Welterfolg mit Hindernissen

Casinos Austria Tourismus Talk in Innsbruck erörtert Strukturprobleme im österreichischen Tourismus

Innsbruck (OTS) - Die Tourismus-Statistik vermeldet jedes Jahr Nächtigungsrekorde. Doch zugleich klagt die Hotellerie über sinkende Erträge und schlechte Auslastung. Läuft da etwas schief?

Tatsächlich ortete eine hochkarätige Gesprächsrunde beim Casinos Austria Tourismus Talk am 12. März im Casino Innsbruck gravierende Strukturprobleme in einer insgesamt höchst aktiven Branche. "Stadt gegen Land, Umsatz gegen Ertrag" lautete das Thema. Unter der Moderation der Redakteurin der Tiroler Tageszeitung, Nina Werlberger, diskutierten Tirols LH Stv. Gerhard Reheis, der Präsident der Österreichischen Hoteliervereinigung (ÖHV) Mag. Gregor Hoch, ÖHV-Vizepräsident Florian Singer, der Geschäftsführer des Verlags Tourismuswirtschaft Austria International (TAI), Mag. Christopher Norden, der Tourismusexperte Dr. Helmut Zolles, sowie als Gastgeber Casinos Austria Vorstandsdirektor Mag. Dietmar Hoscher.

Der Titel spielt auf zwei problematische Entwicklungen der jüngeren Zeit an: Der Städtetourismus weist die höchsten Zuwächse auf, während in den eigentlichen Tourismusregionen die Zahlen stagnieren. Zugleich verlagert sich das Geschäft immer stärker in den Winter, was es für die Hotels noch schwieriger macht, ganzjährig gleichmäßigen Betrieb aufrecht zu erhalten. Zudem wird der Anstieg der Umsätze immer öfter durch einen Verfall der Preise erkauft. Das hartnäckigste Strukturproblem liegt aber in der mangelnden Ertrags-und Kapitalsituation der Branche, erinnerte Casinos-Vorstand Hoscher:
"Die Tourismus- und Freizeitwirtschaft ist, gemessen am Beitrag zum Bruttoinlandsprodukt, wohl die wichtigste heimische Branche, die auch weiter Beschäftigung generiert, aber die Eigenkapitalzahlen der Tourismusbetriebe sind im Median vielfach negativ. Das ist ein Widerspruch, unter dem der gesamte Sektor seit vielen Jahren leidet. Wir müssen daher noch stärker auf eine Entwicklung setzen, die weggeht vom Fetisch der hohen Nächtigungszahlen und mehr die Wertschöpfung im Auge hat."

"Nächtigungen sind noch keine Umsätze und Umsätze sind noch keine Erträge", stimmte ÖHV-Präsident Hoch zu. Die Hoteliers leiden unter vielen hausgemachten, auch politischen, Problemen, klagte Hoch und nannte etwa die extrem langen Abschreibungszeiten für Investitionen in Hotelanlagen: "Da gilt die Abschreibungsdauer von 33 Jahren, aber ein Badezimmer in einem gehobenen Hotel müssen Sie spätestens nach zehn Jahren erneuern." Wünschenswert wäre überdies "eine Ausstiegsförderung für Hotels, die nicht mehr wirtschaftlich geführt werden können. Viele solcher Betriebe können sich schlicht die Kosten einer Schließung nicht leisten, machen deshalb weiter und verhindern so die nötige Strukturbereinigung." Derzeit stünden österreichweit 6000 Betriebe zur Übergabe an, schätzt Hoch.

Vizepräsident Singer ortete vor allem in der Sommersaison Probleme, die in vielen Regionen schwache Auslastungen bringt und daher von den Hotels "mit Schnäppchenangeboten überbrückt wird, die dann auf Dauer das Preisniveau ruinieren." Singer fordert von seiner eigenen Branche "den Mut zum Preis, denn wir verkaufen unsere hohe Qualität zu billig." Auch von der Tourismuswerbung erwartet sich der Tiroler Hotelier, "dass sie nicht nur schöne Bilder liefert, sondern auch verkauft."

