Sharing-Plattformen sind für die Steuern selbst verantwortlich

Für die Orts- und Kurtaxe zeichnet sich eine Lösungen ab: Plattformen werden in Zukunft als „Treuhänder“ agieren

Das spielt in steuerlicher Hinsicht eine große Rolle
Thomas Reisenzahn
Jedenfalls ist es dem Gast bei Sharing- Plattformen nicht möglich zu erkennen, wer der Wohnungsanbieter ist
Manfred Leitinger
Je nach tatsächlicher Gestaltung der Sharing-Travel Seite sowie des Auftretens können daher unterschiedliche Beurteilungen entstehen
Manfred Leitinger

Wien (TP/OTS) - Die Prodinger Gruppe hat in einer umfangreichen Analyse die Unterschiede zwischen Reiseplattformen (OTAs, wie z.B. www.booking.com) und Sharing-Travel Seiten (wie Airbnb) analysiert. Dabei hat sich gezeigt, dass Sharing-Plattformen nicht als Vermittler zwischen Gastgeber und Gast agieren, sondern ihre Leistungen direkt gegenüber dem Endverbraucher erbringen. "Das spielt in steuerlicher Hinsicht eine große Rolle", sagt Thomas Reisenzahn von Prodinger. Fälschlicherweise wurde in der Vergangenheit immer vermittelt, dass für die Steuerabführung der Gastgeber selber zuständig sei. Die Rechnung an den Gast kommt derzeit aus dem Niedrigsteuerstaat Irland und der Gastgeber wird mit der Abführung der Steuerlast alleine gelassen.

Beim Aufruf von Sharingseiten sowie bei der Auswahl einer Wohnung wird bekanntlich nicht darauf hingewiesen, dass die Vermietung für einen Dritten erfolgt. Der Wohnungsanbieter ist darüber hinaus nirgendwo vollständig genannt. Auch bei der Buchung und bei der Rechnungslegung wird das Tätigwerden für einen Dritten nicht ersichtlich gemacht. "Jedenfalls ist es dem Gast bei Sharing- Plattformen nicht möglich zu erkennen, wer der Wohnungsanbieter ist", sagt Manfred Leitinger von der Prodinger Steuerberatung. Für die Abführung der Umsatzsteuer ist also nicht der Gastgeber zuständig, sondern die Sharing-Plattform.

Wenn diese Betrachtung aus Sicht der Einkommen- und Umsatzsteuer weiter gedacht wird, so ist die Sharing-Travel Seite ein selbständiger Unternehmer, der eine Leistung für den Gast besorgt. Die Sharing-Plattform unterliegt daher selbst der Einkommen- und der Umsatzsteuer für diese Leistungen. Aus Sicht der Regelungen im UStG ergibt sich dann eindeutig die Steuerpflicht in Österreich, da die Vermietung von Wohnungen oder Zimmer vor Ort steuerpflichtig ist. Erst in einem zweiten Schritt ist für die Sharing-Travel Seite zu prüfen, ob die eingekaufte Leistung zum Vorsteuerabzug berechtigt. Dies wird in vielen Fällen nicht der Fall sein – wenn der Vermieter (Eigentümer) als Kleinunternehmer umsatzsteuerbefreit ist.

Umsatz- und Einkommenssteuer müssten Airbnb & Co direkt abführen und nicht der Gastgeber

Aus Sicht der Einkommensteuer ist weiter zu prüfen, ob die Tätigkeit der Sharing-Travel Seite eine Steuerpflicht in Österreich auslöst. Dies ist jedenfalls gegeben, wenn die Sharing-Travel Seite feste Einrichtungen in Österreich betreibt. Doch auch Hilfsbetriebsstätten, ein Server oder ein Vertreter in Österreich können die Besteuerung auslösen. "Je nach tatsächlicher Gestaltung der Sharing-Travel Seite sowie des Auftretens können daher unterschiedliche Beurteilungen entstehen", fasst Leitinger zusammen.

Reiseplattformen (OTAs ) geben hingegen den Hotel- bzw. Unterkunftsnamen bekannt, die Fakturierung erfolgt zwischen Betrieb und Gast.

Aus den dargestellten Gründen können Sharing-Plattformen als Leistungserbringer der Vermietungsleistung angesehen werden und unterliegen dann der Umsatzsteuer. Da die Kleinunternehmergrenze überschritten sein wird, ist für die Umsätze die Umsatzsteuer von 13 % herauszurechnen und gleichsam als Treuhänder an das Finanzamt abzuführen, was aktuell nicht passiert. Es gibt Verhandlungen in Destinationen, dass die Ortstaxe als Durchlaufposten erkennbar sei und Airbnb & Co. diese als Treuhänder an die zuständige Körperschaft abführen sollte.

Österreich entgehen jährlich € 14,7 Millionen (Umsatzsteuer und Einkommensteuer), die durch solche Steuertricks nicht versteuert werden, schätzt die Prodinger-Gruppe.

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+43 6542 736 61-1644
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