Bürgerinitiativen organisieren sich gegen Spar

Mehr Verantwortungsbewusstsein im Umgang mit Marktmacht gefordert

Wien (TP/OTS) - Die führenden Handelsketten Spar, Rewe und Hofer verfügen in Österreich über eine Marktmacht, die international ihresgleichen sucht. Bürger, die von Spar-Projekten betroffen sind, wünschen sich von der Handelskette nun mehr Verantwortungsbewusstsein im Umgang mit dieser Marktmacht. Egal, ob es um ein Logistikzentrum in Ebergassing, eine Glashausanlage in Bad Blumau, den Weinanbau in Niederösterreich oder die fragwürdige Kennzeichnung biologischer Lebensmittel geht, die betroffenen Bürger fühlen sich mit ihren Anliegen in der Salzburger Spar-Zentrale nicht ernst genommen.

Logistikzentrum im Naturschutzgebiet

Im niederösterreichischen Ebergassing will Spar gegen den Willen von Bürgern und Anrainern ein Logistikzentrum mit einem Bauvolumen von tausend Einfamilienhäusern und einer damit verbundenen massiven Verkehrsbelastung errichten. Die Bürgerinitiative "Kontra-Logistikzentrum-Ebergassing" kritisiert unter anderem, dass damit in einem Naturschutz-, Wohn- und Erholungsgebiet eine zusätzliche Verkehrsbelastung von 270.000 Personen- und Lastkraftwagen im Jahr entsteht.

"Wir haben bei der Diskussion über das Projekt sehr unangenehme Erfahrungen mit dem Betreiber Spar gemacht", sagen die Sprecher der Bürgerinitiative, Rainhard Ertl und Judith Zeilinger. Laut den beiden Ebergassingern zeigte sich Spar in der Anfangsphase gesprächsbereit, ohne dann je ernsthaft auf die Einwände der Bürger einzugehen oder entsprechende Korrekturen vorzunehmen.
Widerspruch zu Werbebotschaften

Für das Logistikzentrum wurde teilweise "Natura 2000"-Naturschutzgebiet umgewidmet, der zusätzliche Verkehr soll sogar durch ein Naturschutzgebiet fließen. Dies stellt laut der Ebergassinger Bürgerinitiative auch einen Widerspruch zu den Werbebotschaften des Unternehmens dar, das sich in seiner Werbung nachhaltig und ökologisch verantwortungsbewusst zeige. "Wenn die Medien im Spiel sind, geben sich die Spar-Manager ganz als Business-Men, doch abseits davon werden sie schon mal untergriffig. Wenn wir auf die Rechtslage verweisen, unterstellen sie uns, ihnen drohen zu wollen, und wenn wir Schreiben an die Spar-Zentrale richten, bekommen wir keine Antwort. Nur wenn wir für den nötigen Mediendruck sorgen, reagiert die Konzernsprecherin manchmal", so die beiden betroffenen Bürger.

Allianz zwischen Spar und Regionalpolitik

Das Zulassungsverfahren für das Projekt erwecke den Eindruck einer fragwürdigen Allianz zwischen Spar und der Regionalpolitik, erklärten die beiden Sprecher der Ebergassinger Bürger. Obwohl Flächenumwidmungen nicht anlassbezogen sein sollten, sei diese genau auf das Logistikzentrum zugeschnitten gewesen. So wurde unter anderem die zulässige Gebäudehöhe von 15 auf 30 Meter angehoben. "Gerade eine Handelskette, die sich mit ihren Produkten an Menschen wendet, sollte ihren Umgang mit diesen überdenken", sagen Zeilinger und Ertl.

Agrarindustrie in Thermengemeinde

In der Kurort-Gemeinde Bad Blumau unterstützt Spar den Bau einer 26,8 Hektar großen Glashausanlage zur industriellen Herstellung von Tomaten, Paprika und Gurken durch seinen von ihm wirtschaftlich abhängen Hauptlieferanten für Obst und Gemüse, Frutura. Die Bürgerinitiative "Schützt Bad Blumau" appelliert an Spar, das Großprojekt im Erholungsraum der Thermengemeinde, nahe dem "Natura 2000"-Naturschutzgebiet, abzublasen. Die Lebensqualität in der Gemeinde sei gefährdet, zudem drohe wirtschaftlicher Schaden, so die Begründung. Denn zur Beheizung der Glashausanlage wollen die Betreiber mehr Thermalwasser nutzen, als alle steirischen Gemeinden miteinander. "Experten zufolge kann das die Wirtschaftlichkeit des touristischen Leitbetriebs der Region, des Rogner Bad Blumau, sowie zahlreicher weiterer örtlicher Tourismus- und Beherbergungsbetriebe gefährden", sagt Maria Perl, Obfrau des Bad Blumauer Tourismusverbandes.

