Substanzsteuern gefährden Arbeitsplätze: Keine Bestrafung der Hotellerie als Beschäftigungsmotor

Wien (TP/OTS) - Die Ergebnisse einer Analyse von KMU Forschung Austria im Auftrag des Fachverbandes Hotellerie in der Wirtschaftskammer Österreich und der Österreichischen Hoteliervereinigung (ÖHV) unterstützen die Bedenken gegen weitere Steuerbelastungen für die Branche. Sollten die politischen Überlegungen von neuen Substanzsteuern Gestalt annehmen, stehen Tausende Arbeitsplätze auf dem Spiel. Betriebsergebnisse werden halbiert, und Investitionen gehen zurück.

"Die diskutierten Substanzsteuern schaden Österreichs Hotellerie. Wird die Kuh geschlachtet, gibt es keine Milch mehr. Finger weg von weiteren Mehrbelastungen einer Branche, die selbst heute noch sichere Arbeitsplätze bietet."

Dieses Fazit ziehen Dr. Klaus Ennemoser, Bundes-Obmann des Fachverbands Hotellerie in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), und Thomas Reisenzahn, Generalsekretär der Österreichischen Hoteliervereinigung (ÖHV), aus einer Analyse von KMU Forschung Austria. Untersucht wurde, wie sich die Konzepte von Grundsteuern, Grunderwerbssteuern, Vermögenssteuer sowie Erbschafts- und Schenkungssteuer auswirken würden.

Substanzsteuer neu: 130 Mio. Euro alleine von der Hotellerie

Die Effekte auf die KMU-dominierte Branche alarmieren selbst die Experten. Denn jede neue Erhöhung erhöht das Rekordsteuerniveau weiter, in Summe um 130 Mio. Euro alleine für die betroffenen Hotels:
"Das wäre ein Schlag ins Gesicht aller, die in den Tourismusregionen leben und arbeiten. Das Geld, das die Finanz aus den Betrieben abzieht, fehlt dort natürlich", so Ennemoser.

Steuerpläne reduzieren Betriebsergebnisse um rd. 50 %

Getroffen würden ganz gezielt vitale Arbeitgeberbetriebe mit überdurchschnittlich hohem Investitionsaufkommen - Vorzeigebetriebe, die ganze Regionen am Leben erhalten und international wettbewerbsfähig bleiben müssen. Die in der diskutierten Form europaweit einzigartige Wiedereinführung von Substanzsteuern würde zu einem beispiellosen Kahlschlag führen. Auf den einzelnen Betrieb heruntergerechnet wird klar, wie sich falsch verstandene "Gerechtigkeit" auf die Arbeitsplätze im Land auswirken würde: Laut Analyse der Bilanzen von 2.800 Hotels würden die zusätzlichen Belastungen die Betriebsergebnisse um bis zu 50 % schmälern:
"Belastungen dieser Größenordnung überlebt kein Betrieb. Darüber hinaus wären Zulieferbetriebe in der Region etwa im Handwerk gefährdet, was den negativen Effekt vervielfachen würde", erklärt Reisenzahn.

Steuern senken statt erhöhen

Wer Vermögen besteuert, belastet bereits versteuerte Einkünfte doppelt. Besonders prekär wäre die Veränderung der Bemessungsgrundlage, die zu höheren Steuerzahlungen für Hotels führen würde. Dramatisch zeigt sich das bei der Grundsteuer, von der rund 91% der untersuchten Unternehmen betroffen sind. Diese ist unabhängig von Betriebsergebnis und Verschuldungsgrad zu bezahlen, und eine Anpassung der Bemessungsgrundlage an die Verkehrswerte würde eine Erhöhung bis zum 10-Fachen der derzeitigen Grundsteuer bedeuten. Für Hotels sind gute Standorte und attraktive Immobilien betriebsnotwendig, in die viel investiert werden muss.

