Werbeabgabe: Tourismus kritisiert undurchdachte Ausweitung auf Online-Plattformen

"Viel Aufwand, kein Ertrag und zusätzliche Belastungen" - Experten für komplette Abschaffung

Das würde künftig jede Agentur in Österreich - und auch jeden Unternehmer, der selbst zum Beispiel Google Ads bucht - zwingen, die Steuer für Google ersatzweise zu bezahlen. Das kann aber nicht im Interesse der Bundesregierung liegen, da man damit eben nicht Google, sondern heimische Unternehmen besteuert und der Mehraufwand letztlich beim Kunden landet
Thomas Reisenzahn
Es kann doch nicht sein, dass Google ohne Steuer durchkommt und heimische Tourismus-Betriebe, die viel in Google Adwords investieren im Endeffekt dafür berappen müssen. Dies würde in letzter Konsequenz wieder den Direktvertrieb schädigen und Plattformen wie Booking.com in die Hände spielen, die sich diese Gebühren bei der Schaltung von Online-Werbung ersparen
Thomas Reisenzahn

Wien (OTS) - Statt die umstrittene Werbeabgabe, wie im neu verhandelten Regierungsübereinkommen vorgesehen, auch auf Onlinewerbung auszudehnen, sollte sie am besten komplett abgeschafft werden. Denn dem großen Aufwand steht kein nennenswerter Ertrag gegenüber. Letztlich würden die Konsumenten zusätzlich belastet. "Das Konzept ist nicht durchdacht und ein bürokratischer Unsinn", kritisiert die Prodinger Gruppe den jüngst bekannt gewordenen Vorschlag. 

Bei der Neuregelung der Werbeabgabe unterstützt die Regierung bekanntlich den Ansatz, alle Medien in Österreich gleich zu behandeln und spricht sich dafür aus, die Abgabe künftig auch auf Online-Plattformen anzuwenden. Thomas Reisenzahn, Geschäftsführer der Prodinger Tourismusberatung, sieht gerade diesen Schritt sehr kritisch und nachteilig für heimische Tourismusanbieter. Denn internationale Player wie Google hätten einen großen Wettbewerbsvorteil, da eine spezifisch nationale Abgabe bei globalen Unternehmen nicht durchsetzbar wäre und steigenden Marketingkosten führen würde. 

Laut dem Gesetzesvorschlag der Regierung könnte in Fällen, in denen der Werbeleister seinen Firmensitz im Ausland hat, der heimische Auftraggeber "ersatzweise" herangezogen werden, um die Abgabe abzuführen. "Das würde künftig jede Agentur in Österreich - und auch jeden Unternehmer, der selbst zum Beispiel Google Ads bucht - zwingen, die Steuer für Google ersatzweise zu bezahlen. Das kann aber nicht im Interesse der Bundesregierung liegen, da man damit eben nicht Google, sondern heimische Unternehmen besteuert und der Mehraufwand letztlich beim Kunden landet", erklärt Reisenzahn. Allein in der österreichischen 4 und 5 Sterne Hotellerie würden so jährlich rund 8 Mio. Euro an zusätzlichen Werbeabgaben anfallen. Einzelne Spitzendestinationen investieren jährlich mehr als 100.000 Euro in Google Adwords, was zu einer Mehrbelastung von 5.000 Euro pro Destination führt. In der Praxis würde dies wohl zu einer Weitergabe der Belastung an die Kunden führen, die dafür wenig Verständnis hätten. 

Die Experten von Prodinger halten die Werbeabgabe für verzichtbar, speziell im Bereich online. "Es kann doch nicht sein, dass Google ohne Steuer durchkommt und heimische Tourismus-Betriebe, die viel in Google Adwords investieren im Endeffekt dafür berappen müssen. Dies würde in letzter Konsequenz wieder den Direktvertrieb schädigen und Plattformen wie Booking.com in die Hände spielen, die sich diese Gebühren bei der Schaltung von Online-Werbung ersparen", fasst Reisenzahn die Kritik an der Neuregelung und die damit verbundene Erschwernis der direkten Vermarktung zusammen. Ähnliches gilt für die Facebook Werbung, die auch immer stärker wird. Dann wären es schon zwei große Anbieter, die aus den genannten Gründen bessergestellt wären als österreichische Medien.

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