Zwei junge Bartgeier fliegen vom Nationalpark Hohe Tauern in die Freiheit

30 Jahre Bartgeierwiederansiedelung im Alpenraum

Matrei in Osttirol (TP/OTS) - 1986 wurden im Nationalpark Hohe Tauern im Zuge eines Wiederansiedelungsprojekts die ersten Bartgeier ausgewildert. Damals wusste noch niemand wohin die Reise geht. Aber die Zielstrebigkeit, die europaweit hervorragende Zusammenarbeit, die Beharrlichkeit vieler ‚sturer‘ Akteure und ein großes Netzwerk haben das Artenschutzprojekt zum erfolgreichsten Projekt auf europäischer Ebene gemacht. Zum 30jährigen Jubiläum starten heute die zwei jungen Bartgeier Lucky und Charlie vom Untersulzbachtal aus ihr Leben in die Freiheit.

„Bartgeier kennen keine von Menschen gezogenen Grenzen, es wird daher beim Bartgeierprojekt über die Länder- und Staatengrenzen hinweg zwischen Nationalparks, Schutzgebieten, Naturschutzorganisationen, Behörden, Zoos, Jägerschaften und Universitäten hervorragend national und international zusammengearbeitet. Das Projekt ist ein ausgezeichnetes Beispiel nationalen und internationalen Natur- und Artenschutzes. Über Jahrzehnte haben sich engagierte Persönlichkeiten und Schutzgebiete ganz den Bartgeiern verschrieben und alle – oftmals gedanklichen - Barrieren gelöst. Ein großer Dank an alle MitarbeiterInnen und auch finanziellen Unterstützern, welche es ermöglicht haben, dass wir die imposanten „Könige der Lüfte“ heute wieder im Alpenraum segeln sehen dürfen“, so LH-Stv. von Salzburg, Dr. Astrid Rössler, welche auch im Namen ihrer politischen Kollegen aus Kärnten, Mag. Gernot Darmann, und aus Tirol, Mag. Ingrid Felipe, sprach.

Die beiden heute freigelassenen jungen Bartgeier Lucky (Pate der langjährige Projektsponsor Österreichische Lotterien) und Charlie (Patin ist die Schauspielerin Lilian Klebow, Bartgeier trägt den Namen ihrer Tochter), ein Männchen und ein Weibchen, stammen aus dem Tierpark Friedrichsfelde Berlin. Durch die Markierung, Beringung und Besenderung der Jungvögel werden wichtige Daten und Erkenntnisse über die Bartgeier gesammelt. Die Jungvögel werden erst in ein paar Wochen flügge und bis dahin von Bartgeierbetreuern an ihre neue Freiheit gewöhnt. In dieser Zeit wird den interessierten Nationalpark-Besuchern am Freilassungsplatz ein Beobachtungsstand angeboten, der solange sich die jungen Bartgeier im Untersulzbachtal (Nationalparkgemeinde 5741 Neukirchen a. Gr.) aufhalten, täglich zwischen 11:00 – 15:00 Uhr als Anlaufstelle für Informationen dienen wird. Die Beobachtungsstation, gelegen bei der Aschamalm, ist in ca. 4 Stunden zu Fuß ab dem Taleingang des „Untersulzbachtales“ zu erreichen. Die Besucher können den Anmarschweg durch die Nutzung eines Nationalparktaxis bis zur Stockeralm auf eine Stunde reduzieren.

Seit 1986 wurden mit heutigem Tag 222 Bartgeier ausgewildert. Bisher entwickelte sich der Bartgeier Bestand in den Alpen sehr positiv und im Alpenraum leben rund 230 – 250 Vögel. Die Population zeichnet sich von einer hohen Produktivität und einer niedrigen Mortalität aus. Sehr erfreulich entwickelte sich die Zahl der in freier Wildbahn geschlüpften Junggeier. 1997 flog in Hochsavoyen der erste junge Bartgeier aus und seitdem zählt der Bartgeier in den Alpen wieder als Brutvogel. Im Vorjahr flogen alpenweit 20 Junggeier aus und somit stieg die Zahl der im Freiland erfolgreich ausgeflogenen auf insgesamt 148 Junggeier an.

Das Bartgeierprojekt ist nicht nur das Aushängeschild eines erfolgreichen internationalen Artenschutzes, es ist auch Symbol dafür, was ein Nationalpark an Bewusstseinsbildung leisten kann. Heute zählt es zu den spektakulärsten und populärsten Langzeitprojekten des Nationalparks Hohe Tauern und der Alpen. Die Bevölkerung der Nationalparkregion freut sich diesen majestätischen Vogel wieder über den Gipfeln unserer Alpen kreisen zu sehen. Ohne Nationalparks, als großflächige Schutzgebiete und damit "Trittsteine" und Rückzugsgebiete für gefährdete Arten in einem grenzüberschreitenden ökologischen Verbund und ohne Nationalparks mit eigenem Management und damit Wissen und Erfahrung in Naturraummanagement, Wissenschaft und Umweltbildung – wäre dieses europaweit größte und erfolgreichste Artenschutzprojekt weder in seiner Startphase noch in der heutigen weiteren Betreuung möglich.

Projektträger: Nationalparkrat Hohe Tauern
Mit Unterstützung von Bund und der Europäischen Union
Sponsor: Österreichische Lotterien

Rückfragen & Kontakt:

DI Ferdinand Lainer, Projektleitung Große Greifvögel im Nationalpark Hohe Tauern
Tel. 0664 3436293

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