Und jetzt sollen die Unternehmer dafür, dass sie ganze Regionen auf eigenes Risiko entwickelt haben, zur Kasse gebeten werden. "Wer meint, mit der Anpassung von Einheitswerten auf den Verkehrswert den Stein der Weisen entdeckt zu haben, ist auf dem Holzweg. Jeder internationale Vergleich zeigt, dass wir uns bei der Steuerlast nur in eine Richtung bewegen können - nämlich nach unten", verweist Ennemoser auf den aktuellsten verfügbaren Eurostat-Vergleich, demzufolge Österreich mit einer Gesamtsteuerlast von 44 % deutlich über dem Durchschnitt von 40 % liegt. "Österreichs Hotellerie trifft besonders die stark überdurchschnittliche Besteuerung von Arbeit. Diese liegt hier bei 48,9 %, im OECD-Durchschnitt nur bei 35,6 %. Wenn wir jetzt noch andere Steuern erhöhen, sind wir nicht mehr wettbewerbsfähig. Wir müssen die Steuern im Gegenteil senken", fordert Reisenzahn.

Substanzsteuer: zusätzliche große Hürde für Unternehmensnachfolge

"In der Hotellerie dominieren Familienbetriebe und familieninterne Übergaben. Das ist ein nicht zu unterschätzender Wettbewerbsvorteil gegenüber der internationalen Konkurrenz", hält Ennemoser fest. Alleine dafür, dass es als Familienbetrieb weitergeführt werden kann, müsste ein mittelgroßes Unternehmen der gehobenen Kategorie künftig bei der Übergabe im Durchschnitt das Dreifache des jährlichen Betriebsergebnisses an die Finanz abführen. Inklusive formal- und gewerberechtlicher Schritte im Rahmen der Übergabe und unvermeidlicher Finanzierungskosten würde die Übernahme eines mittelgroßen Familienbetriebs bis zu fünf Jahresergebnisse kosten. Alleine die Erbschaftssteuer beliefe sich auf mehr als 500.000 Euro für ein einziges Hotel der gehobenen Kategorie. Dazu kämen die Grunderwerbssteuer in sechsstelliger Euro-Höhe, die jährliche Vermögenssteuer sowie die Grundsteuer. Damit es nicht soweit kommt, will Reisenzahn vor der Diskussion über Steuerprozentsätze die Bemessungsgrundlage geklärt wissen und wie der Wert der Grundstücke im Einzelfall festgestellt werden soll.

Fachverband und ÖHV fordern KMU-kompatibles Steuerkonzept

"Zusammen wäre das ein Vielfaches des EGT und damit das Ende vieler Familienbetriebe und ihrer Arbeitsplätze. Wer das nicht will, muss aufhören, KMU über Gebühr zu belasten", so Reisenzahn. Denn auch wenn jeder, der einen Betrieb übernimmt, unternehmerisches Risiko und Verantwortung für seine Mitarbeiter trägt, darf er nicht zur staatlichen Budgetsanierung in die eigene Überschuldung geführt werden. Der Fachverband Hotellerie und die ÖHV fordern: Hände weg von neuen Steuern und ein KMU-kompatibles Steuerkonzept.

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Bildunterschrift (v.l.n.r.): Thomas Reisenzahn, Generalsekretär ÖHV, Dr. Klaus Ennemoser, Bundesobmann des Fachverbands Hotellerie in der Wirtschaftskammer Österreich, Mag. Peter Voithofer, Direktor der KMU Forschung Austria.
Fotocredit: WKÖ/Leithner

Der Fachverband Hotellerie in der Wirtschaftskammer Österreich

Der Fachverband Hotellerie in der Wirtschaftskammer Österreich vertritt 18.000 Beherbergungsbetriebe mit 1,05 Millionen Betten. Mit 131 Millionen Nächtigungen jährlich legt Österreichs Hotellerie einen wichtigen Grundstein für eine direkte Wertschöpfung im Tourismus von knapp 17 Milliarden Euro. Jeder fünfte Vollzeitarbeitsplatz wird im Tourismus und in der Freizeitwirtschaft generiert.

Die Österreichische Hoteliervereinigung

Die ÖHV gestaltet als freiwillige parteiunabhängige Interessenvertretung der führenden Hotellerie durch Lobbying die Rahmenbedingungen für modernes Unternehmertum. Mehr als 1.200 Mitgliedsbetriebe mit rund 152.000 Betten (rund zwei Drittel der Kapazitäten in der 4- bis 5-Sterne-Superior-Hotellerie) nutzen operative Dienstleistungen in Marketing und Weiterbildung wie ihren Vorsprung durch Innovation und Vernetzung.

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