ÖHV zu Steuerreform: Ergebniskosmetik ohne Weitblick

Wenig Fehler beseitigt, kritische Punkte weiter offen

Wien (TP/OTS) - Statt Impulse setzt die Regierung weiterhin auf Belastungen. Die Nachbesserungen beim Steuerreformgesetz greifen zu kurz. Abgeordnete aus Tourismusregionen sollen gegen den Belastungskurs stimmen.

"Statt sich mit den Herausforderungen für die Branche auseinanderzusetzen und mit Impulsen die Wirtschaft anzukurbeln, wurde wieder der österreichische Weg gewählt: Steuern erhöhen statt sparen", kommentieren Michaela Reitterer und Mag. Gregor Hoch, die Präsidenten der Österreichischen Hoteliervereinigung (ÖHV), den vom Ministerrat verabschiedeten Entwurf zum Steuerreformgesetz. Reformelemente fehlen ebenso wie die Senkung der Lohnnebenkosten. "Diese Kurzsichtigkeit kommt uns teuer: Sie kostet uns Wertschöpfung und Arbeitsplätze", verweisen sie auf den aktuellen Tourismusbericht.

Impulse statt Belastungen

Das ernüchternde Ergebnis der Analyse: Seit 2000 bleibt die Tourismusnachfrage hinter der gesamtwirtschaftlichen Dynamik zurück. Während das BIP von 2000 bis 2014 im Durchschnitt um 1,4% pro Jahr wuchs, stagnieren die preisbereinigten Tourismusumsätze. Hält der Trend an, investieren Betriebe bei steigendem Kosten- und Gewinndruck weniger. "Unterm Strich verlieren wir unsere Wettbewerbsfähigkeit und Marktanteile. Jede weitere Belastung ist Gift für den Standort", warnt Hoch vor dieser Entwicklung. Nachhaltige Wirtschaftspolitik setzt auf gezielte Impulse statt auf kurzsichtige Steuererhöhungen, ist der Branchensprecher überzeugt.

Knackpunkt Umsatzsteuer

Allen voran schadet die Anhebung der Umsatzsteuer auf 13 % dem Standort: "Die Regierung hat die Energiekosten erhöht, die Löhne steigen, jetzt auch die Umsatzsteuer: Wer all das an den Gast weitergibt, verliert Nächtigungen", erklärt Reitterer. Die Ergebnisse sind zu knapp, um die Belastungen auffangen zu können. Was bleibt? Einsparungen bei Werbung, Mitarbeitern (der größte Kostenblock) oder Investitionen, so Reitterer: "Das geht an die Substanz."

Ergebniskosmetik: Einige Fehler beseitigt, andere einzementiert

Von Jubel in der Branche kann keine Rede sein: "Die Hotels werden draufzahlen, das ist die Realität", erklärt Hoch. Presseaussendungen, die die Steuerreform begrüßen, seien daher "nicht ernst zu nehmen:
Die kommen aus den Parteizentralen." Die ÖHV setzt auf die Abgeordneten aus den Tourismusregionen: "Jede Stimme für diese Steuerreform ist eine Stimme für einen Belastungskurs." Um das Schlimmste zu verhindern, hat die ÖHV alles daran gesetzt, der Politik die Fehler zu erklären: "Einige konnten wir beseitigen, andere wurden einzementiert", bedauert Hoch.

Korrektur NGrad 1: Keine höhere Grunderwerbsteuer für verschuldete Betriebe

Ursprünglich sollte die Übernahme von Betrieben mit Schulden siebenmal so viel Grunderwerbsteuer kosten wie die von schuldenfreien. Das wurde verhindert. Hier sind aber noch entscheidende Weichen zu stellen: Die Bewertung der Grundstücke soll auf Basis eines Immobilienpreisspiegels erfolgen - eine Gefahr für die Übergabe von Hotels, die nicht zu unterschätzen ist! Hier müssen Experten aus der Branche involviert werden, fordert die ÖHV.

Ztwl.: Korrektur NGrad 2: Kürzere Abschreibungsdauern für Inventar

Jahrelang wurden Bäder und Wellnessbereiche auf 33 Jahre abgeschrieben: viel zu lange, wurde auch in der Tourismusstrategie des Wirtschaftsministeriums als To do vermerkt. Das Finanzministerium sah das anders und verlängerte die Abschreibung sogar auf 40 Jahre. Am Ende siegte die Vernunft: Einbauten können gemäß der Dauer ihrer Nutzung abgeschrieben werden: ein Turnaround, der von der ÖHV schon lange gefordert wurde.

Korrektur NGrad 3: Frühstück bleibt bei 10 %

Der erste Entwurf sah vor, dass separat verkauftes Frühstück mit 10 % versteuert wird, in Kombination mit einer Nächtigung allerdings mit 13 %: "Dieser Unsinn stand tatsächlich im Entwurf. Zwei unterschiedliche Steuersätze auf das gleiche Produkt im gleichen Lokal, nur um die Einnahmen zu erhöhen: Das wäre wirklich nicht zu argumentieren gewesen", hält Hoch fest.

Korrektur NGrad 4: Vereinfachung für Packages

Erleichterung soll das mit Nachdruck geforderte Modell zur pauschalen Aufschlüsselung von Umsätzen auf Beherbergung und Frühstück zu verzeichnen: "Das verhindert noch höhere Steuern und reduziert den Aufwand, ohne die Wettbewerbsposition noch weiter zu verschlechtern", erklärt Reitterer.

Leistungsträger KMU

Der Großteil der 1.300 ÖHV-Mitglieder sind Familienbetriebe. Mit 160.000 Betten repräsentieren sie rund 2/3 der 4- und 5-Sterne-Hotels in Österreich. Wenn die nächste Generation sie nicht übernimmt, bricht der wirtschaftliche Kreislauf in der Region zusammen - mit unweigerlichen Arbeitsplatzverlusten in Werbung, Verkehr, Handel, Gastronomie, Gewerbe, Sport-, Kultur- und Freizeitbetrieben sowie den Gemeinden.

Weitere Pressemeldungen und Bildmaterial finden Sie unter www.oehv.at/presse

Rückfragen & Kontakt:

Martin Stanits
Public Affairs & Research
Tel.: +43 664 516 08 31
E-Mail: presse@oehv.at
www.oehv.at

TP-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.TOURISMUSPRESSE.AT | T150002