ÖHV-Vizepräsident Singer: Mehr Tourismus statt mehr Urlaub

Tirol braucht mehr Tourismus, aber weniger Hotels

Tirol (TP/OTS) - Nirgendwo ist der Tourismus wichtiger als in Tirol. Wirtschaftspolitisch müsste sich das aber stärker auswirken, erklärt ÖHV-Vizepräsident Florian Singer. Denn Wertschöpfung, Arbeitsplätze und Lehrstellen wachsen hier am stärksten.

"Mit 18 % BIP-Beitrag des Tourismus liegt Tirol im Bundesländer-Ranking ganz vorne. Im Österreich-Durchschnitt sind es 5,5 %. Und wir werden da noch etwas drauflegen - das tut dem Land gut", erklärt Florian Singer, Hotelier vom Singer Sporthotel & SPA in Berwang, Vizepräsident der Österreichischen Hoteliervereinigung (ÖHV) und Mitglied im Koordinationsausschuss Tourismus.

Singer fordert nachhaltige Tourismuspolitik für Tirol

Im Vorjahr verzeichnete Tirol 44,3 Mio. Nächtigungen, das war jede dritte in Österreich. Im Durchschnitt geben die Gäste im Winter 123, im Sommer 97 Euro je Nächtigung aus. In Summe waren das im Vorjahr 5,6 Mrd. Euro. Mehr als 71.000 Beschäftigte verdienen im Tiroler Tourismus ihren Lebensunterhalt. Von der neuen Landesregierung erwartet Singer "eine fokussierte Tourismuspolitik, die auf nachhaltiges qualitatives Wachstum abzielt. Denn diese Erfolge fallen uns nicht in den Schoß. Da braucht es schon Engagement für die Leitbranche der Tiroler Wirtschaft", hält Singer fest.

Mehr Einkommen für Mitarbeiter

Der zu erwartende Nächtigungsrekord im Winter 2012/13 ist für Singer "ein Grund, wirklich stolz zu sein auf unser schönes Land und unsere Gastgeberqualitäten: Dass so viele Gäste zu uns kommen, ist die schönste Auszeichnung." Leben können die Hoteliers und ihre Mitarbeiter davon alleine aber nicht: "Am Ende des Tages zählt, was bleibt. Davon bezahlen wir unsere Mitarbeiter, damit investieren wir in unsere Hotels und davon profitieren somit die Betriebe in der Umgebung." Zunehmend problematisch wird, dass "Steuern und Abgaben die Ergebnisse stark drücken, wir die Preise aber nicht so heben können, wie es notwendig wäre. Das lässt der Markt nicht zu."

Wettbewerbsfähigkeit steigern statt gefährden

Umso wichtiger wäre, dass der Tiroler Tourismus seine Spitzenposition ausbauen kann: "Tourismus ist Landessache, da ist das Land gefordert", verweist Singer auf die Verantwortung der Landesregierung. "Wo Entscheidungen auf Bundesebene gefällt werden, muss die Landesregierung ihr politisches Gewicht in die Waagschale werfen, um das Optimum herauszuholen. Es geht um Mitarbeiter, um Steuern, um die Zukunft Tirols", appelliert der Branchenvertreter an das Engagement der politischen Führung im Land. Das Um und Auf sei die Wettbewerbsfähigkeit. "Und die schränkt die Politik massiv ein:
Lohnnebenkosten, nicht nutzungskonforme Abschreibung, Betriebsübergabe, Grundsteuer - wo Tourismus draufsteht, greift die Finanz gerne zu", verweist Singer auf steigende Kosten für die Arbeitgeberbetriebe. Für die Forderung nach 6 Wochen Urlaub und Überstundenstrafsteuer hat er nichts übrig: "Dass der Tourismus davon profitieren würde ist ein absoluter Irrtum: Die Arbeitskosten steigen stark, mehr Urlaub kann sich deswegen aber niemand leisten. So können weder wir noch unsere Mitarbeiter arbeiten. Urlaub muss leistbar sein - für beide Seiten."