Bauernsterben durch Handelskette

Hinzu kämen weitreichende Folgen für die Bauern der Region und in ganz Österreich, betonte Karl Semmler, Bad Blumauer Gemeinderat und Sprecher der Bürgerplattform. "Wenn Frutura für Spar in derart großem Umfang in die Gemüseproduktion einsteigt, erhöht sich zuerst der Preisdruck auf die Bauern, der schon jetzt hoch ist, und in der Folge kommt es zu einem Bauernsterben auch von mittleren und größeren Betrieben. Verstärkte Grundkäufe und Eigenproduktionen der großen Lebensmittelhändler werden letztlich zu Steigerungen der Konsumentenpreise führen. Die Politik in Bund und Ländern ist dringend gefordert, den Ausverkauf von Grund und Boden zur Eigenproduktion an Lebensmittelhändler einzuschränken."

Semmler und Perl betonen, dass es wie in Ebergassing auch in Bad Blumau eine fragwürdige Allianz zwischen Spar beziehungsweise Frutura und einigen Regionalpolitikern gäbe. So habe sich der Bad Blumauer Bürgermeister zum Projekt als befangen erklären müssen, nachdem er Medienberichten zufolge ein Grundstück an die Betreiber des Glashausprojektes verkauft hatte.

Weinbauern unter Druck

Kritisch zu Wort meldeten sich auch die beiden niederösterreichischen Winzer Anna Paradeiser und Josef Bräutigam. Es geht um mehrere seit Jahren laufende Aufkäufe von Weinanbauflächen samt einer großen Kellerei in Niederösterreich beziehungsweise um den Aufkauf anderer landwirtschaftlicher Flächen, die für den Weinanbau umgewidmet werden. Spar würde Bauern immer wieder am Markt befindliche Anbauflächen wegschnappen. Demnach bot Spar Bauern auch Abnahmeverträge an, die ein Vorkaufsrecht auf ihre Anbauflächen beinhalten, sollten die Bauern eines Tages verkaufen wollen. Paradeiser und Bräutigam, die über die Gründung einer eigenen Bürgerinitiative nachdenken, warnen ganz wie Semmler im Bereich Gemüse vor einer Industrialisierung des österreichischen Weinbaus zu Lasten der bäuerlichen Produzenten und der Konsumenten.

Zweifelhafte Ursprungsgarantie

Kritisch zu Wort über die Politik von Spar meldete sich auch der Agrarbiologe und Sachbuchautor Dipl.-Ing. Clemens G. Arvay. In seinem Buch "Der große Bioschmäh - Wie uns die Lebensmittelkonzerne an der Nase herumführen", zeigte er, was wirklich hinter den Bio-Marken der großen Lebensmittelkonzerne Österreichs steckt. Ausgehend von den vollmundigen Versprechen der Werbung machte er sich in Wallraff-Manier auf die Suche nach der Realität der industriellen Bio-Produktion. Anstatt auf idyllische Bio-Bauernhöfe und glückliche Schweinchen, stieß er auf Tierfabriken, endlose Monokulturen, rasende Kükenfließbänder und industrielle Akkordschlachthöfe. Er sah sich auch in den großen Produktionsbetrieben für Bio-Gemüse der heimischen Supermärkte um und dokumentierte die dortigen Arbeitsbedingungen für Saisonarbeitskräfte aus dem Ausland. Als er zweimal die sogenannte "biologische Ursprungsgarantie" von Spar zurückverfolgte, stieß er in beiden Fällen auf ahnungslose Unterzeichner, die von der Verwendung ihrer Unterschrift durch Spar weder etwas wussten, noch irgendetwas über die Produkte aussagen konnten, auf denen sie als Bürge für die "biologische Bewirtschaftung im Einklang mit der Natur" und die angebliche regionale Herkunft der Zutaten angeführt waren.

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Bernhard Salomon
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