Mit Batcordern unterwegs im Nationalpark Hohe Tauern

8. Tag der Artenvielfalt im Nationalpark

Mallnitz, Matrei, Mittersill (TP/OTS) - 70 WissenschaftlerInnen aus Österreich, Deutschland, Slowenien und Italien durchkämmten vom 18. bis 20. Juli 2014 das Seebachtal bei Mallnitz (Kärnten) mit dem Ziel, innerhalb von 48 Stunden möglichst viele Tier-, Pflanzen- und Pilzarten vom Talboden bis in die Gipfellagen zu erheben. Mit dabei war auch Daniela Wieser, Koordinatorin der KFFÖ (Koordinationsstelle für Fledermausschutz und - forschung in Österreich) für Kärnten. Die "Batwomen" ist mit ihrem Team angereist, um den Fledermausbestand im Seebachtal zu erkunden.

"Mit unseren 16 Batcorder-Standorten konnten wir 12 verschiedene Fledermausarten im Tal nachweisen und wahrscheinlich werden es nach genauer Auswertung sogar noch mehr werden", stellt Wieser erfreut fest und weist damit das Seebachtal im Nationalpark Hohe Tauern als ausgezeichneten Lebensraum für Fledermäuse aus. "Die Batcorder muss man einfach in der Nähe der Leuchttürme aufstellen, wo die Schmetterlingsforscher in der Nacht ihre Arbeit verrichten. Das Buffet für die Fledermäuse ist dort ja bereits angerichtet", schmunzelt Wieser, denn Fledermäuse sind äußerst intelligente und soziale Tiere.

Angst muss man vor den gutmütigen nächtlichen Fliegern keine haben. Mittels Sonarsystem können die Tiere ihren Flug millimetergenau bestimmen. Einige Arten können bis zu 1.000 km ziehen und die kleinste Art, die Zwergfledermaus wiegt nur ca. 4 Gramm! Die größte Art ist der große Abendsegler mit etwa 40 cm Flügelspannweite. Neben der grundlegenden Forschungstätigkeit ist die KFFÖ die Lobby für die Fledermäuse in Österreich. Der Lebensraumschutz ist das Wichtigste für den Fortbestand aller heimischen Fledermausarten, die streng geschützt sind. Auch Monokulturen und Spritzmitteleinsatz haben Einfluss auf die Populationen und traditionelle Bauweisen verschwinden zunehmend. Das Bewusstsein für diese faszinierenden aber für viele Menschen unheimlichen Säugetiere hat sich in den letzten Jahren stark verbessert. Mit Ihren Fragen können Sie sich gerne an die KFFÖ wenden (www.fledermausschutz.at). Totholz, Specht- und Baumhöhlen, Felsritzen aber auch alte Ställe, Dachböden und Hütten bieten den Nachtschwärmern ein ausgezeichnetes Habitat und das ist in Mallnitz und im Seebachtal - auch dank des Nationalparks Hohe Tauern - noch zur Genüge vorhanden.

Pflanzen, Vögel, Schmetterlinge, Libellen, Heuschrecken, Käfer, Wanzen, Zikaden, Hummeln, Köcherfliegen, Steinfliegen, Spinnen, Amphibien, Reptilien, Säugetiere, Fische, Flechten, Algen, Pilze und vieles mehr wurden am Tag der Artenvielfalt im Seebachtal beobachtet und wissenschaftlich dokumentiert.

Ein kleines Rätsel gibt der Fund des großen Eisvogels auf. Dieser seltene Tagfalter ist eigentlich ein Auenbewohner, die Raupen benötigen Pappeln als Futterpflanzen. Ein wunderschönes Schmetterlingsweibchen verirrte sich im Seebachtal und wurde unterkühlt auf über 2.600 m Seehöhe in einem Schneefeld entdeckt. Für Patrick Gros, Schmetterlingsexperte am Haus der Natur in Salzburg, ist das äußerst rätselhaft. "Wir müssen jetzt nachfragen, ob sie mit den Forscherkollegen aus Italien mitgekommen ist.", so Gros leicht ironisch, "Vielleicht hat der große Falter auch durch die Thermik bzw. mit der Ankogelbahn diese ungewöhnliche Seehöhe erreicht".

Alle im Rahmen des Tages der Artenvielfalt erfassten Arten werden nach Abschluss aller Bestimmungsarbeiten (an die 1.500 Taxa werden nach ersten Hochrechnungen erwartet) in die Biodiversitätsdatenbank des Nationalparks Hohe Tauern am Haus der Natur integriert. "Die Biodiversitätsdatenbank ist eine wichtige Grundlage zur Erfassung des Artenbestandes im Nationalpark Hohe Tauern und dient als Basis für gegenwärtige und zukünftige Management- und Forschungsaufgaben. Sponsor Milka unterstützt mit Geldern die aufwändige und zeitintensive Datenerfassung und leistet so einen wichtigen Beitrag für den Nationalpark Hohe Tauern", betont Nationalparkdirektor Peter Rupitsch.

Infos zum Untersuchungsgebiet: www.hohetauern.at/artenvielfalt2014

Rückfragen & Kontakt:

Mag. Katharina Aichhhorn
Wissenschaft im Nationalpark Hohe Tauern, Kärnten
Gesamtorganisation des 8. Tages der Artenvielfalt
Tel.: 0664 6202330
Katharina.Aichhorn@ktn.gv.at

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