Immer häufiger müssen schließlich Beschwerden bei der Europäischen Kommission eingereicht und der Überprüfungsausschuss der Alpenkonvention angerufen werden.

Umfassendere Bewertung von Projekten gefordert

"Mag ein einzelnes Projekt - etwa im Bereich der Energiewirtschaft - für sich betrachtet noch vertretbar sein, so muss es aufgrund der Masse an Projekten und der räumlichen Überschneidungen von verschiedenen, sich konkurrierenden Raumansprüchen aus überörtlicher Raumordnungssicht höchst kritisch betrachtet werden", so Haßlacher. Das von Kraftwerksplänen betroffene Villgratental beispielsweise sei anders zu bewerten als eine Allerweltslandschaft, da in diesem Osttiroler Seitental eine möglichst intakte Natur- und Kulturlandschaft die Basis für den Natur-Tourismus darstelle.

Effizienzsteigerung anstelle von weiterem Landschaftsverbrauch

Auch Alpenvereinspräsident Christian Wadsack pocht auf ein Umdenken und fordert statt weiterem Landschaftsverbrauch eine Effizienzsteigerung: "Die Energiewende darf nicht mit einem unverhältnismäßigen Natur- und Landschaftsverbrauch für die Erzeugung von elektrischer Energie, von Wind-, Sonnen- oder Bioenergie, für Energiespeicherung und zusätzliche Hochspannungsfreileitungen bezahlt werden. An erster Stelle müssen umfassende Maßnahmen zur Energieeinsparung und zur Effizienzsteigerung von bestehenden Kraftwerken und beim Material- und Energieeinsatz ergriffen werden."

Alpenraumprogramm auf Grundlage der Alpenkonvention

Der Oesterreichische Alpenverein fordert aufgrund der aktuellen "Goldgräber-Mentalität" - jedem Tal sein Wasserkraftwerk, jedem Tal seine Seilbahnen - die Erarbeitung eines Alpenraumprogrammes, welches bestehende Nutzungen optimiert und Freiräume für den naturnahen Tourismus und die Natur erhält. Die in Österreich seit dem Jahre 2002 in Kraft stehende Alpenkonvention mit ihren Durchführungsprotokollen stellt dafür eine ausgezeichnete Grundlage dar. Zur Umsetzung von Maßnahmen in deren Anwendungsbereich sind entsprechende Finanzmittel bereitzustellen, damit dem gesetzlichen Auftrag entsprochen wird und ein echter Mehrwert für die Bevölkerung entsteht.

Landschaftsdebatte und Ratifizierung der Landschaftskonvention

Der Alpenverein fordert weiters die Eröffnung einer intensiven Landschaftsdebatte, damit die Konsequenzen eines ungehemmten Landschaftsverbrauchs und der Zerstörung des Landschaftsbildes für den Tourismus und die Identität der dort wohnenden Menschen klar ersichtlich werden. In diesem Zusammenhang wird die Republik Österreich gedrängt, endlich die europäische Landschaftskonvention zu ratifizieren.

Grundsatzprogramm der Alpenvereine

Um für diese anwachsenden Herausforderungen in den nächsten Jahren inhaltlich im gesamten Verein gerüstet zu sein, bereitet der Alpenverein ein "Grundsatzprogramm der Alpenvereine für Natur- und Landschaftsschutz, nachhaltige Entwicklung und umweltverträglichen Bergsport" zur Beschlussfassung vor. Die Inhalte werden mit dem Deutschen Alpenverein und dem Alpenverein Südtirol abgestimmt.

150 Jahre Alpenverein: Meilensteine im Naturschutz

"Der Oesterreichische Alpenverein blickt auf eine lange und bewegte Vergangenheit mit Höhen und Tiefen zurück - in Summe aber auf eine 150-jährige Erfolgsgeschichte. Auch im Naturschutz konnte der Alpenverein im Lauf seiner Geschichte bemerkenswerte Erfolge erzielen - doch die Verteidigung des alpinen Raums wird in Zukunft wohl immer schwieriger werden", betont Dr. Erich Wetzer, Vizepräsident des Alpenvereins. Bereits im auslaufenden 19. Jahrhundert wurden Bergwaldprojekte initiiert. In der Zwischenkriegszeit legte der Alpenverein mit großangelegten Grundankäufen das Fundament für den ersten österreichischen Nationalpark in den Hohen Tauern. 1927 wurde der Naturschutz in die Satzungen aufgenommen, 1978 das erste Grundsatzprogramm für Naturschutz beschlossen und 1980 die Fachabteilung Raumplanung-Naturschutz für die professionelle Bearbeitung der ersten überbordenden Phase großtechnischer Erschließungen eingerichtet. Mit Erfolg konnten Gletscherschutz, alpine Ruhezonen, Schutz der Alpinregion, Nationalparke, Schutzgebiete und die Alpenkonvention aus der Taufe gehoben werden.

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Facts

Der Alpenverein ist mit 415.000 Mitgliedern der größte Bergsportverein Österreichs und hinter dem Deutschen Alpenverein der zweitgrößte Alpinverband weltweit. 2012 feiert der Alpenverein sein 150-jähriges Jubiläum.

  • Größter alpiner Verein und größte Jugendorganisation Österreichs
  • 415.000 Mitglieder
  • 195 Sektionen
  • 22.000 Mitarbeiter/innen und Funktionär/innen
  • Anwalt der Alpen und gesetzlich anerkannte Umwelt-Organisation
  • Größter Beherbergungsbetrieb Österreichs
  • 238 Schutzhütten und 13.000 Schlafplätze
  • Betreuung von 40.000 km Wanderwegen
  • Mehr als 200 Kletteranlagen

Rückfragen & Kontakt:

Peter Haßlacher
Tel.: +43 (0)664 8556427
Olympiastraße 37
A-6020 Innsbruck
peter.hasslacher@alpenverein.at
http://www.alpenverein.at

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