Die Politik müsse eine aktivere Rolle bei der Lösung der Strukturprobleme spielen, bekannte auch Tirols Landeshauptmann-Stellvertreter Gerhard Reheis (SPÖ), der den Tourismus "eine der Quellen für den Wohlstand in Tirol" nannte. Allerdings handle es sich überwiegend um Probleme, die ein Bundesland allein nicht lösen könne: "Wir brauchen u.a. unbedingt eine hochwertige Einrichtung für Tourismusforschung, die uns die Grundlagen für eine koordinierte Politik liefert." Zu den Rahmenbedingungen, die die Politik schaffen könne, gehöre auch die Infrastruktur: "Eine direkte schnelle Bahnverbindung von Innsbruck zum Münchner Flughafen wäre ein großer Vorteil für den Tiroler Tourismus."

Eine Konzentration auf die Stärken sowie ein "Erobern der Sommersaison durch innovative Konzepte" - so lauteten die Empfehlungen der weiteren Tourismusexperten auf dem Podium. "Österreichs Tourismus ist ein Welterfolg", betonte Berater Zolles, "er braucht aber den Schulterschluss zwischen allen Beteiligten, um die Defizite zu beseitigen und neue Strategien entwickeln zu können. Er nannte "Wandern" und "Gesundheitstourismus" als zwei Konzepte von vielen, die Potenzial für Ganzjahrestourismus haben, die aber kreativ weiterentwickelt werden müssten: "Wellness allein bringt's nicht mehr, das ist schon allgegenwärtig und banalisiert. Und Wandern darf ebenfalls nicht altvaterisch daherkommen - aber wenn man's richtig macht, hat das enorm viele Anhänger."

TAI-Chef Norden ermunterte, sich "zu den positiven Österreich-Klischees zu bekennen. Berge, Lederhosen, Kaiserin Sissy, Lipizzaner - wir schämen uns oft für diese Bilder, aber genau dafür werden wir im Ausland geliebt." Das heißt aber nicht, dass nur Althergebrachtes gefragt sei: "Wir sehen, dass moderne Architektur und cooles Design wichtige Besuchermagneten werden können. Gerade im Alpenraum gibt es großartige Beispiele für gelungene, sensible und zugleich spannende moderne Architektur." Hier müsse eine Verbindung gefunden werden.

Einig waren sich jedenfalls alle Teilnehmer, dass der Tourismus keinen weiteren Belastungen durch Abgaben oder höhere Auflagen ausgesetzt werden dürfe, ganz im Gegenteil. "Nach wie vor ist die Tourismus- und Freizeitbranche eine Hochsteuerbranche, was auch die internationale Wettbewerbssituation verzerre", so Hoscher. Eine höhere Mehrwertsteuer - wie jüngst gefordert - wäre "tödlich für uns", wie Hoch drastisch formulierte, "in der Schweiz zahlt die Hotellerie 3%, in Deutschland 7%, die EU empfiehlt 5% d - und bei uns werden 22% diskutiert. Das ist geradezu verrückt."

Die Debatte wurde auch durch zahlreiche Wortmeldungen aus dem Publikum sowie beim anschließenden Empfang im Casino Innsbruck weitergeführt - dafür sorgten unter anderem Gäste wie der Abg. z. NR Mathias Venier, die Kitzbüheler Tourismusobfrau Signe Reisch, Josef Falkner von der Tiroler Tourismusvereinigung, sowie die Top-Hoteliers Florian Werner (Arlberg Hospiz), Johann Mauracher (Ayurveda Resort Sonnhof), Gabriela und Marc Florian Koch (Hotel Maximilian) sowie Martin Eberharter (Capella Natura Vitalis).

Gastgeber Mag. Hoscher zeigte sich zufrieden mit dem Ergebnis der Veranstaltung: "Ich freue mich über das positive Echo und die intensive Diskussion. Casinos Austria hat sich als Leitbetrieb des heimischen Tourismus die Aufgabe gestellt, eine Plattform für die Auseinandersetzung mit aktuellen Fragen und Themen zu bieten. Der Abend zeigt, dass es dafür echten Bedarf gibt."

Rückfragen & Kontakt:

Mag. Hermann Pamminger
Casinos Austria AG
Tel.: +43/1/ 53440 - 22527
E-Mail: hermann.pamminger@casinos.at
Homepage: www.casinos.at

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