ÖHV: Volkswirtschaftliches Gutachten hält fest: Steuererhöhung schadet Standort

200 Mio. Euro Wertschöpfung und 3.100 Arbeitsplätze weniger für 200 Mio. Euro Steuern mehr

Wien (TP/OTS) - ÖHV (Wien): Die ÖHV setzt auf Fakten: Die Steuererhöhungen bringen höhere Preise, niedrigere Erträge, weniger Nächtigungen, weniger Investitionen, weniger Arbeitsplätze und weniger Betriebsübergaben.

Mehrwertsteuer von 10 % auf 13 %, die Grunderwerbsteuer auf Basis des Verkehrswerts und die längere Abschreibungsdauer: Mit dem Griff in die Kassen der Hotellerie holt sich die Regierung 200 Mio. Euro. Dafür geht Wertschöpfung in der gleichen Höhe verloren. "Die Einnahmen werden sinken, die Kosten steigen. Investitionsrückgänge werden die Wettbewerbsposition verschlechtern. Diese Art von Wirtschafts- und Arbeitsmarktpolitik schadet dem Standort", erklären die Präsidenten der Österreichischen Hoteliervereinigung (ÖHV), Michaela Reitterer und Mag. Gregor Hoch.

Nächtigungsrückgang, sinkende Erlöse, Wertschöpfungsverlust Die renommierte Ökonomin MMag. Agnes Streissler-Führer hat im Auftrag der ÖHV die Auswirkungen der Steuererhöhungen auf Hotellerie und Standort berechnet:

  • Das zusätzliche MwSt-Aufkommen würde die Hotels rund 177 Mio. Euro kosten.
  • Die Nettoerlöse würden um 2,5 % sinken bei durchschnittlichen EGTs von 2%.
  • Eine Grunderwerbsteuer von 0,5% bis 3,5 % vom Verkehrswert würde Übergaben mit 140.000 statt 24.000 Euro belasten.
  • In Summe lägen die Mehrbelastungen für die Hotellerie über 190 Mio. Euro, der Wertschöpfungsverlust in der Volkswirtschaft bei 216 Mio. Euro.
  • Die Verlängerung der Abschreibungsdauer würde die Hotels weitere 12 Mio. Euro kosten und zu einem Rückgang der Investitionen um 12 Mio. Euro führen.
  • Der zu erwartende Nächtigungsrückgang von 0,5 bis 1 % würde das Ziel der Bundesregierung - 140 Mio. Nächtigungen 2018 - empfindlich beeinträchtigen.
  • Mitten in der Krise werden über 3.080 weitere Arbeitsplätze verloren gehen.

Hotellerie schafft 2.875 Arbeitsplätze, Regierung vernichtet 3.080

Arbeitsplatzverluste wären unvermeidlich - dabei hat die Hotellerie gegen den Trend in der Gesamtwirtschaft seit Beginn der Wintersaison 2.875 Arbeitsplätze geschaffen: ein Plus von 3,19 %. Damit liegt sie im Branchenvergleich ganz weit vorne. Durch die Steuererhöhungen gehen - konservativ gerechnet - mehr als 3.100 Arbeitsplätze verloren: Die Regierung würde auf einen Streich mehr Arbeitsplätze vernichten als alle Hotels in der bisherigen Saison geschaffen haben. "Der Ausfall bei der Lohnsteuer und die zusätzliche Ausgaben für Arbeitslose würden weitere 32,3 Mio. Euro kosten", hält Reitterer fest.

Nach Nächtigungsrückgang 2014: Turnaround notwendig!

Große Sorgen bereitet der Branche auch die Verschlechterung der Wettbewerbsposition: Die Verlängerung der Abschreibungsdauer wird in einem ersten Schritt andere Branchen treffen, das Bau- und Baunebengewerbe. Mittelfristig würden sich fehlende Investitionen in Hotels bemerkbar machen: "Österreich steht für Qualität - muss es auch, bei den hohen Steuern. Wer nicht investiert, verliert", warnt Reitterer vor ausbleibenden Gästen und Einnahmenrückgängen über die Branchengrenze hinaus. Schon im Vorjahr gab es einen Nächtigungsrückgang um 0,6 %. "Dieser Trend darf sich nicht verfestigen", so Reitterer: "Wir brauchen einen Turnaround!"

Leitbetriebe gefährden für 0,12 % der Gegenfinanzierung?

Die Erhöhung der Grunderwerbsteuer gefährdet die Leitbetriebe, deren Investitionen und Gäste den Arbeitsmarkt in den Tourismusregionen tragen. Die zusätzlichen Kosten für eine Betriebsübergabe würden von 24.000 auf 140.000 Euro schnellen: "Das ist das Vielfache eines aktuellen Jahresergebnisses. Nach der Steuerreform werden das viele Betriebe nicht erwirtschaften können", warnt Hoch. Die Folgen für die Wirtschaft im Alpenraum wären unabsehbar: "Gäste bleiben aus, Investitionen gehen zurück, Betriebe können nicht mehr übergeben werden und schließen. All das für 6 Mio. Euro an Einnahmen? Das sind 0,12 % des Steuerreformvolumens von 5 Mrd. Euro", rückt Hoch die Verhältnisse zurecht.

Branche senkt Entschuldungsdauer, Regierung arbeitet dagegen

Über Jahrzehnte hinweg lag die Entschuldungsdauer der Hotellerie über der gesetzlichen Obergrenze. "Jetzt haben wir sie endlich gesenkt -und dann wird den Betrieben der Boden unter den Füßen weggezogen. Ich hoffe für den Standort, dass sich die Regierung das noch einmal durch den Kopf gehen lässt", erklärt Hoch. Die vorliegenden Pläne würden die durchschnittlichen Ergebnisse in der Top-Hotellerie auf 0,6 % drücken.

Gefordert: Umsetzung von Tourismusstrategie und Impulsprogramm

Die ÖHV wies die Regierung darauf hin, dass die Steuerreformkommission mit falschen Zahlen und Annahmen arbeitete. Viele Auswirkungen wurden nicht bedacht, es mangelte an Branchenkenntnis. Spielraum für weitere Belastungen sehen weder Hoch noch Streissler-Führer: Betriebsergebnisse, Kapitalisierung und Re-Investitionsquote der Branche sind unterdurchschnittlich. Auch die Leistungsbilanz weist die Stagnation der Tourismusexporte nach: Das nominelle Plus von 1,6 % ist real bestenfalls eine schwarze Null. Damit setzt sich der Trend der vergangenen Jahre, nachzulesen im Tourismusbericht des Bundesministeriums für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft, fort. Für eine Trendumkehr hin zu Wachstum und Beschäftigung müssten die Tourismusstrategie des Tourismusministers und ein Impulsprogramm, das darauf aufbaut, umgesetzt werden, so die ÖHV-Präsidenten.

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