Mehr Tourismus senkt Arbeitslosigkeit und steigert Einkommen

Im EU-weiten Vergleich legen Tirol und Salzburg mit einer Arbeitslosenrate von 2,5 % den anderen Regionen einiges vor. Im März ist in Tirol als einzigem Bundesland die Arbeitslosigkeit gesunken:
"Akademikerquote oder Frauen in die Technik hin oder her: Unser Jobmotor ist unsere Leitbranche Tourismus, da sind wir die besten. Und das sollten wir nützen." Angesichts der schwierigen Lage auf dem Arbeitsmarkt schlägt die ÖHV ein innovatives Modell zur Saisonverlängerung vor, das die öffentliche Hand keinen Cent kostet. "Im Gegenteil: Die Gäste geben mehr aus, das bringt Steuern und schafft Arbeitsplätze. Und längere Beschäftigung bedeutet mehr Einkommen", erklärt Singer. Die Nachfrage von Gästen sei da, sie müsse nur bedient werden.

Mehr Mitarbeiter, mehr im Börsel

Seit der letzten Landtagswahl ist die Zahl der Mitarbeiter im Tiroler Tourismus um 5,8 % gestiegen, stärker als in jeder anderen Branche. "Wir brauchen Mitarbeiter. Wir müssen sie uns aber leisten können", spricht Singer einen politischen Kardinalfehler an: "Mit Mitarbeiterkosten von 40 % des Umsatzes sind wir am Plafond angelangt und die Mitarbeiter verdienen immer noch zu wenig. Hier müssen wir ansetzen", fordert Singer eine Kehrtwende: "Wohnbauförderung, AUVA-Beitrag, Insolvenzentgeltfonds: alles Lohnbestandteile, die die Politik dem Mitarbeiter wegnimmt und zweckentfremdet. Das muss aufhören", so der ÖHV-Vizepräsident.

Weniger "falsche" Hotels

Mehr Betten braucht es nicht, um mehr Wertschöpfung aus dem Tourismus zu beziehen: "Wir brauchen die richtigen Betten. Die 'falschen' müssen weg, sie ruinieren die Preise. Davon hat niemand etwas", so Singer. Man solle "die Betriebe zusperren lassen, bei denen die Unternehmer nicht mehr wollen, anstatt sie aus steuerlichen Gründen zu zwingen, weiterzuarbeiten. Alles andere kommt uns viel teurer", berichtet Singer. Sonst setzt ein Teufelskreis aus Dumpingpreisen und fehlenden Investitionen die ganze Region unter Druck. Solche Betriebe sollten steuerneutral geschlossen und als Altersheim oder Mitarbeiterwohnung genutzt werden können. Neue Projekte sollen ebenfalls in einem größeren Zusammenhang gesehen werden: "Die Aussicht auf Kommunalsteuer und Tourismusabgabe alleine sind zu wenig, wenn die Auslastung und das Preisgefüge in der Region aus der Balance geraten."

Erfolgreiche Interessenvertretung für Österreichs Tourismus

Die ÖHV gestaltet seit 60 Jahren als freiwillige parteiunabhängige Interessenvertretung der führenden Hotellerie durch Lobbying die Rahmenbedingungen für modernes Unternehmertum. Mehr als 1.200 Mitgliedsbetriebe, davon 238 in Tirol, nutzen operative Dienstleistungen in Marketing und Weiterbildung genauso wie ihren Vorsprung durch Innovation und Vernetzung. Mit rund 152.000 Betten -das entspricht zwei Drittel der Kapazität in der 4- bis 5-Sterne-Superior-Hotellerie - und mehr als 40.000 Mitarbeitern erwirtschaften die ÖHV-Mitglieder einen Gesamtumsatz von rund 3 Mrd. Euro. Die Tourismus- und Freizeitwirtschaft generierte als Österreichs Wirtschaftsmotor 2011 über direkte und indirekte Wertschöpfung 14,6 % des BIP und jeden 5. Vollarbeitsplatz.

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