ÖHV-Veit: Salzburg braucht Tourismusoffensive

Förderungen für Unternehmen, die Arbeitsplätze schaffen

Salzburg/Wien (TP/OTS) - Tourismusmitarbeiter wurden beschimpft, die Anreise per Flugzeug soll erschwert werden. Damit der Jobmotor Tourismus auch weiter auf Hochtouren läuft, fordert ÖHV-Vizepräsident Veit von der neuen Landesregierung, "dass der Strategieplan Tourismus 2020 nachjustiert und gelebt wird."

"Allen Jubelmeldungen zum Trotz: Die Tourismusbilanz der vergangenen Jahre ist sehr durchwachsen. Wir stehen heute schlechter da als vor der letzten Landtagswahl", erklärt Ing. Walter Veit, Vizepräsident der Österreichischen Hoteliervereinigung (ÖHV), bei einer Bilanzpressekonferenz mit ÖHV-Präsident Mag. Gregor Hoch.

2012 kamen um 11,3 % mehr Gäste als 2008, die Nächtigungen blieben mit +3 % deutlich zurück, die Zahl der Qualitätsbetten stieg um 10,2 %. "Tag für Tag standen um Tausende Betten mehr leer als 2008", erklärt Veit. Lag die Auslastung schon 2008 um 0,5 Prozentpunkte unter dem Wert von 2007, sank sie um einen weiteren Prozentpunkt:
"Wer so viele neue Betten bauen lässt, muss bei der Bewerbung Gas geben." Um die Auslastung zu halten, bräuchte Salzburg 2 Mio. Nächtigungen mehr, so Veit: "Von einer Steigerung ist da noch gar keine Rede!"

In der ÖHV-Destinationsstudie 2013, die die Entwicklung von Nächtigungen, Ankünften, Umsatz und Auslastung der 88 österreichischen Destinationen vergleicht, verzeichnet Salzburg die meisten Top-Perfomer, liegt aber auch bei den unterdurchschnittlichen Regionen vorne.

Jobs rauf, Steuern runter!

Bei den Einnahmen wird es noch länger dauern, das Vorkrisenniveau zu erreichen. "Die Preise sind am Boden, die Kosten heben ab. Das geht an die Substanz", erklärt Hoch. "Um 9,5 % höhere Mindestlöhne, die Auflösungsabgabe und die Streichung der Energieabgabenvergütung gehen ins Geld", erklärt Hoch, der Gegenmaßnahmen vermisst: "Dafür, dass Tourismus in Österreich Landessache ist, kommt von Seiten der Länder zu wenig. Wir bräuchten für jeden Euro Belastung durch den Bund einen Euro Förderung vom Land. Davon ist nichts zu bemerken und auch in den Parteiprogrammen steht nichts in diese Richtung", so Veit.

Mitarbeiterbeschimpfung und Anreisebehinderung als Wahlprogramm

Von Politikern, die sich um eine Position in der Landesregierung bewerben, erwartet Veit Engagement für das Land und die Wirtschaft. Wer Mitarbeiter beschimpft, ist für ihn als Kandidat inakzeptabel. Auch wer Gäste an der Anreise hindern will, gebe "keine Wahlempfehlung an alle ab, die von und in Tourismusgemeinden leben", hält Veit fest. "Mir, und da kann ich für die ganze ÖHV sprechen, geht es um die Sache, und die Sache ist der Tourismus als Leitbranche für das Land Salzburg." Die ÖHV hat alle Landtagsparteien angeschrieben, um die Tourismusprogramme für die kommenden Jahre zu vergleichen: "Wir haben von fast allen eine Antwort erhalten, und wir sehen, das ist das Beste, bei allen Potential nach oben", so Veit.

Strategieplan Tourismus 2020: Veit wünscht sich "mehr Substanz"

Den Strategieplan Tourismus 2020 sieht er "als Verbesserung, aber da wäre mehr drinnen gewesen", bedauert Veit, der daran mitgearbeitet hat, die vertane Chance bei der Saisonverlängerung:
"Wir haben ein Konzept, das die Hoteliers und die Tourismusgemeinden mittragen, und das keinen Cent kostet. Im Gegenteil: Es bringt Mehreinnahmen, senkt die Arbeitslosigkeit und fängt die aus dem Ruder laufenden Sozialkosten ein. Aber es wird nicht umgesetzt." Die im Strategieplan gesetzten Maßnahmen zur Saisonausweitung sind richtig, greifen aber zu kurz: "An das Modell, dessen Umsetzung Landeshauptfrau Burgstaller bereits 2010 beim ÖHV-Hotelierkongress in Zell am See zugesagt hat, reicht das bei weitem nicht heran. Umgesetzt ist es bis heute nicht."

ÖHV-Modell senkt Arbeitslosenkosten und erhöht Staatseinnahmen

Das ÖHV-Modell kostet den Steuerzahler keinen Cent. Hotelmitarbeiter, die früher zwischen den Saisonen nicht beschäftigt werden konnten, sollen in der Zwischensaison das AMS-Geld auf drei Jahre befristet als Gehaltsbestandteil bekommen. "Das bringt die gewünschten Ganzjahresjobs für die Mitarbeiter und die Lohnnebenkostensenkung in der schwierigen Anfangsphase. Der Staat kassiert bei Gästeausgaben und Lohnnebenkosten mit", erklärt Veit.

