Medien.Mittelpunkt Ausseerland: Kontroverse Debatte zur Wandlungsfähigkeit von Politik und Wirtschaft

Innsbruck (TP/OTS) - Mit rund 60 hochkarätigen Teilnehmern aus Politik, Medien, Wirtschaft und Kultur startete Donnerstagabend der Medien.Mittelpunkt Ausseerland in Altaussee. Im inhaltlichen Fokus standen die Sehnsucht nach dem Echten, das gesellschaftliche Wertesystem, das sich in einem rasanten Klimawandel befindet.

Mit einem literarischen Streifzug durch die Region wurde die neue Veranstaltungsreihe feierlich eröffnet. Die in Altaussee lebende Schriftstellerin Barbara Frischmuth begeisterte die Teilnehmer mit einer Lesung aus Ihrem 2012 erschienenen Roman "Woher wir kommen", der in Wien, Istanbul und vor allem auch in Altaussee spielt.

Im Anschluss daran brachte Dana Giesecke, Soziologin und Leiterin der Stiftung FUTURZWEI, mit ihrer kritischen Reflexion zur ungebrochenen Wachstumsgläubigkeit und Konsumeuphorie unserer westlichen Welt, die facettenreiche Diskussion ins Rollen. Angesichts schwindender Rohstoffe sei ein Wandel unumgänglich, so Giesecke. Tatsächlich fresse die heutige Wirtschaftskultur die Zukunft kommender Generationen. Eindimensionaler Glaube an permanenten technologischen Fortschritt und Wachstum sei in weiten Teilen der Gesellschaft einem fortschreitenden Zukunftspessimismus gewichen. Dass es den eigenen Kindern einmal besser gehe, daran würde heute in Deutschland nicht einmal mehr die Hälfte der Bevölkerung glauben.

Dass auch ein anderes zukunftsfähiges und damit neues ökonomisches Paradigma möglich sei, müsse sich erst langsam in den Köpfen der Menschen festsetzen. Deshalb konzentriere sich die Stiftung FUTURZWEI auch auf das Erzählen von Geschichten des Gelingens über Wirtschaftsunternehmen mit nachhaltigen Strategien. Giesecke: "Wir brauchen diese nachvollziehbaren Praxisbeispiele, weil niemand irgendetwas Abstraktes rettet, sondern immer nur ganz Konkretes!"

Gieseckes Kritik am Hyperkonsum und ihrem Aufruf an geeigneten Stellen auch Verzicht zu üben, widersprach Eveline Steinberger-Kern, die jahrelang in Toppositionen großer Konzerne tätig war und schließlich die international tätige Firma "green minds" gründete. Derartige Verzichtsdebatten dürften nicht nur aus der Sicht des wohlhabenden Europas geführt und müssten von einer Gerechtigkeitsdiskussion begleitet werden, denn der Blickwinkel beispielsweise in Schwellenländern sei verständlicherweise ein völlig anderer.

Zur Wandlungsfähigkeit von Politik und Wirtschaft angesichts von rasanten gesellschaftlichen Umbrüchen entfaltete sich beim "Medien.Mittelpunkt Ausseerland" eine rege Diskussion. Beate Winkler, erste weibliche Direktorin einer EU-Agentur und ehemalige Beraterin europäischer SpitzenpolitikerInnen, bestätigte vor dem Hintergrund eigener Erfahrungen und wissenschaftlicher Erkenntnisse: "Zwischen Erkenntnis, dass ein Thema angegangen werden muss und Aktion vergehen in der Politik gerne einmal 10 Jahre." Und auch Sabine "Sassy" Holzinger, Sängerin von Österreichs erfolgreichster Mundartband "DIE SEER" bestätigte: "Es ist viel Bequemlichkeit im System. Solange es uns gefühlt recht gut geht, ist und bleibt der Mensch ein Beharrungswesen."

Diese Einschätzung teilte auch Österreichs Familienministerin Sophie Karmasin, die mehr Mut und Kreativität einforderte. Mit dem Aufruf zu Verzicht erreiche man nichts, anziehende Bilder und Visionen in einer Gesellschaft zu etablieren, die konkrete Verhaltensänderungen nach sich ziehen, sei ein Gebot der Stunde. Ihre eigene Motivation für den Wandel von der angesehenen Wissenschaftlerin zur Politikerin erklärte Karmasin sehr persönlich:
"Ich sah daran die Chance nicht mehr nur besser zu wissen, sondern es auch besser zu machen." Sich in diesem Sinne für mehr Familienfreundlichkeit einzusetzen sei enorm wichtig, weil darin auch zentrale Nachhaltigkeitsaspekte für eine Gesellschaft geweckt werden. Kinder erweitern den Horizont automatisch über die eigene Generation hinaus."

Mit hochkarätigen Programmpunkten zwischen Politik und Literatur wird der "Medien.Mittelpunkt Ausseerland" heute fortgesetzt. Freitagnachmittag beschäftigen sich die Journalisten und Buchautoren Gerhard Jelinek und Gregor Mayr mit den Anfängen des ersten Weltkriegs.

Das inhaltliche Finale des Medien.Mittelpunktes wird mit der Abendveranstaltung am Freitag über die Bühne gehen. Zum Thema "Wie zukunftsfähig ist die europäische Politik?" werden sich gut eine Woche vor der Europawahl Dimitrios Droutsas (Europaabgeordneter, Fraktion der Progressiven Allianz der Sozialisten & Demokraten im Europäischen Parlament; ehemaliger griechischer Außenminister), Fritz Grillitsch(Abgeordneter zum Nationalrat, ÖVP), Eva Lichtenberger (Europaabgeordnete und Fraktionssprecherin der Grünen) und Christian Kern (Vorstandsvorsitzender ÖBB Holding AG und Vorsitzender des Europäischen Eisenbahnverbandes CER) den durchaus provokanten Zukunftsthesen der Journalisten Martina Salomon (Kurier), Matthias Kamp (WirtschaftsWoche) und Michael Jungwirth (Kleine Zeitung) stellen.

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