Schluss mit Ortsbild-Verschandelung

Auch andere Entwicklungen, die die touristische Wertschöpfung und die Arbeitsplätze im Land gefährden, würden von der Politik weitestgehend ignoriert oder in Verkennung der Tatsachen sogar noch vorangetrieben. "Unsere Gäste kommen zu uns, weil es ihnen bei uns gefällt. Wenn wir bei der Raumordnung nicht bald etwas ändern, ist es damit vorbei. Niemand kommt, um sich Parkplätze von Einkaufszentren, Gewerbegebiete und leer stehende Zweitwohnsitze anzusehen.

Das ist doch abstoßend", fordert Veit, dass mit der Verschandelung der Ortsbilder endlich Schluss ist: "Da wird zu viel kurzfristig gedacht und nur genau bis zum Ortsschild. Wer Ortskerne zerstört, vertreibt Gäste. Wir müssen uns ansehen, wie viel Gewerbe, wie viele Zweitwohnsitze, aber auch wie viele Gäste das Land verträgt. Davor dürfen wir nicht zurückschrecken. Auch das gehört in ein Konzept zur Zukunft des Tourismus und des Landes Salzburg."

Die Grenzen des Wachstums

Veit sieht in Salzburg noch einiges an touristischem Potential:
"Aber eher im qualitativen Wachstum als in der Steigerung der Ankünfte: Es geht um die Wertschöpfung, nicht um Köpfe." Veit plädiert für die Verbesserung des bestehenden Angebots: "Die Top-Hotellerie schafft Arbeitsplätze, die Gäste der Top-Hotellerie geben überdurchschnittlich viel aus. Hier sollten wir ansetzen", verweist Veit auf Benchmarks, die etwa sich in anderen Bereichen der Tourismuspolitik durchgesetzt haben.

Beschäftigung und Wertschöpfung vor Ort als Förderkriterien

Im Salzburger Tourismus ist die Zahl der Mitarbeiter zwischen 2008 und 2012 um 8,4 % oder 1.784 Personen gestiegen. Für die Herstellung von Waren wurde im Salzburg - im Gegensatz zum bundesweiten Trend -zumindest kein Rückgang festgestellt: "Da hat es einen Zuwachs von 4 Mitarbeitern gegeben. Ich freue mich für diese vier Personen sehr und würde ihnen gerne persönlich gratulieren - allen vieren. Wenn man sich allerdings den Aufwand hinter diesen vier Arbeitsplätzen ansieht und was man damit im Tourismus erreicht hätte, stellt sich eine Frage: ob die Mittel zweckmäßig eingesetzt werden", hinterfragt Veit die Schwerpunkte in der Wirtschaftspolitik.

Denkbar ist für Veit etwa, die Vergabe von Förderungen mit der Schaffung von Arbeitsplätzen im Land zu verknüpfen: "Wir haben in Salzburg gemeinsam mit Tirol die niedrigste Arbeitslosigkeit unter allen EU-Regionen. Das liegt weder an der hohen Akademikerquote noch an 'Frauen in die Technik'. Die Politik sollte sich also auf unsere Stärken konzentrieren und das ist der Qualitätstourismus", erklärt Veit.

Mehr Verantwortung im Umgang mit fremdem Geld

Mehr Verantwortungsbewusstsein verlangen die Branchenvertreter von der Politik im Umgang mit den Lohnbestandteilen, die der Staat einbehält: "Da geht es uns um Quantität und Qualität: Es muss Schluss sein mit der ständigen Erhöhung der Lohnnebenkosten und wir brauchen eine strikte Kontrolle, was mit dem Geld passiert, das man unseren Mitarbeitern wegnimmt", verweist Hoch auf den Missbrauch der Wohnbauförderung, die Zweckentfremdung der Beiträge zu Unfallversicherung und Familienfonds oder der Auflösungsabgabe: "Die schafft keinen einzigen Arbeitsplatz. Sie leert nur die Kassen der Betriebe."

Die Lohnnebenkosten will Hoch auf das Mindestmaß reduzieren: "Es gibt keine Notwendigkeit, die Arbeitskosten um jeden Preis künstlich hoch zu halten. Wir liegen ohnehin in allen internationalen Vergleichen vorne, und das muss wirklich nicht sein." Überstunden-Euro und 6 Wochen Urlaub hätten als Wahlkampfgag ihre Berechtigung, sollten dann aber wieder rasch eingemottet werden bis zum nächsten Wahlkampf.

Salzburgs Zukunft liegt im Tourismus

"Eines muss uns klar sein: Egal, wie viele Arbeitsplätze der öffentliche Dienst und andere Branchen abbauen müssen: Wir im Tourismus haben die Chance, für dieses Land eine große Zukunft zu erarbeiten. Aber das geht nur mit einer Politik, die sich ernsthaft mit unseren Chancen und Gefahren auseinandersetzt. Wir sind Unternehmer vom alten Schlag, bei denen der Grundsatz des ordentlichen Kaufmanns noch gilt. Unsere Handschlagqualität ist ein Angebot. Die Politik täte gut daran, es anzunehmen", so Veit.

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